SAP "Ist Walldorf noch der richtige Standort?"

Dietmar Hopp, Gründer und Ex-SAP-Chef, will auf keinen Fall, dass die IG Metall Einfluss auf den Softwarekonzern nimmt. Sollte die Gewerkschaft über den Betriebsrat Macht bei SAP erhalten, müsse diskutiert werden, ob Walldorf der richtige Standort als Konzernzentrale sei, schrieb Hopp in einem offenen Brief an die Mitarbeiter.

Hamburg - In dem offenen Brief, den SAP-Mitbegründer und Ex-Chef Dietmar Hopp in das Internet stellte, bekräftigt Hopp, ein von der Gewerkschaft dominierter Betriebsrat würde keiner Selbstbestimmung, sondern einer Fremdbestimmung gleichkommen.

In der Verantwortung der Mitarbeiter läge es also, einen Betriebsrat zu wählen, der nicht fremdgesteuert ist. Nur so ließe sich vermeiden, dass die übliche schwerfällige Bürokratie eingeschleppt und damit SAP  die unentbehrliche Wendigkeit und Reaktionsfähigkeit genommen würde, so Hopp.

Hopp riet den Beschäftigten, zur Betriebsversammlung zu gehen und daraus eine eindruckvolle Demonstration gegen Fremdbestimmung durch die IG Metall zu machen. Sollte dennoch ein Betriebsrat gewählt werden, sollte dieser aus Mitarbeitern bestehen, die "SAP nicht mit der Krankheit infizieren, an der viele, viele Unternehmen in Deutschland leiden", so Hopp gegenüber der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Für den kommenden Donnerstag hat die IG Metall die SAP-Mitarbeiter zur Betriebsversammlung geladen. Ziel ist die Vorbereitung einer Betriebsratswahl für das weltweit drittgrößte Softwareunternehmen, das fast 36.000 Menschen beschäftigt.

Hier der offene Brief von Dietmar Hopp im Wortlaut:

"Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SAP,

in großer Sorge um die Zukunft der SAP wende ich mich heute persönlich an Sie. Ich bin stolz darauf, dass die SAP zu einem Weltunternehmen geworden ist.

Ihre Interessen, die Interessen der Belegschaft wurden in den letzten Jahren mit Augenmaß und ausgesprochen erfolgreich von den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat vertreten - quasi in der Rolle eines informellen Betriebsrates.

Sie alle wissen, wie unheimlich erfolgreich sich unsere SAP entwickelt hat. In dem hart umkämpften Markt für Anwendungssoftware hat die SAP unangefochten den Platz eins erreicht, mit weiterhin positivem Trend.

Die SAP wurde bereits zum zweiten Mal in Folge zum besten Arbeitgeber gewählt und gehört zu den "am meisten bewunderten Unternehmen der Welt". Die Finanzwelt bewertet die SAP höher als vergleichbare Unternehmen. Dies alles ist auch Ihr Verdienst und gleichzeitig zu Ihrem Nutzen.

Der Vorstand hat in einem klaren Bekenntnis zum Standort Deutschland in Walldorf und in St. Leon-Rot eine Investition begonnen, die weitere Büroräume für mehr als 3000 Mitarbeiter schafft.

"Als erstes Stempeluhren einführen?"

Wir alle kennen die schwierige Situation des deutschen Arbeitsmarktes und wir wissen, dass sogar das SAP-Geschäft in Deutschland stagniert. Dennoch sind weitere Einstellungen in Deutschland beabsichtigt, weil die Zuversicht besteht, dass sich der Standort Deutschland, der naturgemäß mit anderen Standorten in der Welt im Wettbewerb steht, behaupten kann.

Die von drei Mitarbeitern des Unternehmens gestartete Aktion zur Installation eines Betriebsrates geht konform mit der Gesetzgebung. Wenn allerdings eine dominierende Mehrheit im Unternehmen dagegen sein sollte, wird es vielleicht gelingen, auch diese Herren davon zu überzeugen, dass die derzeitige Situation mit der Vertretung durch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat eine gute Alternative darstellt.

Sollte es jedoch zur Wahl kommen, dann geht es darum, einen Betriebsrat zu wählen, der nicht fremdgesteuert ist. Nur so lässt sich vermeiden, dass die übliche schwerfällige Bürokratie eingeschleppt wird und damit der SAP die unentbehrliche Wendigkeit und Reaktionsfähigkeit genommen wird.

Nur so können wir eine Diskussion vermeiden, ob Walldorf noch der richtige Standort ist als Zentrale eines Weltunternehmens der Softwarebranche, das sich im globalen Wettbewerb behaupten muss. Jedenfalls haben unsere Hauptmitbewerber keine fremdbestimmten Betriebsräte.

Ich betreibe hier keine Schwarzmalerei, aber wollen Sie von Leuten vertreten werden, die ihre Anweisungen von außerhalb erhalten?

Wollen Sie denn von Leuten vertreten werden, die in bemerkenswerter Weise in ihrer Einladung zur Betriebsversammlung schreiben: "Jede/r Beschäftigte hat das Recht an dieser Betriebsversammlung während der Arbeitszeit teilzunehmen"?

Als ob das je eine Frage gewesen wäre, und als ob das jemals einen von Ihnen interessiert hätte. Ob diese Herren als Erstes dann Stempeluhren bei der SAP einführen werden?

Meine ganz große Hoffnung sind Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gehen Sie zur Betriebsversammlung und zeigen Sie, dass Sie nicht fremdbestimmt werden wollen.

Machen Sie diese Betriebsversammlung zu einer eindrucksvollen Demonstration für Ihre Selbstbestimmung. Lassen Sie sich nicht um die Früchte Ihres Erfolges bringen!

Bei den bisherigen Wahlen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat haben Sie ja schon entsprechend votiert. Ich habe volles Vertrauen, dass Sie auch diese Herausforderung meistern werden.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Dietmar Hopp
Walldorf, im Februar 2006"

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