Cebit Nette Spione, digitale Handwerker

Freundliche Überwachungsroboter, Brennstoffzellen für den Laptop, Drucker für Brillen oder Zahnprothesen: Auch in diesem Jahr zeigt die Cebit Absonderliches und Absurdes aus den Labors der Unternehmen. Entwicklungen, die vielleicht nie auf den Markt kommen oder in absehbarer Zukunft schon alltäglich sein werden.

Hannover - Die Cebit hat auch in diesem Jahr einiges an ausgefallenen Ideen und Visionen zu bieten - oder einfach nur an unbrauchbaren, aber witzigen Sachen.

So zeigt der japanische Elektronik-Konzern NEC seinen Mini-Roboter Papero, der unter anderem als eine Art Babysitter dienen kann. Das etwa 50 Zentimeter hohe putzige Kerlchen sieht ein wenig aus wie ein entfernter Verwandter des legendären R2D2 aus "Star Wars" mit rundem Kopf. Der Roboter kann Sprache und Gesichter erkennen. Er ist nicht nur ein Spielgefährte, sondern könnte mit seinen zwei Kamera-Augen auch Bilder vom Nachwuchs an die Eltern übertragen. Ebenso in Entwicklung ist ein spezieller Papero (Partner-Type Personal Robot) für ältere Menschen.

Konkrete Pläne für eine Markteinführung des Roboters gebe es nicht, obwohl die Entwicklung seit 1997 laufe, sagt NEC-Manager Chris Shimizu. Hindernisse seien zum einen der hohe Preis und zum anderen Zweifel an der Bereitschaft der Verbraucher dafür. Schließlich stoppte Konkurrent Sony  die Entwicklung seines Roboters Qrio und stellte jüngst auch die Entwicklung des Roboter-Hundes Aibo ein.

Evolution: Sony hat Aibo ständig weiterentwickelt, wie diese frühere Ausgabe zeigt

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Foto: REUTERS
Marketingfantasie: Hätte es unter allen Weihnachtsbäumen der Welt so ausgesehen, würde es Aibo wohl weiterhin geben

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Aibo als Leuchte: Über kleine LEDs am Kopf zeigte der Hund, in welcher Stimmung er gerade war

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Aibo - Szenen eines Hundelebens
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Eher Design-Studien sind auch die von NEC gezeigte Feder, die Handschrift einliest und in einem Glasblock abbildet oder eine Art runder Taschencomputer mit acht Drehköpfen an den Achsen, mit dem sich zum Beispiel elektronische Stadtpläne einfach verfolgen ließen.

Die Brennstoffzellen-Stromversorgung für mobile Geräte dürfte dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit den Sprung in den Alltag schaffen. Die Technik, die das Problem der kurzen Laufzeiten zum Beispiel von Notebooks radikal lösen könnte, ist schon weit fortgeschritten, die Industrie spricht aber noch gerade erst über einen einheitlichen Standard. Zudem bleiben Probleme wie Sicherheitsbedenken von Fluggesellschaften, die keinen Wasserstoff an Bord haben wollen.

Brillen aus dem Drucker

Andere Technologien, die zum Teil wie Science-Fiction anmuten, sind dagegen bereits Realität. Zum Beispiel Fingernagel große Flash-Karten mit 512 MB Speichervolumen, Akkus, die sich auch auf längere Zeit so gut wie gar nicht selbst entladen - oder 3D-Drucker, die die Cebit-Besucher reihenweise zum Staunen bringen.

Mit den Geräten können nahezu beliebige Gegenstände nachgebildet werden: Gips-Pulver wird in hunderten 0,1 Millimeter dünnen Schichten aufgetragen.

Genutzt wird der 3D-Druck zum Beispiel für Modelle in Autoentwicklung, Mode oder Architektur. Dass man sich in absehbarer Zeit kaputte Gegenstände zu Hause einfach nachdrucken wird, ist angesichts des hohen Gerätepreises und der Beschaffenheit des Materials allerdings unwahrscheinlich.

Die bunten Teddybären-Handys mit nur vier Knöpfen für Kinder gibt es noch nicht in Europa, aber in Asien sind sie schon auf dem Markt. Das Tischtennis-Spiel mit echtem Schläger und virtuellem Ball, das die TU Chemnitz entwickelt hat, könnte zum Beispiel zum Reflex-Training in der medizinischen Rehabilitation eingesetzt werden. Dabei wird die Bewegung des Schlägers mit Infrarot-Strahlen erfasst und daraus die Fluglinie des Balls berechnet.

Auch der "Smartball", der mit einem Chip sicher anzeigen kann, ob ein Tor gefallen ist, wurde von der FIFA bereits bei der U17-Meisterschaft in Peru getestet. Wohl kaum in Serie gehen werden dagegen der Radio-Regenschirm von Samsung, für den es immerhin einen Design-Preis gab, sowie ein mit Gold und Diamanten verzierter MP3- Player.

Andrej Sokolow, dpa

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