SAP "Die IG Metall darf SAP nicht stoppen"

Beim Walldorfer Softwarekonzern soll es nach jahrelangem Tauziehen einen Betriebsrat geben. Noch in dieser Woche wird die erste Versammlung stattfinden. SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp kritisiert den Vorstoß der Gewerkschaft. "Ein von der IG Metall gesteuerter Betriebsrat widerspräche jeder Vernunft", sagte Hopp.

Frankfurt - Der Walldorfer Softwarekonzern SAP  könnte zum ersten Mal in der Firmengeschichte bald einen Betriebsrat haben. Drei Arbeitnehmer hätten für Donnerstag zu einer Betriebsversammlung eingeladen mit dem Ziel einen Betriebsrat zu wählen, sagte der Heidelberger IG-Metall-Sekretär Bernd Knauber am Donnerstag und bestätigte im Kern einen Bericht der "Wirtschaftswoche" (Online-Ausgabe).

"Ich denke, dass dort auch ein Wahlvorstand gewählt wird", fügte er hinzu. Dieser aus fünf bis neun Mitgliedern bestehende Vorstand stelle dann schließlich einen Betriebsrat zusammen. Ein SAP-Sprecher bestätigte die Einberufung der Versammlung. "Wenn die Mitarbeiter dies wünschen, werden wir das unterstützen", betonte er.

Seit Jahren versuchen die Gewerkschaften IG Metall und Verdi bei dem Softwareriesen einen Fuß in die Tür zu bekommen. Der letzte Versuch von Seiten der IG Metall sei vor dreieinhalb Jahren wegen zu geringen Interesses der SAP-Arbeitnehmer gescheitert, sagte Knauber. Seither habe es keine Vorstöße mehr gegeben.

SAP-Mitbegründer und Großaktionär Dietmar Hopp sieht einem drohenden Einfluss der Gewerkschaften kritisch entgegen: "Ein von der IG Metall gesteuerter Betriebsrat widerspräche jeder Vernunft und passt nicht zur SAP-Kultur", sagte er der "Wirtschaftswoche". Die Interessen der Belegschaft würden von den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat "mit Augenmaß und ausgesprochen erfolgreich" vertreten, sagte Hopp weiter.

Da die Arbeitnehmer-Aufsichtsräte bisher als Quasi-Betriebsrat agieren würden, "konnten wir eine lähmende Bürokratie vermeiden. Was ich wirklich fürchte, ist ein fremdgesteuerter Betriebsrat", wurde Hopp weiter zitiert. "Die IG Metall darf den Erfolgskurs der SAP nicht stoppen", so Hopp. Außerdem, betonte der SAP-Mitbegründer, sei das Unternehmen bereits zum zweiten Mal in Folge zum besten Arbeitgeber in Deutschland gewählt worden.

Wenn die Installation des Betriebsrates tatsächlich komme, dann könnten die Mitarbeiter dafür sorgen, dass das Gremium mit eigenen und nicht mit Interessenvertretern der Gewerkschaft besetzt werde. "Bei den bisherigen Wahlen der Arbeitnehmervertreter zum Aufsichtsrat hat die Gewerkschaft ja auch kein Bein auf den Boden bekommen", wurde Hopp weiter zitiert.

Der weltgrößte Hersteller von Unternehmenssoftware ist das größte Unternehmen in Deutschland ohne Betriebsrat. Im Zuge des Börsengangs 1988 wählten die Beschäftigten jedoch acht Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat. Das informelle Gremium, das sich mindestens einmal wöchentlich trifft, versteht sich als vom Vorstand legitimierte Interessensvertretung für die weltweit 32.000 Mitarbeiter.

manager-magazin.de mit Material von ap, rtr, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.