Zensur China blockiert Google

Anfang Januar hatte Google dem Druck der chinesischen Regierung nachgegeben und eine zensierte Version seiner Suchmaschine gestartet. Google-Mitbegründer Sergey Brin bedauert das inzwischen - vielleicht auch, weil die chinesische Zensur seit Tagen die ungefilterte englische Variante der Suchmaschine stört.

Peking - Eigentlich war Google-Mitbegründer Sergey Brin in Washington, um gegenüber US-Senatoren für ein Gesetz zu kämpfen, dass es US-Telekommunikationsunternehmen verbieten soll, von großen Internet-Seitenbetreibern eine Datenmaut zu verlangen. Die Fragen, mit denen sich Brin konfrontiert sah, gingen jedoch in eine andere Richtung: Seit Monaten interessiert sich die Öffentlichkeit vor allem für Googles Sündenfall in China.

Denn genau so wird das wahrgenommen: Seit das Unternehmen mit dem plakativen Motto "Don't be evil" ("Tue nichts Böses") sein chinesisches Webportal den Zensurrichtlinien in China unterworfen hat, hagelt es Kritik. Brin brach nun das Schweigen und nahm Stellung zu den Vorwürfen. Schon im Vorfeld, erklärte er die firmeninterne Diskussion, "fühlten wir, dass wir damit möglicherweise unsere Prinzipien verraten würden. Aber wir würden den Chinesen am Ende auch mehr Informationen liefern können, einen effektiveren Service und so vielleicht am Ende sogar mehr bieten".

Andere Unternehmen wie Yahoo  oder Microsoft  folgen den gleichen Zensurregeln, die bei Google  aber durchaus kontrovers diskutiert worden seien. "Wir fühlten uns nicht wohl mit diesen Vorschriften", sagte Brin. Trotzdem wolle das Unternehmen nun zunächst beobachten, wie sich dieser Handel mit der chinesischen Regierung entwickelt, bevor man womöglich den Kurs wieder korrigiert.

Google.com eindeutig gefragter als Google.cn

Zensiert ist seit Januar 2006 die chinesische Webseite Google.cn, die das Unternehmen als China-spezifische Seite ausbauen will. Google folgt dort den Zensurrichtlinien des Pekinger Regimes, das nicht nur regierungskritische Berichterstattung untersagt, sondern auch den Zugang zu Web-Angeboten von religiösen Gruppen oder allgemein informativen Angeboten zu Themen wie Meinungsfreiheit oder Menschenrechte. Bei der Suche nach solchen Themen erhalten chinesische Surfer bei Google statt eines Suchergebnisses eine Seite, die auf die Tatsache der Zensur dieser Themen hinweist. Google verweist gern darauf, dass seine Konkurrenten diese Transparenz nicht bieten.

Zur Beliebtheit der China-Seite von Google hat das auch in China selbst nicht beigetragen. Nach Auskunft des Unternehmens läuft das Gros aller Suchanfragen nach wie vor über die von Googles Seite aus nicht zensierte Google.com-Domain.

Die allerdings leidet weiterhin unter regelmäßigen Aussetzern. In weiten Teilen Chinas war Google.com in den letzten Tagen regelrecht abgeschaltet worden, berichtet die Organisation Reporter ohne Grenzen. Google China gibt an, dass man die zunehmenden Erreichbarkeits-Probleme der Google.com-Webseite seit letzter Woche "beobachtet". Das deutet darauf hin, dass die zeitweiligen Abschaltungen von der chinesischen Zensur selbst ausgehen. Explizit kommentieren will das Unternehmen das jedoch nicht.

Geld oder positives Image?

Auch solche Entwicklungen gehören wohl zu den Dingen, die Google beobachten will, bevor es seine Politik in China überdenkt. Sergey Brin sprach kryptisch über eine "Verbesserung des Service", die Google in China anstrebe. Denn natürlich ist Google scharf darauf, in dem Riesenreich zu bleiben: Das Land gilt als der Boom-Internetmarkt der nächsten Jahre.

Allerdings verstehe er, dass "die Leute zu unterschiedlichen Meinungen darüber kamen, was es bedeutet, das Richtige zu tun". "Es ist nachvollziehbar, dass man sich anders entscheidet, dass man sagt: 'Schau, wir werden zu dem Prinzip stehen, keine Zensur auszuüben und ziehen uns von dort zurück'. Denn das wäre die Alternative", so Brin. Bei allen Zweifeln und internen Diskussionen sei das aber bisher "nicht der Weg, zu dem wir uns entscheiden konnten".

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.