Montag, 14. Oktober 2019

Google Mit Writely gegen Word

Muss Microsoft sich vor einem nicht mal zwei Jahre alten Unternehmen fürchten, dessen Name Upstartle nahezu unbekannt ist? Vielleicht: Denn dessen bisher einziges Produkt Writely könnte Microsofts Kassenschlager Word überflüssig machen. Es versteht sich fast von selbst, das Upstartle unterdessen zu Google gehört.

Hamburg - Es verwundert nicht, dass Upstartle mit seinem Produkt Writely seit Anfang März zum schärfsten Konkurrenten von Microsoft Börsen-Chart zeigen gehört, zum Suchmaschinenkonzern Google Börsen-Chart zeigen. Writely ist aber nicht nur ein Textprogramm, es zeigt auch, in welche Richtung sich das Internet gerade entwickelt: Das Web wird immer mehr zur Anwendung.

Festplatte überflüssig: Mit Writely geht Word online

Wer Writely - und seine mittlerweile zahlreichen Vettern und Verwandten - benutzen will, muss sich keine CD im Software-Laden bestellen. Man ruft einfach eine Internetseite auf, registriert sich, und kann mit der Arbeit beginnen. Was der Anwender produziert, kann er auch im Netz speichern - einen am Morgen im Flugzeug begonnenen Text kann er so später im Büro problemlos fortsetzen. Writely & Co. sind Teil eines Trends, für den sich im vergangenen Jahr ein griffiger Name fand: Web 2.0.

Neu sind viele der heute unter diesem Trend-Namen verkauften Ideen nicht. Die grundlegenden Techniken gibt es seit Jahren. Schon der Computerkonzern Sun Börsen-Chart zeigen wollte Mitte der 90er mit dem "Network Computer" die Intelligenz auf zentrale Server im Netz verlagern. Die Anwender sollten nur noch vergleichsweise dumme, leistungsschwache, aber dafür billige Rechner benutzen. Die Technologie-Grundlage stellte damals die Programmiersprache Java dar. Ex-Sun-Chef Eric Schmidt, der damals mit seiner Idee gegen den übermächtigen Gegner Microsoft scheiterte, ist untdessen CEO von Google.

Die erste Stufe der weltvernetzten Gesellschaft, in der jeder zum Inhaltelieferanten wird, war die Ära der privaten Webseiten. Dann kamen die Blogs. Multimedia schwappte durch die Breitbandleitungen und plötzlich waren Texte, Bilder und Klänge selbstverständlicher Bestandteil des globalen Unterhaltungs-Informations-Mischmasch.

Internet-Seiten Kenntnis über ihre eigene Bedeutung einzuhauchen, versuchte unter anderem einer der Web-Gründer Tim Berners-Lee seit 2001 mit dem "Semantic Web". Diese Funktion übernimmt heute das Tagging, bei dem Websurfer öffentlich einsehbare Etiketten vergeben, die das Auffinden bestimmter Inhalte stärker erleichtern, als die Netzkataloge früherer Zeit das vermochten.

Dass Web 2.0 heute überhaupt möglich ist, verdankt das Phänomen zwei wichtigen Trends: Einerseits ist der Internetzugang für viele Menschen dank DSL und anderen Breitband-Technologien inzwischen so schnell, dass man auch größere Datenmengen problemlos ins weltweite Netz auslagern kann. Außerdem ist das Web fast überall bequem verfügbar - ansonsten könnte man mit einem internetbasierten Terminplaner auch kaum sinnvoll arbeiten.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung