Telegate "Wir können besser sein als Google"

Warum für Telefonauskünfte zahlen, wenn sie im Netz umsonst sind? Dienstleister wie Telegate und Deutsche Telekom spüren den Druck durch Google, Yahoo & Co. Telegate-Chef Andreas Albath erklärt im Interview, warum auch er auf Internet und mobile Dienste setzt - und was die Kunden davon haben.

mm.de: Sie bieten Auskunftsdienste, für die Telefonkunden bezahlen müssen, im Internet unter 11880.com kostenlos an. Ist dies der Anfang vom Ende der gebührenpflichtigen Telefonauskunft?

Albath: Nein. Als Auskunftsdienstleister orientieren wir uns nicht ausschließlich am Telefon, sondern müssen uns stets neu erfinden. Das bedeutet, dass unsere Nutzer uns je nach Situation auf verschiedenen Kanälen erreichen können: Daheim vielleicht per Telefon, im Büro per Internet, auf Reisen vom Handy oder vom Blackberry aus. Es geht also nicht darum, dass das Medium Internet mit dem Medium Telefon konkurriert. Es geht darum, dass der Nutzer auf allen Kanälen die gewünschte Information bekommt. Das stärkt die Marke und die Bindung der Kunden.

mm.de: Der Kampf um die Kunden nimmt an Schärfe zu. Seit die Bundesnetzagentur im August verfügte, dass die Deutsche Telekom  ihre Rohdaten fast kostenlos an private Anbieter weitergeben muss, sind mit Firmen wie Arvato, Klicktel  und Go Yellow weitere private Auskunftsdienstleister hinzugekommen. Wie hält Telegate  dagegen?

Albath: Entscheidend ist eine starke Marke - schließlich bilden die beiden letzten Ziffern der fünfstelligen Auskunftsnummer das zentrale Merkmal, um sich von den Wettbewerbern zu unterscheiden. Daher finden Sie unseren Onlineauftritt auch unter 11880.com und nicht etwa unter telegate.com.

In Frankreich tobt seit April eine Werbeschlacht mit Millionenbudgets, um die jeweilige Marke und Nummer in die Köpfe der Leute zu bekommen. Die hohen Marketingkosten stellen für Wettbewerber eine hohe Eintrittsbarriere dar: Wir sind froh, dass unsere Marke mit einem Bekanntheitsgrad von 80 Prozent in Deutschland gut verankert ist.

Warum Verona gehen musste

mm.de: So gut, dass Sie ihre Werbefee Verona Pooth verabschiedet haben? Ihr Konkurrent Telekom mit mehr als 60 Prozent Marktanteil setzt mit Uli Hoeneß weiterhin auf Prominenz, um die 11833 zu stärken.

Albath: Die Verona-Kampagne war sehr erfolgreich, doch nun wollen wir die Marke stärker über die zusätzlichen Dienste, die wir bieten, profilieren. Zum Beispiel Stichwortsuche, Öffnungszeiten oder eine Wegbeschreibung. Mit mehr als 30 Prozent Marktanteil sind wir mit Abstand stärkster privater Auskunftsanbieter - es ist eine zufrieden stellende Entwicklung, wenn wir dem Marktführer Deutsche Telekom jedes Jahr etwa ein weiteres Prozent abnehmen.

mm.de: Mächtige Konkurrenz wächst gleichzeitig im Internet. Web-Riesen wie Google  und Yahoo  machen sich daran, das Thema "lokale Suche" zu besetzen.

Albath: Lokale Suche ist nicht von Internetsuchmaschinen erfunden worden, sondern gehört seit jeher zu unserem Kerngeschäft, dem Auskunftsdienst. Google und Yahoo nutzen Keywords und Weblinks, wir stützen uns auf eine umfangreiche Personendatenbank und auf sorgfältiges Datenmanagement. Der Aufwand, eine solche Datenbank zu pflegen, zu aktualisieren, zu verschlagworten und anzureichern, ist nicht zu unterschätzen und unser Kerngeschäft. In diesem Kerngeschäft wollen wir besser sein als Google - und das können wir auch einhalten.

mm.de: Die Suche im Netz wird für Telefondienstleister dennoch gefährlich. Sie wird immer komfortabler, und sie kostet den Nutzer nichts.

Albath: Aus diesem Grund verfolgen wir in unserer Wachstumsstrategie zwei Stränge. Der eine, unsere Auskunftskompetenz auf verschiedenen Kanälen wie Telefon, Internet und jetzt auch für Mobilgeräte anzubieten. Der zweite, die für den Nutzer kostenlosen Onlineangebote intelligent zu refinanzieren: Für unsere Geschäftskunden lohnt es sich, ihre kostenfreien Basiseinträge durch detaillierte Informationen über ihr Leistungsspektrum anzureichern, statt sich allein auf die Gelben Seiten zu beschränken.

Warum Telefonauskünfte überleben

mm.de: Bitte erläutern Sie das.

Albath: Wer zum Beispiel in Hamburg oder München unterwegs ist und ein Restaurant im näheren Umkreis sucht, kann sich über unseren mobilen Zugang eine Restaurantauswahl samt Wegbeschreibung aufs webfähige Handy schicken lassen. Dieser Mehrkanalansatz soll nicht nur Kunden binden, sondern erhöht auch die Attraktivität für unsere Werbekunden.

mm.de: Anbieter wie Go Yellow beschränken sich auf die Onlineauskunft, weil das Telefonauskunftsgeschäft seit Jahren rückläufig ist. Pflegen Sie mit dem Medium Telefon einen Dinosaurier?

Albath: Natürlich ist die Onlinesparte der aktuell am stärksten wachsende Kanal. Doch die klassische Telefonauskunft ist unschlagbar, wenn es schnell gehen muss, es um etwas kompliziertere Dinge geht oder wenn Sie unterwegs sind. Noch einmal: Diese Kanäle beißen sich nicht, sie ergänzen sich.

Wir verzeichnen insgesamt gesehen einen Nutzerzuwachs - und das verdanken wir dem Umstand, dass wir Informationen unter der gleichen Marke parallel auf verschiedenen Kanälen anbieten.

mm.de: Welche Wachstumsziele hat Telegate?

Albath: Wir sind neben Deutschland auch in Frankreich, Italien, Österreich und Spanien aktiv. Die Schweiz öffnet ihren Markt im kommenden Jahr, da bieten sich ebenfalls Möglichkeiten. Die Auslandsexpansion wird das Ergebnis im Jahr 2006 drücken, doch bis zum Jahr 2007 soll der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen auf 50 Millionen Euro steigen.

Natürlich ruht ein wichtiger Teil der Wachstumserwartungen auf den Online- und Mobilkanälen. Diese Kanäle werden wir ausbauen und mit einer starken Marke besetzen, denn sonst machen es andere.

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