Sportgeschäft "Es gibt kein Grundrecht auf Fußball"

Der Kampf um die Ware Sport wird immer härter, nicht nur in der Königsdisziplin Fußball. Philip Cordes, Deutschland-Chef des Sportrechtevermarkters Sportfive, sagt im Interview mit manager-magazin.de, wohin sich der Milliardenmarkt entwickelt.

mm.de: Herr Cordes, Sie leben vom und für den Fußball. Sportfive vermarktet unter anderem den Bundesligisten HSV. Sind Sie sehr enttäuscht, dass der Club es nicht ins Viertelfinale des Uefa-Cups geschafft hat?

Cordes: Natürlich ist das schade, denn die Mannschaft hat beim Rückspiel gegen Bukarest ein wirklich gutes Spiel gezeigt.

mm.de: Bei internationalen Wettbewerben glänzen die deutschen Mannschaften nicht besonders.

Cordes: Ach, die Diskussion um den deutschen Fußball flammt immer wieder auf. Spielen die Deutschen dann mal drei Spiele gut, ist die Kritik schnell vergessen. Aber mal Hand aufs Herz. Der deutsche Fußball muss sich einfach ganz klar hinter den der Engländer, der Italiener und Spanier einreihen. Da können die Deutschen momentan nicht mithalten.

mm.de: Das äußert sich auch wirtschaftlich. In den anderen Ländern sind die Preise, die für die Übertragungsrechte der Ligen gezahlt werden, deutlich höher.

Cordes: Stimmt, in Frankreich wurden beispielsweise für die nächste Saison rund 600 Millionen Euro gezahlt.

mm.de: In Deutschland waren es 480 Millionen Euro. Der Unterschied zwischen beiden Ländern ist groß. Wie weit werden die Preise hier zu Lande noch steigen?

Cordes: Grenzen sind nicht gesetzt. Der Tiger ist nicht zu bändigen. Dass in Deutschland derzeit weniger gezahlt wird, hat sicher auch Auswirkungen auf das Niveau. Wir haben hier nun mal keine Superstars wie Ronaldinho oder Beckham. Zum anderen stellen sich die Medienlandschaften anders dar. In England läuft die Liga zum Beispiel komplett im Pay-TV, in Frankreich hat der Wettstreit zwischen Canal Plus und TPS die Gebote in die Höhe schnellen lassen.

"Neue sehr aggressive Wettbewerber"

mm.de: Beide sind beziehungsweise waren Pay-TV-Anbieter, die inzwischen fusioniert sind. Hier zu Lande stritten sich Premiere  und der neue Player Arena um die Pay-TV-Rechte der Fußball-Bundesliga. Sie selber verloren die Auslandsrechte der Bundesliga an Betandwin . Können Sie sich gegen die Neuen nicht wehren?

Cordes: Natürlich ist der Verlust der Bundesliga-Auslandsrechte für uns schade, aber wir werden das verkraften und durch andere neue Rechte mindestens kompensieren. Wir wollen organisch wachsen. Grundsätzlich begrüße ich es aber, dass neue Mitspieler auf dem Markt sind. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Tatsächlich treten die neuen Wettbewerber sehr aggressiv auf. In unserem Fall hat sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) für das größere Portemonnaie entschieden. Für uns war einfach die Grenze erreicht. In Wahrheit haben wir mit den Auslandsrechten auch gar kein Geld verdient. Wir wollten die Bundesliga dabei unterstützen, international Fans zu finden. Langfristig hätte sich das ausgezahlt.

mm.de: Ein Samariter für den deutschen Fußball?

Cordes: Wir werden sehen, ob es Betandwin tatsächlich schafft, den deutschen Fußball im Ausland populär zu machen, oder ob die Liga einfach in den Wettkanälen verschwindet.

mm.de: Nicht nur Sportfive hat Federn bei der Bundesliga-Rechtevergabe gelassen, der größte Verlierer war sicherlich Premiere. Hat Sie der Ausgang im Rechtepoker überrascht?

Cordes: Dass die TV-Kabelunternehmen an den Bundesligarechten interessiert sind, war bekannt und zu erwarten. Meiner Meinung nach war die diesjährige Bieterrunde schon fast eine Abwehrschlacht.

mm.de: Wer gegen wen?

Cordes: Die TV-Kabelunternehmen haben amerikanische Investoren, die natürlich wollen, dass sich ihre Beteiligungen lukrativ entwickeln. Große Investitionen standen und stehen an, um das Netz zu modernisieren. Die müssen refinanziert werden. Das gelingt in der Regel mit Abonnenten, die für extra Angebote mehr zahlen - sei es Triple Play oder attraktive Programme. Die Bundesliga spielt bei der Kundengewinnung dabei genauso eine wichtige Rolle wie für Premiere. Hätte der Münchener Bezahlsender vielleicht schon sieben Millionen Abonnenten gehabt, wäre es Arena womöglich nicht mehr gelungen, den Zuschlag für die Rechte zu erhalten.

"Pay-TV wird sich weiter durchsetzen"

mm.de: Die Telekom  plant, die Spiele ebenfalls im Internet zu übertragen. Den Kabelfirmen droht somit Konkurrenz aus einem anderen Medium.

Cordes: Meiner Meinung nach ist das der Haken bei der Rechtevergabe der Bundesliga. Denn die Telekom hat fast die gleichen Rechte wie die TV-Kabelunternehmen. Das ist eine bittere Pille, welche die Kabelfirmen offenbar schlucken mussten. Sie haben keine absolute Exklusivität, auf die Premiere-Chef Kofler drang.

mm.de: Was hat das für Folgen?

Cordes: Die Telekom ist erst dabei, ihr neues Highspeed-Kabel aufzubauen, zudem schwelt der Streit um die Regulierung. Ich denke, es wird vielleicht noch zwei Jahre dauern, bis die Kabelunternehmen den Wettbewerber aus dem Internet spüren werden. Wenn die Telekom mit dem Ausbau ihres neuen Hyperbreitbandnetzes vorangekommen ist, wird es kritisch.

Hinzu kommt aber noch, dass die Kabelfirmen anders als in den USA auch mit Satelliten-TV, starken öffentlich-rechtlichen Programmen und der digitalen Antennentechnik DVB-T konkurrieren, was es einfach schwieriger macht, Kunden zum Kauf von Programmpaketen zu bewegen. Die Vorleistungen fallen dadurch immer höher aus.

mm.de: Die Fußballfans freut die Entwicklung indes nicht. Wenn sie die Spiele live sehen wollen, müssen sie zahlen.

Cordes: In Deutschland wird gern die Ansicht vertreten, Fußball sei ein Grundrecht und müsse frei empfangbar sein. Das ist ein Irrtum. Es gibt kein Grundrecht auf Fußball. In Großbritannien, einer echten Fußballnation, werden die Ligaspiele im Pay-TV übertragen. Und die Leute zahlen es, auch machen sie Gebührenerhöhungen mit. Anders als hier in Deutschland, wo eine Tarifanhebung von drei Euro einen großen Aufschrei verursachen würde.

mm.de: Wie wird sich die TV-Landschaft entwickeln?

Cordes: Ich rechne damit, dass sich das Bezahlfernsehen auch in Deutschland weiter durchsetzen wird. Inzwischen erhalten die Sender hier zu Lande Geld dafür, dass sie auf den entsprechenden Plattformen - Satellit oder Kabel - ausgestrahlt werden. Generell muss man sich fragen, ob das bisherige Fernsehmodell, das vor allem durch Werbung finanziert wurde, in fünf Jahren noch Bestand haben wird. Bezahlsender spielen mit Abstand mehr Geld ein. In den USA ist es normal, dass die wertvollen Programme und Sendungen auf Pay-TV-Sendern zu sehen sind.

Countdown für die Fußball-EM 2008

mm.de: Hier zu Lande sind allerdings die öffentlich-rechtlichen Sender sehr stark. Werden die nicht diese Entwicklung verhindern?

Cordes: Nein, die Entwicklung verläuft einfach langsamer. Schon jetzt bieten auch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten digitale Programme im Kabelnetz an. Die privaten Sender sind zudem darauf angewiesen, von der Werbung unabhängiger zu werden, denn große Steigerungen sind in der Werbung momentan nicht drin.

mm.de: Sportfive vermarktet Fußballclubs wie den HSV und Borussia Dortmund , hält die Übertragungsrechte für die Fußball-EM 2008 und hat die Klitschko-Brüder unter Vertrag. Was sind Ihre nächsten Projekte?

Cordes: Wir sind natürlich auch noch in anderen Sportarten aktiv, beispielsweise halten wir auch die Rechte an der Handball-WM, die 2007 in Deutschland stattfindet. Generell schauen wir uns derzeit den asiatischen Markt intensiv an, der sehr attraktiv ist - zum einem, um dort Werbekunden zu finden, zum anderen um sich dort auch Übertragungsrechte zu sichern.

mm.de: Gerüchte kursierten, dass Ihr amerikanischer Konkurrent IMG Sportfive übernehmen möchte. Werden Sie verkauft?

Cordes: Das kann ich nur dementieren. Derzeit befinden wir uns in der Phase der Rekapitalisierung. Unsere Gesellschafter wollen ihre Investitionen durch Kredite ablösen. Danach wird eine Entscheidung fallen, wie es weitergeht.

mm.de: Sie werden als Börsenkandidat gehandelt.

Cordes: Das habe ich auch gelesen. Ich gehe davon aus, dass wir innerhalb der kommenden 36 Monate erfahren werden, ob, wie und wann ein Exit der Investoren aussehen wird.

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