Samstag, 19. Oktober 2019

Web 2.0 Andere arbeiten lassen

6. Teil: Hitflip.de

5. Hitflip.de

Worum geht's? Die CD ist auf den iPod überspielt, die DVD zweimal angesehen, das geschenkte Buch nach 20 Seiten für langweilig befunden. Und jetzt, wohin damit? Auf diese Frage wollen die Gründer der Online-Tauschbörse Hitflip eine Antwort geben. Bei ihnen können gebrauchte Medienartikel gegen neue getauscht werden.

Sechs Flips gutgeschrieben: Hitflip-Gründer (v.l.n.r) Gerald Schönbucher, Jan Miczaika, Andre Alpar
Sein Geld verdient Hitflip dabei mit Provisionen, die pro Tauschgeschäft ein bis zwei Euro betragen. Der unterschiedliche Wert der einzelnen Artikel wird durch eine künstliche Währung namens Flips ausgeglichen: Wer die komplette "Herr der Ringe"-Trilogie auf DVD zum Tausch anbietet, erhält dafür 6 Flips gutgeschrieben. Damit könnte er sich theoretisch sechs Mal den Film "Good Bye Lenin" zuschicken lassen.

Wer macht's? Die drei Gründer Gerald Schönbucher (Jahrgang 78), Jan Miczaika (Jahrgang 79) und Andre Alpar (Jahrgang 76) haben sich im Alumni-Umfeld der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz kennen gelernt. Eines ihrer Vorbilder: Das US-Start-up Peerflicks, das sich allerdings auf den DVD-Tausch beschränkt.

"Auch in der ersten Internetwelle Ende der 90er Jahre gab es bereits Start-ups mit ähnlichem Geschäftsmodell", sagt Miczaika. "Im Unterschied zu damals ist die Internetnutzung aber heute verbreitet genug, um das Tauschgeschäft rentabel zu machen." Unterstützt werden die drei Gründer in ihrem Koblenzer Büro von rund 20 (Teilzeit-)Mitarbeitern.

Virtuelle Tauschbörse: Ungeliebte Geschenke und Medienartikel können über Hitflip den Besitzer wechseln
Wie läuft's? Insgesamt sind derzeit rund 60.000 Artikel gelistet. "Am besten laufen Hörbücher", sagt Hitflip-Mitgründer Jan Miczaika, "der gesamte Bestand wechselt im Schnitt pro Woche einmal durch". Bei ausgefallenen CD-Titeln finden Angebot und Nachfrage allerdings noch nicht ganz so zügig zueinander.

Über Umsätze und Nutzerzahlen wollen die Hitflip-Gründer nicht sprechen, vom Break-even dürften sie allerdings noch ein gutes Stück entfernt liegen. Derzeit finanzieren einige Business Angels das Unternehmen. Unter ihnen: Wieder einmal Lukasz Gadowski, der Spreadshirt gründete und auch an StudiVZ beteiligt ist.

Was kommt? Nächster Expansionsschritt soll ein eigenes Hitflip-Angebot für Großbritannien sein. "Anders als zum Beispiel in Frankreich gibt es dort bislang nichts Vergleichbares", sagt Mitgründer Miczaika.

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