Elefantenhochzeit Alcatel und Lucent wollen fusionieren

Lucent und Alcatel verhandeln über eine Fusion. Sollte es zu dem Zusammenschluss kommen, würde ein Unternehmen mit einem Umsatz von rund 21 Milliarden Euro entstehen. Der Konzern wäre größer als der Konkurrent Cisco und hätte einen Börsenwert von rund 27,6 Milliarden Euro.

Paris/Amsterdam - Die Unternehmen aus Frankreich und Amerika streben eine "Fusion unter Gleichen" an, wie beide Firmen heute erklärten. Der Zusammenschluss solle zu "Marktpreisen" erfolgen.

Bereits 2001 sprachen die Konzerne über eine Fusion. Damals scheitere der Deal am Widerstand von Lucent. Es gebe keine Gewissheit, dass eine Einigung erzielt werde, teilten Alcatel  und Lucent nun mit. Sollte es aber dazu kommen, würde die Marktkapitalisierung der Firmen zu Grunde gelegt. Damit deutet sich an, dass es keine Aufschläge auf die Aktienkurse geben wird. So lange keine Einigung erreicht sei, würden keine weiteren Details bekannt gegeben, hieß es.

Die Lucent-Aktien  notierten am Freitag mit 2,82 Dollar und sind damit insgesamt rund 12,6 Milliarden Dollar wert. Alcatel-Aktien standen an der New Yorker Börse bei 15,45 Dollar und haben damit einen Gesamtwert von mehr als 20 Milliarden Dollar.

Lucent war früher eine Sparte der US-Telefongesellschaft AT&T, die diesen Bereich 1996 abgetrennt und an die Börse gebracht hatte. Die Lucent-Aktien stiegen zeitweise auf 63 Dollar. Dann brachte der Absturz der Telekommunikationsaktien Lucent fast an den Rand der Insolvenz, die Aktien stürzten bis 2002 auf 0,58 Dollar ab.

Alcatel brachte es im Geschäftsjahr 2005 auf einen Umsatz von 13,1 Milliarden Euro und verdiente 930 Millionen Euro. Die französische Gesellschaft ist in 130 Ländern vertreten. Sie macht jeweils rund ein Drittel ihres Geschäfts mit Festnetz-, Mobilfunk- und Produkten für den Privatsektor. Sie ist im Internetbereich sehr stark.

Lucent hat inzwischen unter seiner Konzernchefin Patricia F. Russo mit harten Sparmaßnahmen wieder Fuß gefasst, doch tut sich das Unternehmen angesichts der Konsolidierungswelle unter den US-Telekom- und Mobilfunkunternehmen schwer. Die Fusionswelle unter den Telekomunternehmen dürfte sich nach Ansicht von Marktkennern auch auf die Telekom-Ausrüster ausdehnen, wobei Alcatel und Lucent den Start machen könnten. Lucent und Alcatel hatten vor fünf Jahren schon einmal über einen Zusammenschluss verhandelt.

Marktbeobachter äußerten sich unterschiedlich zu dem Vorhaben. Einige sahen ein Zusammengehen als nötigen Schritt zur weiteren Konsolidierung der Telekommunikationsbranche. Viele zweifelten aber an der Vorstellung, dass eine Fusion unter Gleichen möglich sein soll. "Es wird niemals eine Fusion unter Gleichen sein. Alcatel ist sogar noch stärker als vor fünf Jahren, und sie haben sehr viel mehr Potenzial als Lucent", sagte ein Finanzberater.

manager-magazin.de mit Material von rtr, dpa