Bertelsmann Alle Optionen offen

Bertelsmann sieht sich sowohl für einen möglichen Börsengang als auch für einen Rückkauf des 25,1-Prozent-Anteils gerüstet, den der Investor GBL an dem Konzern hält. In den kommenden Wochen werde das Management dazu Gespräche führen, schrieb Vorstandschef Gunter Thielen am Montagabend an die Belegschaft.

Gütersloh - Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hält sich im Konflikt um einen möglichen Börsengang alle Optionen offen. Das Unternehmen teilte am Montag mit, es sei darauf vorbereit, die Forderung des Minderheitsaktionärs Group Bruxelles Lambert (GBL) nach einem Gang aufs Börsenparkett zu erfüllen. Doch sei Bertelsmann auch in der Lage, die Beteiligung von GBL "zu einem angemessenen Preis zurück zu erwerben, wenn sich die Gesellschafter darüber verständigen".

Bertelsmann will in den kommenden Wochen und Monaten Gespräche über den möglichen Börsengang oder einen Rückkauf des GBL-Anteils führen. Das kündigte Vorstandsvorsitzender Gunter Thielen am Montagabend in einem Brief an die Belegschaft des Medienunternehmens an. Er bat die Beschäftigten um Verständnis, dass sich das Management trotz erwarteter Spekulationen erst dann wieder äußern werde, wenn konkrete Entscheidungen vorlägen.

Ab Dienstag kann die belgische Investmentfirma einen Börsengang des mehr als 170 Jahre alten Gütersloher Familienimperiums verlangen. Die Belgier halten insgesamt 25,1 Prozent der Bertelsmann-Aktien. Sie hatten die Anteile vor fünf Jahren im Tausch gegen ihre Beteiligung an RTL erhalten. Damit verbunden war das Recht, die Papiere nach Ablauf einer Wartefrist an die Börse bringen zu können. Bereits im Januar signalisierte das Unternehmen, dass es von diesem Recht Gebrauch machen wolle.

Medienberichten zufolge will die Bertelsmann-Gründerfamilie Mohn dem belgischen Investmentunternehmen jedoch seine Anteile abkaufen, um einen Börsengang in letzter Minute zu verhindern. Allerdings gibt es offenbar große Meinungsunterschiede, was den Kaufpreis angeht. Während GBL den Wert seines Aktienpakets auf rund fünf Milliarden Euro schätzt, will Bertelsmann den Berichten zufolge nur bis zu vier Milliarden Euro bieten.

"Weiter in die Geschäfte investieren"

Doch selbst dieses Geld dürfte nur nur schwer aufzubringen sein. Um den Rückkauf der Papiere finanzieren zu können, erwäge Bertelsmann auch den Verkauf der Musiksparte hieß es zuletzt. Das Unternehmen selbst versuchte am Montag Bedenken zu zerstreuen, ein milliardenschwerer Aktienrückkauf könne die Entwicklungsperspektiven und die Kreditwürdigkeit von Bertelsmann beeinträchtigen. Auch bei einem Rückkauf werde Bertelsmann "weiter in die Geschäfte investieren können und die finanzielle Solidität erhalten", betonte das Unternehmen. Darüber seien sich Vorstand und Mehrheitsaktionär einig.

Auch ein Börsengang stelle das Unternehmen nicht vor Probleme, betonte der Konzern. "Bertelsmann wird seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber GBL erfüllen." Schon heute erfülle der Konzern die Anforderungen des Kapitalmarktes. "Der Vorstand ist überzeugt, dass die Entwicklung von Bertelsmann erfolgreich sein wird, unabhängig davon, ob es zu einer Börsenzulassung von Bertelsmann-Aktien oder zu einem Rückerwerb der GBL-Anteile kommt", hieß es in der Erklärung des Unternehmens. Unabhängig von einer Börsenzulassung werde Bertelsmann auch in Zukunft an seiner partnerschaftlichen, mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur festhalten.

Am Montag saßen sich beide Seiten, GBL und die Familie Mohn, auf der nicht-öffentlichen Hauptversammlung der Bertelsmann AG in Gütersloh gegenüber. Doch machte das Unternehmen keinerlei Angaben darüber, ob es dabei bereits Verhandlungen über die Zukunft von Bertelsmann gegeben habe. In einer Pressemitteilung teilte das Unternehmen lediglich mit, dass Eon-Chef Wulf Bernotat in den Aufsichtsrat von Bertelsmann gewählt worden sei und sein Amt mit sofortiger Wirkung antrete.

ap, vwd