Microsoft Wenn Bill Gates stiften geht

Schritt für Schritt zieht sich Bill Gates aus dem operativen Geschäft bei Microsoft zurück. Der Mitgründer des Softwarekonzerns will spätestens 2008 nur noch als Aufsichtsrat tätig sein. Seine künftige Hauptaufgabe hat er sich schon gestellt.

Redmond - Microsoft-Mitgründer Bill Gates will sich bis zum Juli 2008 komplett aus dem Tagesgeschäft des Softwaregiganten zurückziehen. Wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte, werde sich Gates ab dem Zeitpunkt stärker auf seine Stiftung für wohltätige Zwecke konzentrieren. Im nachbörslichen Handel fielen Microsoft-Aktien  um rund 1 Prozent.

Gates werde aber weiterhin Aufsichtsrat (Chairman) bleiben und dem Konzern als strategischer Berater für wichtige Projekte zur Seite stehen, hieß es weiter. Gates war bereits vor sechs Jahren kürzer getreten und hatte den Posten des Vorstandsvorsitzenden (CEO) an Steve Ballmer übertragen. Im Board of Directors trägt Gates seitdem den Titel des "Chief Software Architect".

Auch diesen Titel gibt Gates nun ab, einer der drei Technischen Leiter von Microsoft, Ray Ozzie, wird sofort Gates' Rolle als Oberster Software-Architekt übernehmen und noch einige Zeit zusammen mit Gates das gesamte Programm-Design überwachen. Ein weiterer Technischer Leiter, Craig Mundie, erhält die Funktion des "Chief Research and Strategy Officer"; Mundie werde noch einige Zeit lang von Gates unterstützt. Mit dem Chefjuristen Brad Smith leitet Mundie zudem die Microsoft-Aktivitäten bezüglich Urheberrecht und Technologie-Politik.

Gates Foundation mit 30 Milliarden Dollar ausgestattet

Damit leitete Gates das Ende einer Ära in dem Konzern ein, dessen Aufstieg ihn zum reichsten Mann der Welt machte. Er betonte zwar, dass er Microsoft nicht verlassen und weiterhin der größte Aktionär des Unternehmens bleibe.

CEO Ballmer räumte zur Nachfolgeregelung aber in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP ein: "Wenn wir denken sollten, irgendjemand könnte Bill Gates sein, wäre das wohl eine falsche Hypothese."

Gates ist dem Magazin "Forbes" zufolge der reichste Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von etwa 50 Milliarden Dollar. Zudem wählte das US-Magazin "Time" Gates und seine Frau Melinda im Dezember zu den "Persönlichkeiten des Jahres" neben dem Rockmusiker Bono. Die "Gates Foundation" gilt mit einem Vermögen von knapp 30 Milliarden Dollar als größte wohltätige Organisation der Welt. Sie fördert unter anderem Gesundheits- und Bildungsprojekte in Entwicklungsländern.

Angesichts des verschobenen Einführungstermins für die neue Windows-Version Vista und Herausforderungen von Internet-Giganten wie Google und Yahoo kommt Gates' angekündigter Rückzug in einer schwierigen Phase für Microsoft.

Gates sagte aber, die Software-Schmiede habe sich schon immer neuen Konkurrenten und Herausforderungen stellen müssen und die jüngsten Probleme hätten nichts mit seiner Entscheidung zu tun. "Es hat nie eine Phase in unserer Geschichte gegeben, in der es nicht Fragen zu Microsoft gegeben hat", sagte er. Der Rückzug sei aber schon eine schwere Entscheidung gewesen.

manager-magazin.de mit Material von ap, rtr und dpa

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