Sonntag, 16. Juni 2019

IT-Strategie Die sechs wichtigsten IT-Entscheidungen

Viele IT-Projekte in Unternehmen scheitern. Schuld daran ist oft das Topmanagement: Weil die Führungsriege nicht die Verantwortung für die wichtigsten IT-Entscheidungen übernimmt, laufen die Vorhaben immer wieder ins Leere.

Seit einigen Jahren schon beobachten wir die Frustration - manchmal sogar Wut -, die bei vielen Führungskräften angesichts des Themas Informationstechnik (IT) und ihrer eigenen IT-Abteilungen aufkommt.

Peter Weill (im Bild) ist Direktor des Center for Information Systems Research an der renommierten Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Jeanne W. Ross arbeitet als Principal Research Scientist am Center for Information Systems Research.

Unser Institut bietet ein Seminar mit dem Titel "IT für den Nicht-IT-Manager" an, und von den bislang mehr als tausend Teilnehmern hören wir immer das gleiche Lied: "Was kann ich tun? Ich kenne mich mit der IT nicht gut genug aus, um sie bis ins Detail zu managen. Und meine EDV-Leute arbeiten zwar viel, verstehen aber die ganz praktischen Geschäftsprobleme nicht, mit denen ich mich täglich herumschlage."

Wohl am häufigsten beklagen die Führungskräfte - Chief Executive Officer (CEO), Chief Operating Officer (COO), Chief Financial Officer (CFO) oder andere hochrangige Manager -, dass die teure Technologie, die sie installiert haben, kaum echten betriebswirtschaftlichen Nutzen erzeugt. Gleichzeitig wächst die Liste der scheinbar unbedingt notwendigen technischen Erfordernisse, und die IT-Ausgaben verschlingen einen immer größeren Teil vom Budget. Aber welchen Gegenwert liefern sie?

Tatsächlich haben unsere Untersuchungen der IT-Managementpraxis bei hunderten von Unternehmen rund um den Globus gezeigt, dass die meisten nicht das Optimum aus ihren IT-Investitionen herausholen. Die Unternehmen, die ihre IT-Investitionen am erfolgreichsten managen, erwirtschaften bis zu 40 Prozent höhere Erträge als ihre Wettbewerber.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, bei denen sich diese erfolgreichen Unternehmen von anderen unterscheiden. Der wichtigste jedoch ist, dass die oberste Managementebene bei Schlüsselentscheidungen im IT-Bereich eine echte Führungsrolle einnimmt.

Wenn Führungskräfte diese Entscheidungen den IT-Managern überlassen, ist die Katastrophe programmiert. Dies belegen die vielen Beispiele von verpfuschten Einführungen breit angelegter Systeme zum Customer Relationship Management (CRM) und Enterprise Resource Planning (ERP). Es wäre falsch zu glauben, das Fiasko mit diesen CRM- und ERP-Systemen sei das Resultat rein technologischer Patzer beim Einrichten und Starten der komplizierten Anwendungen.

Tatsächlich war das Problem in der Regel ein anderes: Die Führungskräfte erkannten nicht, dass die neuen Systeme nicht nur eine technische, sondern auch eine unternehmerische Herausforderung darstellten. Entsprechend übernahmen sie keine Verantwortung für die notwendigen Veränderungen der Organisation und der internen Prozesse.

HBm-Edition:

Informationstechnologie

Titel

Informationstechnologie

Wie Manager IT strategisch richtig einsetzen;

68 Seiten, manager magazin Verlag Hamburg, 13,90 Euro.
Solche Reinfälle könnten sich wiederholen, denn die Unternehmen stehen vor der nächsten Welle von IT-Innovationen: Internet-Dienste werden verstärkt genutzt, mobile Endgeräte finden bei Mitarbeitern und Kunden immer größere Verbreitung, und die vielfältigsten elektronischen Vertriebs- und Servicekanäle werden integriert - seien es Websites, Callcenter, Geldautomaten oder Handys.

Um einem Missverständnis vorzubeugen - IT-Manager sind die Richtigen für eine Reihe von IT-Entscheidungen: die Auswahl technologischer Standards, die Gestaltung des Rechenzentrums, die Festlegung der technischen Expertise, die das Unternehmen benötigt, sowie die Wahl der Standardmethode bei der Einrichtung neuer Systeme. Aber die EDV-Abteilung darf keine Entscheidungen treffen - und erst recht nicht routinemäßig -, die Auswirkungen auf den Erfolg der Geschäftsstrategie haben.

Bei sechs Entscheidungen empfehlen wir Managern, selbst Führungsverantwortung zu übernehmen, wenn sie IT-Desaster vermeiden und - noch wichtiger - echten Nutzen aus ihren IT-Investitionen ziehen wollen. Die ersten drei betreffen den Bereich Strategie, die übrigen drei eher die operative Umsetzung. Keine dieser Entscheidungen sollte von IT-Leuten getroffen werden - denn das ist nicht ihr Job.

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung