Mittwoch, 16. Oktober 2019

Web 2.0 Andere arbeiten lassen

2. Teil: Spreadshirt.net

1. Spreadshirt.net

Worum geht's? Viele Menschen tragen gerne individuell gestaltete T-Shirts - und nahezu ebenso viele haben Spaß daran, solche T-Shirts zu entwerfen. Mithilfe von Spreadshirt kann jedermann seine eigene Modeboutique im Internet eröffnen.

"100 Prozent pro Jahr": Lukasz Gadowski studierte noch Betriebswirtschaft an der Handelshochschule Leipzig, als er Spreadshirt 2002 gründete.

Der einzelne Shop-Betreiber muss sich nur noch überlegen, mit welchem Motiv er seine T-Shirts bedrucken lassen will. Um Wareneinkauf, Druckvorgang, Versand und Inkasso kümmert sich Spreadshirt.

Der Shopbetreiber muss pro Bestellung einen festen Betrag an Spreadshirt abführen. Den Verkaufspreis, zu dem er die Ware auf seiner Internetseite anbietet, kann er selbst festsetzen.

Inzwischen hat Spreadshirt das Sortiment ausgeweitet. Längst lassen sich nicht mehr nur T-Shirts bedrucken, sondern auch Kapuzenpullis und Kaffeetassen. Rund 70 Artikel stehen zur Auswahl.

Wer macht's? Lukasz Gadowski (28) studierte noch Betriebswirtschaft an der Handelshochschule Leipzig, als er Spreadshirt 2002 gründete. Wagniskapital für Internet-Start-ups war damals kaum zu bekommen, und so musste das Unternehmen binnen kürzester Zeit profitabel werden - was auch gelang. Heute gibt es neben Gadowski noch zwei weitere Gesellschafter: Matthias Spieß, der sich vor allem um die IT kümmert, und den ehemaligen McKinsey-Berater Michael Petersen. Er soll die internationale Expansion des Unternehmens vorantreiben, vor allem in den USA.

Wie läuft's? Inzwischen beschäftigt Spreadshirt 225 Mitarbeiter. Die meisten davon am Firmensitz in Leipzig. Über Umsätze will Gadowski keine Auskunft geben, nur so viel: "Wir wachsen mit über 100 Prozent pro Jahr". Spreadshirt sei von Anfang an profitabel gewesen, "Unsere Expansion finanzieren wir ausschließlich aus dem Cashflow."

Virtuelle Modeboutique: Jeder kann mit Hilfe von Spreadshirt seinen eigenen Laden im Internet eröffnen
Die Resonanz auf das Spreadshirt-Angebot wirkt in der Tat beeindruckend. Über 150.000 Onlineshops werden zurzeit via Spreadshirt betrieben. Zu den prominentesten Freizeit-Textilverkäufern gehören Oliver Kahn und die HipHop-Band Fettes Brot.

Was kommt? Inzwischen arbeiten knapp 50 Spreadshirt-Angestellte in Kentucky, von dort sollen sie den US-Markt aufrollen. China und Japan sieht Gadowski als weitere Expansionsziele. Falls nötig, will er für diese Expansion auch fremdes Kapital aufnehmen, sei es in Form von Krediten, Wagniskapital oder eines Börsengangs.

"Solch ein Schritt muss aber einem strategischen Ziel dienen, er darf kein Selbstzweck sein." Gadowski wirkt als wolle er mit solchen Sätzen den roten Button widerlegen, den er derzeit gerne am Revers trägt. Auf ihm steht in weißer Schrift: "Bubble 2.0".

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