Verlage "Lang andauernde Schlacht"

Die Beteiligungsgesellschaft Veronis Suhler Stevenson hat mit dem Kauf des Berliner Verlags und der "Hamburger Morgenpost" Ängste ausgelöst. Nun wirbt Managing Director Johannes von Bismarck um Vertrauen und weitere Kunden. Deutschen Verlagen wirft er dabei eine Wagenburgmentalität vor.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Routiniert wickelte Johannes von Bismarck die Präsentation ab. Von Bismarck ist Managing Director der auf Medien und Telekommunikation spezialisierten Beteiligungsgesellschaft Veronis Suhler Stevenson (VSS).

Der Kauf des Berliner Verlages im Jahr 2005 und der "Hamburger Morgenpost" im Januar zusammen mit dem britischen Finanzinvestor und Medienunternehmer David Montgomery hatte Ängste ausgelöst: Befürchtungen darüber, dass die deutsche Verlagsindustrie vor einem Ausverkauf steht und der deutsche Qualitätsjournalismus gleich mit.

Der ehemalige Investmentbanker ließ in Frankfurt keinen Zweifel daran, dass die Konsolidierungsphase in Deutschland erst begonnen hat. "Derzeit scheint Deutschland noch eine Insel der Glückseligen zu sein", meinte er. Nicht wegen der Profitabilität der Verlage, sondern wegen des Kartellrechts. "Das zu ändern, wird eine lang andauernde Schlacht werden", prognostizierte der Jurist.

"Wir glauben, dass der deutsche Zeitungsmarkt immer noch in einer Krise steckt", sagte von Bismarck weiter. Der hohe lokale Wettbewerbsdruck, die Konkurrenz durch digitale Medien und die mögliche Bedrohung durch Gratiszeitungen würden zu einer Konsolidierung der Branche führen. Der Ein- und Ausstieg von Finanzinvestoren, den von Bismarck als "Umschlagshäufigkeit" bezeichnete, sei dabei von Vorteil, da langjährige Eigentümer häufig die notwendigen Innovationen vernachlässigen würden.

Bei der Konsolidierung will VSS kräftig mitmischen. 1,2 Milliarden Dollar stünden bereit, mit zusätzlichen Krediten könne der Fonds bis zu vier Milliarden Dollar für Übernahmen mobilisieren. Club-Deals, bei dem sich mehrere Private-Equity-Firmen für eine Transaktion zusammenschließen, lehnte er ab.

Begehrlichkeiten in Sachsen

Bei Start-up-Finanzierungen winkte der Managing Director, der für den deutschen Medienmarkt zuständig ist, ebenso ab wie bei Restrukturierungsfällen. Entscheidende Kriterien für ein Investment seien Profitabilität und ein positiver Cashflow. "Deshalb ist auch die Spekulation Unsinn, wir würden uns für die Frankfurter Rundschau interessieren", unterbrach von Bismarck kurz seine Präsentation.
Begehrlichkeiten in Sachsen

Mehrere Objekte hat die amerikanische Private-Equity-Firma ins Auge gefasst. "Und wir sind auch mit mehreren Unternehmen im Gespräch", sagte von Bismarck. Es gehe dabei um Fachverlage, Zeitungen und Radiosender. Genauer wird er nicht. Nachfragen amüsierten den Investmentbanker.

Am Ende schloss er das Thema ab, indem er grundsätzliches Interesse an der "Sächsischen Zeitung" bekundete. Bisher würden Gespräche darüber aber seitens der Eigentümer der Zeitung, vor allem von der SPD-Medienholding DDVG, abgelehnt. Magazine, Pay- oder Free-TV beispielsweise seien dagegen kein Anlageziel.

Gleichzeitig warf von Bismarck regionalen Verlegern in Deutschland eine "Wagenburgmentalität" vor. Einige Verleger weigerten sich, ihre Unternehmen an ausländische Verlage oder Finanzinvestoren zu verkaufen und würden diese mit ihrem Verhalten "brandmarken".

VSS will die bisher erworbenen Zeitungen durch neue Übernahmen zu einer "sehr stark integrierten" Holding ausbauen. In begrenztem Umfang könnten Zentralredaktionen (Profitcenter) Artikel für mehrere Publikationen erstellen. Einsparungen seien aber vor allem in Verwaltung, Informationstechnologie und ähnlichen Bereichen möglich.

Parallel könnten die Umsätze zum Beispiel durch neue Anzeigenblätter sowie digitale und mobile Dienste gesteigert werden. Auch verfüge die "Hamburger Morgenpost" noch über keine Sonntagsausgabe. Beim Druck könnten Synergien mit dem Berliner Verlag genutzt werden.

Das Geschäftsmodell von VSS rechne sich aber bereits mit den bislang erworbenen Objekten, die zusammen auf einen Jahresumsatz von etwa 150 Millionen Euro kommen. Der Finanzinvestor stehe nicht unter Druck, weiter zuzukaufen. "Wenn wir noch dieses Jahr einen Zuschlag bekommen könnten, wäre das schön."

Berichte, wonach der Berliner Verlag eine Umsatzrendite von netto 20 Prozent erwirtschaften soll, bezeichnete von Bismarck als "illusorisch". 20 Prozent Marge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) seien hingegen "absolut machbar".

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa

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