LCD-Monitore Höher, breiter, schärfer

Big is beautiful, groß ist schön. In der Welt der Elektronik, in der alles in Richtung Winzigkeit strebt, sind Monitore die Ausnahme. Je größer, desto besser - das ist die Maxime für die Nachfolger der schweren Röhrengeräte. Wer aber braucht LCD-Monitore jenseits der 19-Zoll-Standardröße?

"Es hängt immer davon ab, wie viele Informationen man gleichzeitig auf dem Bildschirm sehen muss", sagt Martin Roger Jones, Redakteur der in München erscheinenden Zeitschrift "PC Welt". Als Beispiel nennt er Börsenhändler bei Banken, die oft vor sechs Monitoren sitzen, oder Leitstände in Stellwerken der Bahn. "Da ist es oft von Vorteil, wenn ein großer Bildschirm die vielen kleinen ersetzt."

Es kommt aber nicht allein auf die Größe der Bildschirme an. Wichtiger ist die Größe der sichtbaren Bildpunkte. Und die hängt von der Größe des Bildschirms und seiner Auflösung ab. So sind laut Jones 20-Zoll-Monitore eher negativ zu sehen, weil ihr Bild eine größere Auflösung als ein 19-Zoll-Gerät hat und die Bildpunkte - also Schrift und Linien - entsprechend kleiner sind. Erst bei 21-Zoll-Monitoren stehe beides wieder in einem guten Verhältnis. "21-Zoll-Monitore haben die gleiche Auflösung wie ein 20-Zoll-Monitor. Sie sind für das Auge aber angenehmer, weil die Bildpunkte größer sind."

Ein Ende der Entwicklung hin zu großen Bildschirmen ist nach Ansicht des Experten nicht abzusehen: "Für den Arbeitsplatzmonitor sind 23-Zoll-Bildschirme im Moment aber das höchste der Gefühle", sagt Jones. Ein Standardverhältnis von Bildschirmdiagonalen und Auflösung wie bei den kleineren Monitoren finden Käufer dort aber nicht. "Da hat jeder Hersteller seine eigene Lösung. Manche haben 22-Zoll-Bldschirme mit der gleichen Auflösung wie ein 21-Zoll-Gerät, andere haben eine höhere Auflösung", sagt Jones.

Schlanke Linie: Seitenansicht des Apple iMac G5 mit passendem Zubehör, einem iPod.

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Foto: Apple / DDP
Breitwandparade: Apples Cinema Displays haben alle das 16:9-Format. Die Auflösung liegt bei 1680 x 1050 Pixeln (20 Zoll), 1920 x 1200 Pixeln (23 Zoll) oder 2560 x 1600 Pixeln (30 Zoll).

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Sonys neue HS-Serie: Edles Design gepaart mit kurzer Pixelreaktionszeit und Kontrast von 1000:1.

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Runde Ecken und Acryl: Monitor der Firma Formac.

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Samsungs Modell 193p: Der südkoreanische Hersteller legt im Unterschied zu manch anderem asiatischen Unternehmen großen Wert auf Design.

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Eizo-Flachbildschirm L557: Steckt wie die meisten Monitore in langweiligem grauen Plastikgehäuse.

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Apples Cinema Diplay: Monitor aus eloxiertem Aluminium harmoniert zu G5-Gehäuse.

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Kult um Plasmaschirme: Design wird zunehmend zum Verkaufsargument.

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Foto: REUTERS
Sonys neue LCD-Monitorreihe: HDTV-fähiger Fernseher und Computermonitor in einem.

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Apple-Manager Philip Schiller mit iMac G5: Gesamten Rechner im schicken Monitorgehäuse untergebracht.

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Foto: AP


Monitor-Parade:
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Wie bei Fernsehern wird großen Monitoren im Breitbildformat auch am PC die Zukunft gehören. Allerdings gibt es laut Jones derzeit nur wenige Anwendungen, die die zusätzliche Bildschirmfläche auch sinnvoll nutzen können. Interessant seien vor allem Displays, die sich um 90 Grad drehen lassen: hochkant für die Darstellung einer kompletten DIN-A4-Seite, horizontal für die DVD mit dem Film im 16:9-Breitbildformat.

Und so sprechen große Monitore auch eher Videospieler, Digitalfotografen und Hobbyfilmer an. Der PC-Bildschirm ist kein reines Arbeitsgerät mehr, sondern Teil der Multimediamaschine Computer - auch wenn er bisher nur bei wenigen Nutzern im Wohnzimmer angekommen ist.

Für das Videogucken sind LCD-Monitore schlechter geeignet als gleich große LCD-Fernseher: "Die technischen Anforderungen an einen Computermonitor sind anders als an einen Fernseher", erklärt Peter Knaak, Technikexperte der Stiftung Warentest in Berlin. Bei der Arbeit am Computer komme es darauf an, möglichst kleine Zeichen möglichst scharf darzustellen. Die Bilder sind überwiegend statisch, und sie bestehen aus vielen Linien. Je höher der Kontrastumfang und die Auflösung des Monitors, desto angenehmer ist das Arbeiten.

Monitore für Spieler und Profis

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Bei der Videowiedergabe entscheidet dagegen eine gute Durchzeichnung auch im Schwarzbereich. Es kommt auf feine Helligkeitsabstufungen an. Andernfalls verschwinden dunkle Gestalten vor dunklem Hintergrund in einer schwarzen Fläche.

Harte Kontraste werden bei der Darstellung von Filmen nicht gewünscht, dafür aber viele Farben und schnelle Reaktionszeiten. Beide Nutzungsformen unter einen Hut zu bekommen, gleicht der Quadratur eines Kreises: "Einen LCD-Monitor kann ich nur auf eines optimieren", sagt Knaak.

Unternehmen wie der Monitorspezialist NEC bieten Computerspielern und Multimediafans daher eine gesonderte Displayreihe an - mit einer spiegelnden Glossy-Oberfläche. "Der Vorteil dieser Oberfläche ist eine brillantere Bildqualität und bessere Kontraste", sagt NEC-Sprecherin Kathrin Schwabe.

Das macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man in dunklen Raumen spielt oder abends Videos und Fotos anschaut. Für Office-Anwendungen sei das Gerät nicht gedacht. "PC-Welt"-Fachmann Roger Jones teilt diese Einschätzung: "Displays mit spiegelnden Oberflächen sind zum Arbeiten unter Tageslichtbedingungen absolut ungeeignet."

Auch in die letzte Bastion der Röhrenmonitore dringen die großen LCD-Geräte zunehmend ein: Viele Grafiker, Bildbearbeiter und Druckereien vertrauten bisher immer noch Röhrenmonitoren, weil sich mit der alten Technik ein größerer Farbraum als mit LCD-Monitoren darstellen ließ. Mit dem NEC SpectraView Reference 21 ist jedoch seit Sommer 2005 der erste LCD-Monitor auf dem Markt, der den gesamten Adobe-RGB-Farbraum darstellen kann.

Im Gegensatz zu herkömmlichen LCD-Monitoren, bei denen sich hinter Schichten mit Flüssigkristallen (Liquid crystal; LC) und Farbfiltern eine weiße Lichtquelle verbirgt, hat er drei Lichtquellen. Rote, grüne und blaue Leuchtdioden erzeugen ein weißes Licht, welches die Darstellung von mehr Farben ermöglicht.

Der Preis für das 21-Zoll-Gerät: rund 6000 Euro. Wenn jemand nur seine Fotos ansehen will, brauche er das nicht, sagt Kathrin Schwabe. "Soll aber ein Katalog erstellt werden, in dem die Farbe des T-Shirts genau der tatsächlichen Farbe entsprechen muss, ist 100-prozentige Farbgenauigkeit gefragt." Schließlich sollen die T-Shirts mit dem Farbton der Saison nicht zum Ladenhüter werden.

Arnd Petry, dpa

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