Microsoft-Chef Ballmer Apple, Google, meine Kinder und ich

Seine Fehleinschätzung des Internets und den kometenhaften Aufstieg von Google kann Steve Ballmer bis heute nicht verknusen. "Ich war wütend auf mich selbst", sagte der Microsoft-Chef auf einer Konferenz in Berlin. Den iPod von Apple schätzt Ballmer dagegen gering - ganz im Gegensatz zu seinen Kindern.

Berlin - Als oberster Herrscher über Microsoft  ist man gelegentlichen Anfeindungen ausgesetzt. Steve Ballmer, der im Jahr 2000 Bill Gates ablöste, muss sogar zu Hause spitze Bemerkungen seiner Kinder ertragen. Diese, so gestand er gestern Abend bei einem Vortrag in Berlin, würden ihn gelegentlich mit dem Wunsch nach dem MP3-Player iPod aufziehen.

Seine Kinder seien aber, wie er selbst auch, zur Loyalität erzogen worden, sagte er laut einem Bericht der Webseite de.internet.com. So sei er jahrelang Ford gefahren, weil sein Vater bei Ford beschäftigt war, berichtete Ballmer auf dem Management-Forum in Berlin.

Der Microsoft-Chef glaubt ohnehin, dass die Tage des iPod bald gezählt sein werden. Eine neue Generation von Mobiltelefonen werde die Vormachtstellung MP3-Players von Apple  brechen. "In der Zukunft der tragbaren Geräte werden wir viele Innovationen und Änderungen sehen", sagte Ballmer. Das beziehe sich auf Telefone, E-Mail-Maschinen und Musikplayer. "Die tragbare Musik besteht nicht nur aus dem iPod."

"Googles Innovation ist die Werbung, nicht die Suche"

In der Tat sind Multimedia-Handys, die mittlerweile mit immer größeren Flashbausteinen bestückt werden oder mit Speicherkarten aufgerüstet werden können, eine interessante Alternative zu gewöhnlichen MP3-Playern. Sony-Ericsson hat mit seinen Walkman-Handys gezeigt, dass auch andere Hersteller als Apple ansprechendes Design mit gutem Klang und einfacher Bedienung verbinden können.

Den Wettbewerb mit der derzeit führenden Suchmaschine Google  hält Ballmer für völlig offen. "Bei jeder zweiten Suche finden wir nicht das, was wir eigentlich suchen", sagte er bei der gestrigen Veranstaltung. "Da gibt es noch jede Menge Verbesserungspotenzial." Die eigentliche Innovation der Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page liege aber nicht im technologischen Aspekt der Internetsuche. "Die beiden haben als erste die Macht der Online-Werbung genutzt. Das Geschäftsmodell von Google stellt die eigentliche Innovation dar."

Die Herausforderung durch Google nicht rechtzeitig erkannt zu haben, müsse er sich auch persönlich vorhalten. "Ich war wütend auf mich selbst, so wie ich wütend auf unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung war", sagte Ballmer.

manager-magazin.de mit Material dpa

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