Telekom Bibbern in Bonn

Der mühsam ausgehandelte Kompromiss über die Senderechte an der Fußballbundesliga gerät möglicherweise ins Wanken. Das Bundeskartellamt geht Missbrauchs-Vorwürfen gegen die Deutsche Telekom nach. Auch die EU-Wettbewerbshüter könnten dem Bonner Konzern noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Hamburg - Das Bundeskartellamt bestätigte am Montag entsprechende Informationen. Alternative Telekommunikationsunternehmen hatten sich über die Vereinbarung zwischen der Telekom  und der Deutschen Fußball-Liga (DFL), wonach der Vermarkter Arena anderen Anbietern nicht mehr die Übertragung der Bundesliga übers Internet ermöglichen darf, beschwert.

Eine Sprecherin des Bundeskartellamtes sagte, man prüfe die Anschuldigungen des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko), der gut 50 regional und bundesweit tätige Telekommunikationsanbieter mit eigenem Netz wie Arcor, Versatel oder Hansenet vertritt. In einem Schreiben an die Wettbewerbshüter heißt es, es bestehe der "konkrete Verdacht, dass die Deutsche Telekom AG versucht, in missbräuchlicher Weise andere Telekommunikationsunternehmen vom Zugang zu attraktiven Bundesligainhalten fern zu halten und hierdurch ihre marktbeherrschende Stellung auf dem Anschlussmarkt zu verstärken".

Die Unternehmen hatten darauf gehofft, Internet-Signale von Arena in ihre DSL-Netze einzuspeisen und so auch ihren Kunden Bundesligaspiele über Internet-TV am heimischen Computer zu bieten. Dazu hatte der Breko vor einigen Wochen Kontakt mit Arena aufgenommen. Arena, Tochter des zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreibers Unity Media, hat von der DFL eine Lizenz zur Übertragung der Liga-Partien über das Internet Protokoll (IP) gekauft. Sie beinhaltete auch das Recht zur Vergabe von Sublizenzen.

Mit dem Kompromiss, den die Telekom und die Deutsche Fußball-Liga nach hartem Ringen vorige Woche erreichten, ist diese Möglichkeit nun vom Tisch. Arena verzichtet demnach auf die Sublizenzierung, während die Telekom davon absieht, die Fußballspiele auch über Kabel und Satellit zu senden. Diese Verbreitungsform bleibt Arena vorbehalten. Die Telekom wird das IP-Signal lediglich in ihr Breitbandnetz leiten. Sie baut derzeit ihre Glasfaserstruktur für extrem hohe Übertragungsraten aus. Zunächst werden zehn deutsche Großstädte mit der VDSL-Technik aufgerüstet.

Für den flächendeckenden Ausbau mit der neuen Technik fordert die Telekom Regulierungsfreiheit. Dagegen laufen die Konkurrenten Sturm. Sie befürchten, dass der Bonner Konzern über eine Abschottung ein neues Monopol errichtet. Gleichzeitig sind die alternativen Anbieter in Sorge, bei Inhalten wie der Bundesliga, in denen sie ein wichtiges Mittel der Kundenbindung sehen, abgehängt zu werden. Das will der Breko nicht hinnehmen. "Wir sind in Kampfesstimmung", kommentierte Geschäftsführer Rainer Lüddemann die Anrufung des Kartellamtes.

Wird die Telekom bevorzugt?

Wird die Telekom bevorzugt?

Die Telekom betonte, sie stehe mit ihrem IP-TV-Angebot in Konkurrenz zu den Kabelnetzbetreibern und sehe keine Benachteiligung von anderen Unternehmen im Telekommunikationsmarkt. "Unserer Ansicht nach ist ausreichender Wettbewerb zwischen den Plattformen VDSL und Kabel gewährleistet", sagte ein Sprecher des Konzerns.

Außerdem sei die Praxis der Deutschen Fußball-Liga, exklusive Rechte zu vergeben, gängig und im Einklang mit dem europäischen Recht. Von der DFL und Arena waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Unklarheit herrscht darüber hinaus über den juristischen Rahmen des VDSL-Netzes. Im Tauziehen um die Neufassung des deutschen Telekommunikationsgesetzes, die eine Befreiung von der Regulierung vorsieht, hat die die EU-Kommission Nachbesserungen gefordert. Es müsse der "Mehrwert" des Gesetzes gegenüber bestehenden EU-Regelungen von dem Jahr 2002 klar werden, teilte der Sprecher von EU-Medienkommissarin Viviane Reding mit. Brüssel sieht dies als ungerechtfertige Bevorzugung des ehemaligen Monopolisten.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte am Wochende betont, bei der Neufassung handele es sich nicht um ein Begünstigungsgesetz für die Telekom. Die Kommission fragte nun, welche anderen Unternehmen unterstützt werden, wenn nicht - wie von Glos festgestellt - die Telekom profitiere.

Die Kommission forderte, dass die Bundesregierung die Brüsseler Fragen in den kommenden Wochen "in konstruktiver Weise auch im Text der Telekomgesetz-Novelle berücksichtigen wird". Reding hatte im Streit um das Gesetz ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland nicht ausgeschlossen. Ein solches Verfahren kann bis vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) führen.

manager-magazin.de mit Material von vwd und dpa-afx