SAP Betriebsrat mit Kagermanns Segen

Die SAP-Mitarbeiter wollen die Wahl eines Betriebsrats selbst in die Hand nehmen und damit die IG Metall ausbooten. "Wenn es einen Betriebsrat geben muss, dann einen, der sich unserer besonderen Firmenkultur verpflichtet fühlt", sagte SAP-Chef Henning Kagermann.

Walldorf - Beim Walldorfer Softwarekonzern SAP  wird es nun doch einen Betriebsrat geben. Nachdem der Vorstand jahrzehntelang eine nach dem Betriebsverfassungsgesetz gewählte Arbeitnehmervertretung abgelehnt hatte und noch am 2. März auch 91 Prozent der Mitarbeiter einem Betriebsrat eine Absage erteilt hatten, begrüßte das Unternehmen am Dienstag die Entscheidung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, die Wahl eines Betriebsrats selbst zu organisieren. Am 30. März soll eine Betriebsversammlung stattfinden mit dem Ziel, einen Wahlvorstand zur Abhaltung von Betriebsratswahlen für die rund 9000 Mitarbeiter an den Standorten Walldorf und St. Leon-Rot zu wählen.

In einer Erklärung des Vorstands heißt es unter anderem, die Rechtslage habe ergeben, dass die Einsetzung eines Wahlvorstands nicht per Gerichtsentscheid verhindert werden könne. "Es ist uns wichtig, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben die Zusammenarbeit in unserem Unternehmen so zu gestalten, dass die vorhandenen Freiräume bestmöglich genutzt werden", erklärte Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor Claus Heinrich.

Vorstandssprecher Henning Kagermann sagte: "Wenn es einen Betriebsrat bei SAP geben muss, dann einen Betriebsrat aus unserer Mitte, der sich unserer besonderen Firmenkultur und unseren Werten verpflichtet fühlt." Es sei für das Unternehmen wichtig, dass kein fremdbestimmter Wahlvorstand per Gerichtsbeschluss eingesetzt werde, sondern dass die Mitarbeiter selbst über die Zusammensetzung des Wahlvorstands und des Betriebsrats befinden, so Kagermann weiter.

Gegenüber manager-magazin.de betonte ein SAP-Sprecher, dass die jetzige Arbeitnehmervertretung neben dem zu wählenden Betriebsrat erhalten bleiben soll. Ob es personelle Überschneidungen zwischen beiden Gremien geben wird, ist gegenwärtig nicht klar.

Seit Anfang März tobt bei SAP die Auseinandersetzung über die erstmalige Wahl eines Betriebsrats. Bisher werden die Arbeitnehmer bei SAP allein im paritätisch besetzten Aufsichtsrat durch acht Mitglieder vertreten. Diese Mitbestimmungsmöglichkeit reichte drei SAP-Mitarbeitern nicht, sie setzten bei Gericht die Bestellung eines Wahlvorstands durch.

SAP wurde 1972 gegründet und ist heute der weltweit drittgrößte eigenständige Softwareanbieter mit Niederlassungen in über 50 Ländern. Im Geschäftsjahr 2004 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 7,5 Milliarden Euro. Derzeit beschäftigt SAP rund 34.100 Mitarbeiter, davon rund 13.700 in Deutschland.

Gewerkschaften versuchen seit längerem vergeblich, bei SAP einen Fuß in die Tür zu bekommen. Bereits vor drei Jahren war ein Vorstoß für eine Betriebsratsgründung am mangelnden Interesse der Belegschaft gescheitert.

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