Telekom Triple Play mit Hindernissen

Die Telekom will über ihr neues Highspeed-Netz noch vor der Fußball-WM Telefon, TV und Breitbandzugang anbieten. Aber noch gibt es viele Unwägbarkeiten: Der Streit mit der DFL schwelt, und innovative Produkte sind noch nicht in Sicht. Die aber braucht es, um die EU-Wettbewerbshüter milde zu stimmen.

Düsseldorf - Doch noch streitet sich die Telekom  mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) über das Ausmaß ihrer Übertragungsrechte. Bis zum Wochenende soll eine Lösung auf den Tisch. Offen ist auch, ob die Bonner ihre Konkurrenten wie angestrebt von dem teuren Supernetz fernhalten können.

In zunächst zehn Großstädten zieht der Konzern die VDSL-Infrastruktur hoch - eine Verlängerung seiner Glasfaserleitungen, die extremes Tempo bringt. Mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde, also acht Mal mehr als das momentan schnellste DSL, sollen die Daten übertragen werden und so innovative Multimediadienste ermöglichen.

Der Ausbau verlaufe erfolgreich, ab Mitte Mai werde es die ersten Feldversuche mit Kunden geben, gab die Telekom jetzt bekannt. Die Auserwählten sollen bereits übers Internet Fernsehen können - neben den Liveprogrammen der Sat.1-Gruppe, mit der die Konzerntochter T-Online im März einen Vertrag geschlossen hat, wird es auch eine digitale Videothek geben.

T-Online International startet darüber hinaus in seinen beiden anderen Kenmärkten Frankreich und Spanien ab Sommer Triple-Play-Angebote. Diese beinhalten einen schnellen Internetzugang, Telefonieren über das Internet sowie Online-TV. "In Deutschland wird unser Angebot zwischen zwei und vier Wochen vor dem Start der Bundesliga am 15. August im Markt verfügbar sein", sagte T-Online-Chef Rainer Beaujean dem "Handelsblatt".

Zum Marktstart will T-Online rund 100 Sender im Angebot haben. Dazu verhandelt das größte deutsche Internetunternehmen nach eigenen Angaben mit den öffentlich-rechtlichen Sendern und mit RTL. Ob mit dem Start auch König Fußball Einzug halten wird auf der Datenautobahn, ist indes noch unklar.

Im Clinch mit der Liga

Im Clinch mit der Liga

Hier hat die Telekom andere Vorstellungen als die DFL, die im vergangenen Dezember die Rechte für die Übertragung der Partien via Internet an T-Online vergeben hat. Die Bonner leiten nun aus den Ausschreibungsbedingungen ab, das IP-Signal nicht nur über das VDSL-Netz, sondern auch über Satellit ausstrahlen zu dürfen.

Das wäre auch zum Vorteil des Pay-TV-Senders Premiere , der bei der Lizenzvergabe leer ausgegangen war und mit dem die Telekom ins Geschäft kommen will. Denn anders als etwa bei Sendungen mit der Sat.1-Gruppe braucht sie für die Bundesliga-Übertragung eine Sendelizenz, die Premiere zu bieten hat.

Doch die DFL sieht die Satellitenpläne kritisch. Sie befürchtet Ärger mit Arena: Die Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media hat für weitaus mehr Geld die Rechte für die Pay-TV-Ausstrahlung erworben, als die Telekom hingeblättert hat, und reklamiert die Bundesliga per Kabel und Satellit allein für sich.

An diesem Donnerstag wollten sich die Telekom und die DFL noch einmal zusammensetzen. Denn die Zeit drängt - bis zum Wochenende muss das Konzept für die Verwendung der Internetrechte stehen. Doch wie immer die Kontroverse ausgeht - das VDSL-Netz wird bei der Telekom neben Voice over IP und superschnellem Surfen vorerst allein mit TV bestückt sein.

Alle anderen digitalen Anwendungen etwa im Gesundheitsbereich, im Bildungswesen oder in der öffentlichen Verwaltung, die das Unternehmen in Aussicht gestellt hat und die aus seiner Sicht sehr innovativ wären, stehen im Hintergrund.

Ohne Innovationen kein Befreiungsschlag

Ohne Innovationen kein Befreiungsschlag

Wann derartige Angebote aufs Netz kommen könnten, ist nach Auskunft der Telekom offen. Doch ist es für den Konzern sehr wichtig, möglichst rasch diverse neuartige Produkte auf der Glasfaserinfrastruktur vorweisen zu können. Denn davon hängt es ab, ob er die zumindest für eine Zeit lang geforderte Regulierungsfreiheit erhält.

Hier geht es um die Frage, ob die Telekom die Leitungen auch für Wettbewerber zu Bedingungen öffnen muss, die ihr die Bundesnetzagentur vorschreiben könnte, oder ob sie schalten und walten kann wie sie will. Der Hintergrund: Das Netz ist extrem teuer, und der Ex-Monopolist will erst einmal die Möglichkeit haben, ungestört Gewinne einzufahren.

Die erste Ausbauphase in den zehn Metropolen kostet 500 Millionen Euro. Doch die Telekom will hier nicht Halt machen - bis Ende 2007 sollen nach ihren Vorstellungen 40 weitere Städte für zusätzlich rund 2,5 Milliarden Euro hinzukommen. Im Herbst, so deutete Konzernchef Kai-Uwe Ricke an, dürfte die Grundsatzentscheidung fallen, ob und wie der Ausbau weitergeht.

Bis dahin will die Telekom Klarheit über die politischen Rahmenbedingungen haben. Das aber dürfte nicht nur wegen der Frage nach dem Innovationsgrad der Infrastruktur schwer werden. Hinzu kommt, dass Ärger aus Brüssel droht. Denn die Bundesregierung will der Telekom mit einer Änderung des Branchengesetzes Rückenwind geben.

Die EU-Kommissarin Viviane Reding ist dagegen: Sollte es zu einer Gesetzesänderung im Sinne der Telekom kommen, will sie vor den Kadi ziehen und die Bundesrepublik verklagen. Derzeit, so ist aus der Behörde zu hören, sieht es ganz so aus, als fahre Berlin stur seinen Kurs.

manager-magazin.de mit Material von vwd und rtr

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