Telekom Breitbandzugänge werden reguliert

Der Bonner Konzern soll seinen Wettbewerbern den Breitbandzugang über das Internet gewähren. Außerdem soll die Telekom verpflichtet werden, sich die Bitstream-Preise vorab genehmigen zu lassen. Das will die Bundesnetzagentur bis Mitte Mai anordnen. Bis dahin wird der Entwurf zu der Verfügung von den Wettbewerbern diskutiert.

Düsseldorf - Bei dem so genannten Bitstream Access auf Ebene des Internetprotokolls (IP) geht es darum, dass die Deutsche Telekom  für andere Unternehmen die Leitungen zwischen den Endkunden und dem Internet herstellt. Der zweite Anbieter übernimmt den "Datenstrom" und kann so eigene Endkundenprodukte anbieten. Wenn die Telekom diesen Markt öffnen muss, könnten die Wettbewerber in der Konsequenz DSL ohne den obligatorischen Telefonanschluss der T-Com anbieten.

Der Bitstream Access ist also ein Vorprodukt, das in erster Linie für den Massenmarkt gedacht ist und sich hauptsächlich an Internetanbieter mit geringer eigener Infrastruktur wie AOL, Freenet  oder 1&1, den Breitband-Provider von United Internet , richtet. Es ist aber auch als Ergänzung für Netzbetreiber wie Arcor oder die Kölner QSC  interessant.

Die Telekom vertritt den Standpunkt, dass sie bereits jetzt Bitstromzugang zur Verfügung stellt. Diese Funktion erfüllt aus ihrer Sicht ein Kombiangebot, bei dem die Wettbewerber DSL-Anschlüsse des Konzerns gegen Rabatt auf eigene Rechnung und unter eigenem Namen weiterverkaufen (DSL-Resale) und dafür gleichzeitig dessen Leitungen in Anspruch nehmen (ZISP).

Die konkurrierenden Anbieter meinen hingegen, das sei kein wirklicher direkter Breitbandzugang, weil ihnen lediglich die von der Telekom vorgegebenen Produkte beziehungsweise Bandbreiten zur Verfügung stünden. Das aber erlaube eine Differenzierung im Markt nur über den Preis. Beim Direktzugang zum Endkunden seien außerdem technische Leistungen wie eine schnellere Zustellung von Datenpaketen oder deren raschere Zusammensetzung beim Empfänger möglich.

Die Diskussion über den Bitstromzugang währt schon lange. Eine erste Anhörung zu dem Thema hatte der Regulierer bereits 2003 unternommen. Die Telekom hatte lange gezögert, ihren Konkurrenten Zugang zu ihrem DSL-Netz zu gewähren. Im Jahr 2004 hatte sie dann den Weiterverkauf (Resale) eingeführt. Dadurch erfuhr die DSL-Verbreitung in Deutschland einen regelrechten Boom.

Von den 10,4 Millionen Anschlüssen, die Ende 2005 gezählt wurden, entfallen 1,5 Millionen auf das Resale. Weitere 6,4 Millionen hat die Telekom direkt vermarktet, und die restlichen 2,5 Millionen boten Wettbewerber auf Basis eigener Infrastruktur oder über die Miete der "letzten Meile" zum Endkunden an.

Der Entwurf der Bundesnetzagentur steht jetzt vier Wochen zur Diskussion. Falls am Ende tatsächlich eine Regulierung herauskommt, würde das bedeuten, dass die Telekom bei den Konditionen, die sie beim Resale gewährt, nicht mehr frei schalten und walten kann. Dass dieser Bereich problematisch ist, zeigen aktuelle Beschwerden von Wettbewerbern.

Der Regulierer und das Bundeskartellamt prüfen zurzeit ein bestimmtes Vorleistungsprodukt der Telekom, das großen DSL-Wiederverkäufern höhere Rabatte einräumt als kleinen (Net Rental). Das Kölner Landgericht lehnte vorige Woche einen Antrag von Freenet auf Unterlassung ab.

Das Thema Bitstromzugangs hat noch eine andere Facette. Die Telekom bietet nämlich noch ein weiteres Vorprodukt an, das für Unternehmen gedacht ist, die sich an Geschäftskunden mit hohen qualitativen Ansprüchen richten (ATM Bitstream). Hier sollen die Großhandelspreise des Bonner Konzerns nach den Vorstellungen der Regulierungsbehörde nur der nachträglichen Kontrolle unterliegen.

manager-magazin.de mit Material von vwd

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.