SAP Mitarbeiter lehnen Betriebsrat ab

Bei SAP wird es auch weiterhin keinen Betriebsrat unter IG-Metall-Führung geben. Bei der Wahl am Konzernsitz in Walldorf stimmten lediglich 9 Prozent der Mitarbeiter für ein solches Gremium. Ein klarer Sieg für Unternehmensgründer Hopp, der gewerkschaftliche Mitsprache bei SAP mit allen Mitteln verhindern wollte.
Von Detlev Brechtel

Walldorf - Dietmar Hopps Hoffnung hat sich erfüllt: Eine Mitarbeitervertreitung nach klassischem Muster wird es auch künftig bei SAP  nicht geben. Von den 5632 zur Wahlversammlung erschienenen Mitarbeitern stimmten lediglich 509 - also gerade mal 9 Prozent - dafür. Damit ist die Initiative dreier SAP-Mitarbeiter, einen Betriebsrat unter Beteiligung der IG Metall zu installieren, abgeschmettert worden.

Die Wahlbeteiligung war groß. Schon am Nachmittag hatte Unternehmenssprecher Tony Roddam eine konkrete Zahl parat: "5600 Mitarbeiter sind derzeit in der Versammlung" - mehr als die Hälfte der rund 9000 Wahlberechtigten des Walldorfer Softwareherstellers.

Das deutliche Ergebnis ist wenig überraschend. Kaum ein Mitarbeiter mochte sich im von Security-Männern gesicherten Wahlbereich positiv zum Thema Betriebsrat äußern. "Ich weiß nicht, was dieses Theater hier soll", sagt ein Mittvierziger im Anzug, der ebenso schnell in den Saal hineinstürmte, wie er vermutlich wieder hinaus wollte.

Ein Softwareentwickler, seit zwei Jahren im Unternehmen, stimmte dem zu: "Ich verdiene hier besser als anderswo und profitiere davon, dass ich mir meine Arbeit selbst einteilen kann. Warum sollte ich das abschaffen wollen?"

Die Tatsache, dass ausgerechnet die IG Metall mit am Tisch saß, führte bei manchem zu Erheiterung. "Was verstehen die von unserem Geschäft", sagte einer, der "von Gewerkschaftseinfluss in dieser Branche nichts hält."

Eine junge Frau hielt dagegen: "Ich finde das Thema überbewertet. Ein Betriebsrat könnte auch den Mitarbeitern zur Seite stehen, die sich schlechter als andere zu helfen wissen."

"In China warten sie schon"

"In China warten sie schon"

Ein Betriebsrat bei SAP - für Unternehmensgründer, Ex-Chef und Aufsichtsrat Dietmar Hopp wäre das eine Attacke auf seine Lebensphilosophie gewesen. Mit einem offenen Brief an seine Beschäftigten versuchte er schon im Vorfeld, Stimmung gegen das Vorhaben zu machen.

Die Gewerkschafter waren schon seit längerer Zeit in Sachen SAP aktiv: Unter einer Webseite der IG Metall konnten sich die SAP-Mitarbeiter informieren. Und das Thema ist hier nicht neu: Vor drei Jahren war ein ähnlicher Vorstoß abgeschmettert worden.

Die Interessen der Belegschaft werden nach Ansicht von Hopp durch die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat ausreichend vertreten. Dieser Quasi-Betriebsrat habe bisher geholfen, eine "lähmende Bürokratie" zu vermeiden. Zudem seien die SAP-Beschäftigten über Mitarbeiteraktien am Erfolg der Firma beteiligt.

Hopp ging sogar noch einen Schritt weiter: Wenn die Gewerkschaft bei SAP mitbestimmen würde, sei langfristig auch der Standort Walldorf in Gefahr, hatte er vorab gewarnt. Mit deren Vorstellungen von Arbeitszeitmodellen nach dem Stechuhrprinzip sah er die Flexibilität des Global Players bedroht. "In China warten sie schon darauf, unseren Job zu machen." Viele SAP-Mitarbeiter teilen offensichtlich seine Meinung.