Linux Der Windows-Jäger aus Afrika

Ein Gespenst geht um in Afrika, und es hört auf den Namen "Ubuntu". Die Linux-Version ist auf dem schwarzen Kontinent außergewöhnlich erfolgreich, denn sie kostet nur einen Bruchteil der Microsoft-Konkurrenz. Treibende Kraft des Projekts ist der exaltierte IT-Millionär Mark Shuttleworth.

Wiesbaden - Er sei wohl der "Chefträumer von Ubuntu", sagt Mark Shuttleworth im Interview. Ubuntu ist die derzeit am schnellsten wachsende Linux-Distribution. Und Shuttleworth, ein südafrikanischer Selfmade-Millionär aus der IT-Szene, der sich 2002 einen Flug zur Raumstation "ISS" erkauft hat, ist der Begründer von Ubuntu. Das Wort Ubuntu kommt aus dem Zulu-Dialekt und bedeutet "Mitmenschlichkeit".

Damit die Linux-Bewegung habe Erfolg habe, gelte es, die Offenheit des Systems mit wirtschaftlicher Integrität zu verbinden, sagt Shuttleworth. Er stelle sich eine Linux-Version vor, die sowohl Vordenker der Bewegung für freie Software wie Richard Stallman als auch den Chef der Deutschen Bank  glücklich mache. Eine Serverversion gibt es bereits. Privatnutzer zahlen gegenwärtig zwischen drei und zehn Euro für das Betriebssystem.

Ein weiterer Schritt in Richtung Massentauglichkeit ist für Ubuntu die Version 6.06 LTS "Dapper Drake" (Eleganter Erpel), die am 1. Juni erscheint. Shuttleworth hat bei der Titulierung seiner Linux-Systeme übrigens stets britischen Humor bewiesen. Im Oktober 2004 erschien die erste Version namens "Warty Warthog" (warziges Warzenschwein). "Hoary Hedgehog" (altersgrauer Igel) nannte sich Version Nummer zwei. Im Oktober 2005 folgte "Breezy Badger", der "leichtfüßige Dachs".

Der Begriff LTS der neuesten Version steht für Long Term Support. Dass bedeute, dass es für Dapper Drake mindestens fünf Jahre Unterstützung geben werde, sagt Shuttleworth. Dieser Zeitraum sei wichtig, wenn man zum Beispiel an den Einsatz in Firmen denke. Geplant sei auch, mit Computerherstellern zu kooperieren, so dass Rechner mit vorinstalliertem Ubuntu ausgeliefert würden. Auch eine Server-Version von Ubuntu werde es geben. Mit dem Support soll dann Geld verdient werden. Das Geschäftsmodell von Ubuntu sieht damit ähnlich aus wie bei Red Hat, dem amerikanischen Linux-Marktführer.

Shuttleworth kündigte an, dass es auch weiterhin alle sechs Monate eine neue kostenlose Ubuntu-Version geben soll, in der neue Techniken vorgestellt und erprobt werden. Diese könnten dann in eineinhalb bis zwei Jahren in die nächste LTS-Version eingehen.

Seiner Meinung nach sei Linux schon jetzt bereit für den allgemeinen Einsatz, sagte Shuttleworth. Mit Linux könnten praktisch alle Aufgaben erledigt werden, für die sonst ein Windows-PC von Microsoft  oder ein Mac von Apple  genutzt werde. Er rate aber davon ab zu versuchen, Windows-Nutzer von Linux zu überzeugen. Wer mit Windows glücklich sei, solle ruhig dabei bleiben. Wichtig sei es aber, deutlich zu machen, dass es Alternativen gebe. Und wer dann interessiert sei, dem könne man beim Wechsel helfen.

Derzeit sei die Arbeit in der Bewegung der Freien Software vielfach ineffektiv, kritisierte Shuttleworth. "Die Zusammenarbeit muss besser werden", appellierte er. Die Bewegung müsse ihre Stärken sehen, die in der offenen Zusammenarbeit liegen und dürfe nicht zulassen, "dass sie nach den Fehlern der Vergangenheit beurteilt wird".

Klaus Gürtler, ap

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