Bertelsmannn Investor forciert Börsengang

Die Gruppe Bruxelles Lambert (GBL) erhöht den Druck auf Bertelsmann. Der belgische Investor will seinen Konzernanteil im Wert von fünf Milliarden Euro in den kommenden Monaten an die Börse bringen. Bisher hatten die Bertelsmann-Mehrheitseigner um die Familie Mohn stets versucht, den Börsengang zu verhindern.

Brüssel - GBL wolle im Mai Gespräche mit Bertelsmann darüber aufnehmen, teilte der einzige freie Aktionär des Gütersloher Konzerns mit. "GBL hat entschieden, sein Recht wahrzunehmen und von Bertelsmann zu fordern, einen Börsengang zu starten", sagte der belgische Investor Albert Frere auf der GBL-Hauptversammlung am Dienstag.

Bislang seien die Verhandlungen mit Bertelsmann freundschaftlich verlaufen, sagte Frere. Bislang habe es keine Verhandlungen über den von GBL beabsichtigten Börsengang gegeben, sie begännen erst im Mai. GBL werde Alternativen prüfen, die die Familie Mohn vorschlage. Derzeit sehe er aber keine.

Bertelsmann selbst wollte sich zu Details der Entwicklung nicht äußern, Unternehmenssprecher Andreas Grafemeyer verwies aber auf die Äußerungen von Vorstandschef Gunter Thielen bei der Bilanzpressekonferenz Ende März in Berlin. Damals war der Termin der Bertelsmann-Hauptversammlung als Datum genannt worden, bis zu dem eine Entscheidung aus Brüssel erwartet werde. Thielen hatte damals auch gesagt, dass weitere Bertelsmann-Anteile, kontrolliert von der Familie des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn, nicht an die Börse gebracht werden sollen. Ein Börsengang gilt bei der Familie als ungeliebt.

Die von der Eigentümerfamilie Mohn kontrollierte Bertelsmann-Gruppe will nach Einschätzung von Branchenkennern den Börsengang des GBL-Anteils verhindern und erwägt, die 25 Prozent zurückzukaufen. Drei Viertel der Anteile an nach Umsatz größten Medienkonzern Europas werden von der Bertelsmann Stiftung (57,6 Prozent) und der Familie Mohn (17,3 Prozent) gehalten. Medienberichten zufolge zieht Bertelsmann deshalb die Option in Betracht, sich von seinem Musikgeschäft zu trennen, um mit den Einnahmen einen Teil der GBL-Anteile zu finanzieren.

Die belgische GBL hatte im Jahr 2001 einen Anteil von 25,1 Prozent der Kapitalanteile - davon 0,1 Prozent ohne Stimmrecht - an Bertelsmann übernommen. Im Gegenzug erhielt Bertelsmann dafür weitere 30 Prozent von Europas größtem privaten Fernsehanbieter, der heutigen RTL Group. An der Fernsehgruppe halten die Gütersloher inzwischen 90,4 Prozent. Sie ist ihr größter Umsatz- und Gewinnbringer.

Im Kaufvertrag hatte sich GBL das Recht gesichert, ihren Anteil ab Mai 2005 entweder zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Diese Frist war zwischenzeitlich um ein Jahr verlängert worden. Bei einem Verkauf hätte Bertelsmann ein Vorkaufsrecht.

manager-magazin.de mit Material von rtr, dpa und vwd

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