Kein Börsengang Bertelsmann kauft GBL-Anteile zurück

Der Medienkonzern Bertelsmann kauft für 4,5 Milliarden Euro das Aktienpaket des belgischen Minderheitsaktionärs Groupe Bruxelles Lambert (GBL) zurück. Der Rückkauf der 25,1-prozentigen Beteiligung wird am 1. Juli 2006 erfolgen und mit einem Zwischenkredit mehrerer Banken finanziert.

Gütersloh - Das teilten Bertelsmann und GBL am Donnerstag mit. Der von der Familie Mohn kontrollierte Konzern hatte bereits angekündigt, er erwäge eine Offerte für die GBL-Anteile. Damit will die Familie, die 74,9 Prozent der Anteile kontrolliert, verhindern, dass GBL seine Anteile an die Börse bringt. Der belgische Aktionär hatte seit Dienstag das Recht, den Börsengang zu fordern.

GBL-Eigner Albert Frère hatte den Anteil an Bertelsmann 2001 erworben. Im Gegenzug hatte er 29,9 Prozent am damaligen Fernsehkonzern CLT-UfA, der heutigen RTL Group, an Bertelsmann gegeben. Bertelsmann hält heute mehr als 90 Prozent an Europas größter privater Fernsehsenderkette. Für den Konzern ist das Fernsehen die größte und profitabelste der sechs Sparten.

Der Rückkauf des GBL-Pakets wird den Angaben zufolge mit einem Zwischenkredit mehrerer Banken finanziert. Der Kredit solle vor allem durch die zu erwartenden Erlöse aus dem Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing zurückgezahlt werden. Anfang Juni beginne der Auktionsprozess für den geplanten Verkauf des nach eigenen Angaben drittgrößten Musikverlags der Welt. Über einen möglichen Erlös wollte Bertelsmann-Chef Gunter Thielen ebenso wenig Angaben machen, wie über die unternehmenseigene Bewertung des Bereichs mit rund 550 Mitarbeitern.

Die Sprecherin der Familie, Liz Mohn, unterstrich, dass der Rückkauf die "Unabhängigkeit des Unternehmens" gewährleiste. "Dies sichert dem Vorstand größtmöglichen Handlungsspielraum bei der Führung der Geschäfte", sagte die Ehefrau von Firmengründer Reinhard Mohn.

Wie Liz Mohn im Gespräch mit dem manager magazin (Ausgabe 6/2006) bereits im Vorfeld der Entscheidung gesagt hatte, sieht sie sich selbst in der Verantwortung "für die Prinzipien und die Kultur, wie sie mein Mann bei Bertelsmann aufgebaut hat". Sie wolle dafür sorgen, "dass das, was er initiiert und auf den Weg gebracht hat, weiterentwickelt wird, ohne von seiner Basis abzugehen. Deshalb werde ich nicht müde, die Unternehmenskultur von Bertelsmann anzupreisen. Ich kann sie nur jedem zur Nachahmung empfehlen."

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

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