Apple Im Trainingslager

Zum 30. Geburtstag überraschte Apple seine Fans mit dem Zusatzprogramm "Boot Camp", das die Installation des Microsoft-Betriebssystems Windows XP auf Apple-Computern zulässt. Die ersten Tests des Programms sind gemacht.

Hamburg/Hannover - Hartnäckige Fans des Apple Macintosh   hatten zum 30. Geburtstag des Unternehmens auf eine Neuauflage des legendären "Twentieth Anniversary Mac" gehofft. Andere Liebhaber rechneten vielleicht mit einem neuen Media Center PC oder einem neuen iPod. Stattdessen überraschte der kalifornische Hersteller die gesamte Branche mit dem kleinen Zusatzprogramm "Boot Camp", das auf den neuen Intel-Macs das Betriebssystem Windows XP von Microsoft  zum Laufen bringt.

Für viele Anwender von Windows-PCs, die schon immer mit einem eleganten Mac liebäugelten, ergeben sich damit ganz neue Perspektiven. So lassen sich künftig die Hardware von Apple und die vielfältige Software von Windows einfacher vereinen. Windows-Programme können zwar schon seit etlichen Jahren auf einem Macintosh gestartet werden.

Vor dem Umstieg von Apple auf die Chips von Intel   war das aber nur mit einem Emulator wie "Virtual PC" möglich, der im Vergleich zu einem Windows-PC schneckenlangsam lief. Auf den neuen Macs besteht nun die Möglichkeit, Windows direkt auf den Intel-Prozessoren laufen zu lassen - "nativ", wie Fachleute sagen.

"Boot Camp" teilt die Festplatte eines Intel-Macs in zwei Bereiche - auch Partitionen genannt - auf. Für jedes Betriebssystem ist dabei eine Partition vorgesehen. Danach kann Windows XP auf dem Rechner installiert werden. "Boot Camp" verlangt die Vollversion von Windows XP inklusive Service Pack 2, die im Handel für 86 Euro zu haben ist: Mit so genannten OEM-Versionen von Windows, die von PC-Herstellern wie Medion  und Fujitsu-Siemens beigelegt werden, funktioniert die Installation nicht. Außerdem brennt "Boot Camp" eine CD mit notwendigen Windows-Treibern.

Verschiedene Computer-Magazine und Experten haben inzwischen die drei neuen Mac-Modelle mit Intel-Chips - Mac Mini, iMac und MacBook Pro - unter Windows getestet. Dabei schnitt insbesondere der Kleinste von Apple, der Mac mini, erfolgreich ab. Die in Hannover erscheinende Computerzeitschrift "c't" registrierte einen "klaren K.O.-Sieg" des Mac mini gegen die Mini-PC-Welt. "In allen Benchmarks liegt er weit vor dem einzigen Konkurrenten, und das, ohne mehr elektrische Leistung aufzunehmen."

Die kleinen Schwächen

Die kleinen Schwächen

Gestört haben sich die Tester nur am vergleichweise hohen Preis des Testmodells von 959 Euro. Weniger gut ausgestattete Modelle des Mac mini sind aber auch schon ab 650 Euro zu haben. Walter Mossberg, der angesehene Technik-Kolumnist des in New York erscheinenden "Wall Street Journal", installierte Windows auf einem iMac und zeigte sich sehr angetan: "Ich konnte Boot Camp und Windows XP Pro auf dem Mac in weniger als einer Stunde einrichten. Danach habe ich 15 Windows-Programme installiert, die fast alle nicht in einer Mac-Version angeboten werden. Alle liefen fehlerfrei."

An manchen Ecken und Enden fielen den Testern aber auch Schwächen auf. Sie sind wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass Boot Camp bislang nur als Beta-Version vorliegt. So kann Windows auf den Macs etwa nicht die Uhrzeit auslesen. Außerdem liegen für bestimmte Hardware-Komponenten wie die Videokamera "iSight" noch keine Treiber vor.

Auch die unterschiedliche Belegung der Tastatur unter Windows und Mac OS bereitet kleinere Probleme. Am besten kommt man in beiden Betriebssystem-Welten zurecht, wenn man eine Tastatur verwendet, auf der die maßgeblichen Sonderzeichen für beide Systeme angegeben werden. Das ist zum Beispiel bei den Modellen des Herstellers Logitech  der Fall. Dann ist aber beispielsweise auch die Suche nach dem @-Zeichen ("Klammeraffe") keine unlösbare Aufgabe. Für ein komfortables Bedienen empfiehlt sich außerdem der Einsatz einer Maus mit mindestens zwei Tasten.

Mit Boot Camp kann man leider nicht im laufenden Betrieb zwischen Mac OS und Windows hin- und herschalten oder die Zwischenablage des Betriebssystems gemeinsam nutzen. Der Anwender muss sich beim Hochfahren des Macs für eine Variante entscheiden. Von der für Anfang 2007 angekündigten Version von Mac OS erwarten Experten aber, dass Apple auch den fliegenden Wechsel ermöglichen wird.

Wer nicht auf die Version "Leopard" warten möchte, sollte sich das Programm "Parallels Workstation" des russischen Softwarehauses Parallels anschauen. Im Gegensatz zu "Boot Camp" stellt Parallels den Anwender nicht vor eine Boot-Alternative, sondern bringt Windows wie ein normales Mac-Programm unter OS X zum Laufen. Das Prinzip entspricht dem Vorgehen des PC-Emulators "Virtual PC" von Microsoft.

Allerdings leidet "Parallels Workstation" nicht unter einer Geschwindigkeitsbremse wie die alten Versionen von "Virtual PC" auf dem PowerPC-Mac. Die Software von Parallels ermöglicht außerdem die Installation von Linux auf dem Intel-Mac. "Parallels Workstation" liegt bislang als Beta-Version vor und lässt noch einige wichtige Funktionen vermissen. USB-Sticks und USB-TV-Empfänger werden etwa noch nicht unterstützt. Dritter Spieler im Markt Windows-Macs wird Microsoft selbst sein. Der Softwaregigant hat bereits angekündigt, eine neue Version von "Virtual PC" für die Intel-Macs anzubieten, die sich nahtlos in die Umgebung von Mac OS X einfügt.

Christoph Dernbach, dpa