Handymarkt Die Großen werden immer größer

Sprechen, fotografieren, Musik hören oder Kurznachrichten verschicken – der Verkauf von neuen Handys brummt weltweit. Unangefochtener Marktführer ist weiterhin Nokia, gefolgt von Motorola. Die Aussichten sind rosig, nur die kleinen Hersteller müssen aufpassen, dass sie nicht untergehen.

Stockholm - Er wächst und wächst und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Der Handyverkauf boomt. Dabei kommt der anhaltende Absatz einer Studie zufolge immer mehr den großen Herstellern zugute. Weltweite Nummer eins bleibt unangefochten Nokia , das seinen Marktanteil im vierten Quartal 2005 um zwei Prozentpunkte auf 35 Prozent vergrößerte.

Auf Platz zwei und drei folgen Motorola  (17,8 Prozent) und Samsung  (12,1 Prozent) vor LG, Sony Ericsson und Benq-Mobile. Diese sechs führenden Unternehmen hätten ihren Marktanteil auf Kosten der kleinen Produzenten auf nun knapp 80 Prozent vergrößert, hieß es in der Studie.

Insgesamt seien 2005 weltweit mehr als 816 Millionen Mobiltelefone und damit 21 Prozent mehr als 2004 verkauft worden, teilte das Marktforschungsinstitut Gartner mit. Vor allem das vierte Quartal zeigte sich mit 235 Millionen abgesetzten Handys besonders stark. "Das ist jetzt erneut das stärkste Rekord-Quartal seit 2001, als Gartner begonnen hat, die Quartalsentwicklung des Marktes zu beobachten", teilte das Unternehmen mit.

Boom zum chinesischen Neujahrsfest

In Entwicklungsmärkten verzeichnete die Industrie 2005 weiterhin ein kräftiges Wachstum mit günstigeren Geräten, während in den entwickelten Märkten die Kunden ihre Handys durch hochmoderne Geräte ersetzten, sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi.

Auch in diesem Jahr werde der weltweite Handymarkt erneut prozentual zweistellig wachsen, hieß es. "Das Wachstum wird sich im zweiten und dritten Quartal verlangsamen", sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Für das Gesamtjahr wird allerdings ein Absatzwachstum von 10 bis 15 Prozent prognostiziert. Ende des Jahres dürften sich die Wachstumsraten jedoch wieder erholen.

Für das erste Quartal 2006 rechnen die Marktforscher mit einer um 20 Prozent höheren Nachfrage als ein Jahr zuvor. Das chinesische Neujahrsfest werde immer bedeutender für die Branche, erklärte das Institut. Auch seien die Weihnachtskampagnen in etlichen Märkten in das neue Jahr hinein verlängert worden.

Während einerseits der Absatz steigt, leiden die Handyhersteller gleichzeitig unter einem immer deutlicheren Kostendruck, weil der durchschnittliche Verkaufspreis pro Telefon sinkt. Vor allem der Wettbewerb im unteren Preissegment drücke die Preise. Im oberen Bereich lieferten sich die Hersteller ein Rennen um Design und Technologie. Dabei hänge "das Überleben des Stärksten" immer mehr von Größe oder der sorgfältigen Besetzung von Nischenmärkten ab, sagte Milanesi.

Erwartungsdruck ist groß

Genau diesen Trend hatte Anfang Februar auch der Gartner-Konkurrent IDC feststellt. Den IDC-Berechnungen zufolge stieg der Marktanteil der fünf größten Handyproduzenten an den weltweit 825,5 Millionen verkauften Mobiltelefonen auf rund 74 Prozent, nachdem es 2004 noch weniger als 70 Prozent waren.

Nokia hatte 2005 82,2 Millionen Handys verkauft und damit 27,7 Prozent mehr als im Vorjahrszeitraum abgesetzt. Für das finnische Unternehmen sieht Milanesi in diesem Jahr "keine unmittelbaren Probleme". Motorola müsse hingegen dem hohen Erwartungsdruck gerecht werden, der sie mit dem Erfolgsprodukt "Razr" entstanden sei.

Samsung als Nummer drei im Markt steigerte seinen Anteil 2005 um nur 0,1 Prozentpunkte auf 12,7 Prozent. Die Konzentration auf hochpreisige und mittlere Geräte, die der Konzern ähnlich wie Sony Ericsson verfolgt, führe zu einem langsameren Wachstum bei den Stückzahlen, heißt es bei Gartner. Bei BenQ - nach der Übernahme des Siemens-Handygeschäfts sechstgrößter Anbieter der Branche - setzte sich im vierten Quartal der Absatzrückgang mit einem Minus von 13,4 Prozent auf 11,1 Millionen verkaufte Geräte fort.

dpa-afx, dpa, ddp, ap, vwd, rtr

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