CDMA-Ausstieg Nokias neue Strategie

Der Handyhersteller Nokia steigt aus der Produktion von dem vor allem in den USA beliebten CDMA-Handys aus und verwirft damit das geplante Joint Venture mit Sanyo. Dieser Rückzug und die bevorstehende Siemens-Kooperation - für die inzwischen die komplette Führungsriege aufgestellt wurde - werten Analysten als Strategieänderung.

Espoo/München - Der finnische Handyhersteller Nokia  gibt die Produktion von Telefonen mit dem vor allem in den USA beliebten Standard CDMA auf. Zudem würden die Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen mit der japanischen Sanyo Electric  zum Bau von CDMA-Handys verworfen, teilte Nokia am Donnerstag mit. Grund sei, dass Nokia auf lange Sicht einen schrumpfenden CDMA-Markt sehe.

Dennoch sollen auch weiterhin CDMA-Handys unter dem Nokia-Logo angeboten werden, die aber Fremdfirmen bauen würden. "Es ist eine rein pragmatische Geschäftsentscheidung", sagte der Chef des Nokia-Bereichs, Kai Oistamo. Von Sanyo trenne man sich in aller Freundschaft. Beide Firmen hatten erst im Februar erklärt, ihre Kräfte bündeln zu wollen, um vor allem in den USA Marktanteile zu gewinnen. Analysten sehen in der Entwicklung eine mögliche komplette Änderung der bisherigen Technologiestrategie bei Nokia.

Von den weltweit etwa zwei Milliarden Mobiltelefonen nutzen knapp 30 Prozent den Standard CDMA und die übrigen 70 Prozent dem Standard GSM, der von Nokia mit entwickelt worden ist. CDMA wird außer in den USA auch von Netzbetreibern in Lateinamerika und Asien, einschließlich Japan, Indien und China gern genutzt. CDMA ist aber nicht kompatibel mit dem GSM-Standard, mit dem auch die deutschen Handynetze arbeiten.

Umstrukturierung kostet 150 Millionen Euro

Nokia war bei seinen CDMA-Handys stets bemüht, auf Chips des US-Konzerns Qualcomm  zu verzichten. In der Folge verlor Nokia jedoch vor allem in den USA Marktanteile, weil die Firma mit der Konstruktion eigener Chips nur verzögert vorankam. Zudem kam Nokia um die Zahlung hoher Lizenzgebühren nicht herum, da Qualcomm viele CDMA-Patente hält. Beide Firmen sind in der Vergangenheit wiederholt heftig wegen Technologie- und Lizenzrechten aneinander geraten.

Die Umstrukturierung werde Nokia im dritten Quartal mit 150 Millionen Euro belasten. Erwartet werde aber, dass durch die Änderungen die operative Gewinnmarge steige. Die Entscheidung habe auch keine Auswirkungen auf das Nokia-Ziel, auf lange Sicht auf einen Weltmarktanteil bei Handys von 40 Prozent zu kommen. "Wir ändern unser langfristiges Ziel nicht. Die angestrebte Marke bleibt exakt bestehen", sagte Oistamo.

Neue Führungsriege steht

Neue Führungsriege steht

Der finanziell angeschlagene Sanyo-Konzern hatte sich durch die Allianz eine Verbesserung seiner Rentabilität erhofft. Den Angaben zufolge hätte die Gemeinschaftsfirma zum größten Hersteller von CDMA-Telefonen neben dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung  aufsteigen können. Im Februar hatte Nokia erklärt, das CDMA-Marktvolumen werde für 2006 auf 28 Milliarden Dollar geschätzt. Zudem erwarte man, dass die Zahl der CDMA-Nutzer von derzeit 300 Millionen bis 2010 auf 450 Millionen steigen werde.

Analysten nannten die Entscheidung enttäuschend. "Auch wenn einige Branchenexperten Sanyo als riskanten Geschäftspartner gesehen haben, hätte es meiner Meinung nach funktioniert", sagte Jari Honko von der finnischen Bank EQ. "Die Sache hat sich jetzt völlig gedreht und es scheint, als ob die Technologiestrategie von Nokia nun komplett geändert wird."

Die Absage an Sanyo sei ein Beispiel für die Denkweise des neuen Nokia-Chefs Olli-Pekka Kallasvuo. Dies habe sich auch bei der jüngst bekannt gegebenen Zusammenlegung der Telefonnetz-Geschäfte von Nokia mit Siemens  gezeigt. "Kallasvuo geht rasant vor", sagte Honko. "Er treibt die Restrukturierung sehr aggressiv voran."

Inzwischen hat Nokia gemeinsam mit Siemens die Führungsmannschaft für das neue Telefonnetz-Joint-Venture bekannt gegeben. Der Finne Mika Vehviläinen werde als Chief Operating Officers für das Tagesgeschäft zuständig sein, teilten die beiden Konzerne mit. Vehviläinen sei bisher Manager im Nokia-Bereich Core Networks gewesen. Zum Marketingvorstand von Nokia Siemens Networks, das voraussichtlich am 1. Januar 2007 seine Geschäfte aufnehmen wird, wurde Karl-Christoph Caselitz ernannt.

reuters