Microsoft/Google Schnüffeln bei den Kunden

Microsoft durchforstet mit einem neuen Programm zur Raubkopiererjagd täglich die Festplatten seiner Kunden. Google dagegen fordert, dass Firefox-Nutzer künftig ihr Surf-Verhalten protokollieren - auf Google-Servern. Wer seine Privatsphäre schützen will, hat es nicht leicht im Netz.

Eine "Sicherheitsmaßnahme" sei das Programm mit dem kryptischen Namen Windows Genuine Advantage, teilte Microsoft  mit. Diese Software prüft, ob ein Nutzer eine echte oder eine kopierte Windows-Version auf seinem Rechner hat. Doch nicht nur das: Windows Genuine Advantage ruft auch jeden Tag zu Hause an. Ohne dem Benutzer bescheid zu sagen.

"Wir prüfen Wege, das in einer deutlicheren Weise zu kommunizieren", windet sich David Lazar von Microsoft, es handele sich aber "nur um eine Art Notschalter". Der soll dazu dienen, das Programm abzuschalten, wenn etwas nicht funktioniert. Etwa, wenn Microsoft plötzlich feststellt, dass sich Hunderttausende angeblich raubkopierter Windows-Versionen melden - dann könnte etwas mit dem Piratencheck nicht stimmen, und man könnte ihn extern abschalten.

Bislang sollen 60 Prozent der Nutzer zugestimmt haben, die bei einem Update-Vorgang das Angebot bekamen, die Software zu installieren. Das Programm überprüft dann, ob es sich beim behandelten System um eine Originalversion von Windows handelt und sammelt Daten über den Hersteller des Rechners und die Regions-Einstellungen wie die Systemsprache. Diese Überprüfung wird bei der Installation angekündigt - vom täglichen Anruf zu Hause ist da aber nicht die Rede.

Hält Windows Genuine Advantage ein Betriebssystem für eine Raubkopie, startet es eine Reihe von Bildschirm-Hinweisen an den Benutzer. Bestimmte, nicht kritische Updates können nicht mehr heruntergeladen werden, etwa eine neue Browserversion. Kritische Sicherheitsupdates können aber weiterhin installiert werden.

Dass dieses Programm nun mit einer Notbremse ausgestattet ist, von der der User gar nichts weiß, finden Experten ziemlich merkwürdig. Lauren Weinstein von der Organisation People for Internet Responsibility sagt: "Das ist, als ob jemand sagt, 'schau, wir haben Dir da was auf deinen Rechner getan, aber das könnte sich als fehlerhaft erweisen, also schauen wir jetzt jeden Tag mal nach.'"

Auch Google  preist Neuerungen an, die den Verteidigern der Privatsphäre ein Dorn im Auge sein werden: "Google Browser Sync" ist ein Plugin für den Browser Firefox, der es ermöglichen soll, alle Internet-Bookmarks, den eigenen Surfverlauf, Cookies und sogar gespeicherte Passwörter über verschiedene Rechner hinweg zu synchronisieren - zum Beispiel zu Hause und am Arbeitsplatz. Der Haken: All diese Informationen liegen dann auf einem Server, der bei Google steht.

Der Mozilla-Nachfolger SeaMonkey kann das übrigens schon  - dabei kann man aber selbst bestimmen, wo die Daten zwischengelagert werden.

manager-magazin.de mit Material von ap