Sicherheits-Check Killer und Jäger

Schutzlos im Internet surfen kann sich bitter rächen: Nicht nur Viren und Würmer verbreiten sich mitunter rasend schnell. Auch Kriminelle jagen Passwörtern hinterher oder versuchen, die Kontrolle über Computer zu erlangen. Zum Schutz gibt es Antivirenprogramme. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual.

Bonn/Magdeburg - Das Internet ist ein gefährlicher Ort: Neben virtuellem Ungeziefer wie etwa bösartige Viren und Würmer lauern dort Cyberkriminelle auf arglose Surfer. Die Kontrolle über ihren PC zu erlangen oder ihnen die Zugangsdaten fürs Online-Banking abzuluchsen, sind nur zwei Beispiele dafür, worauf sie aus sind. Internetnutzer sind daher gut beraten, nur mit entsprechendem Schutz online zu gehen. Die Sicherheitssoftware sollte dabei nach den persönlichen Anforderungen ausgewählt werden.

"Die Art des Virenschutzes hängt vom Schutzbedarf ab", erklärt Anja Hartmann vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. So kommt es unter anderem darauf an, ob ein PC privat oder dienstlich, in einem Netzwerk oder als Einzelrechner genutzt wird. "Ein Endanwender muss in der Regel kein Netzwerk absichern. Da reicht meist der Standardschutz aus", sagt die BSI-Sprecherin.

Dieser sollte nach den BSI-Empfehlungen für die Internetnutzung mindestens aus einem aktuellen Virenschutzprogramm, einer Firewall und aus regelmäßigen Systemaktualisierungen bestehen. Als "Killerprogramme" eignen sich Virenschutz und Firewall, die es sowohl als Einzelprogramme oder als Kombinationslösungen gibt. Zum einen werden sie kostenlos im Internet zum Download angeboten, zum anderen können sie bei Softwarefirmen zu unterschiedlichen Preisen gekauft werden.

Schnelligkeit entscheidet

Computerexperte Peter Knaak von der Stiftung Warentest empfiehlt Privatanwendern, sich mit kostenlosen Tools gegen Viren zu schützen. "Die Kaufprogramme sind nicht so viel besser, als dass sich der Kaufpreis von meist rund 40 Euro lohnen würde."

Auch BSI-Sprecherin Hartmann hält Antiviren-Freeware für "okay". Meist handele es sich dabei um eine "abgespeckte" Version eines kostenpflichtigen Schutzprogramms. Bei mancher Freeware sei die kostenlose Nutzung auch auf eine bestimmte Zeit beschränkt.

Grundsätzlich unterscheiden sich Virenschutzprogramme laut Hartmann meist nur in den Zusatzfeatures: Manche enthalten beispielsweise auch einen Dialer- oder einen Spamschutz. "Im Virenschutz sind alle ziemlich ähnlich", sagt die BSI-Sprecherin.

Unterschiede gibt es nach Angaben von IT-Sicherheitsexperte Andreas Marx aus Magdeburg aber in der Reaktionsgeschwindigkeit - das heißt, wie schnell Softwarefirmen mit aktualisierten Virensignaturen auf neue Bedrohungen reagieren. Bei einer Untersuchung seiner Firma AV-Test lieferten die schnellsten Anbieter innerhalb von zwei Stunden neue Updates - die langsamsten brauchten bis zu 20 Stunden.

Sicher mit Firewall und Backup

Laut Marx ist eine Reaktionszeit von bis zu sechs Stunden unbedenklich. "Bei allem, was darüber liegt, wird es kritisch", sagt der IT-Experte. Dem stimmt auch Peter Knaak zu: Bei bis zu zehn neu entdeckten Viren pro Tag "spielen mitunter Stunden eine Rolle." Dass Surfer keine Bedenken bei kostenloser Antivirensoftware haben müssen, verdeutlicht ein weiteres Ergebnis der Untersuchung von Marx. So stellte er bei kostenpflichtigen und kostenlosen Antivirenprogrammen keine unterschiedlichen Reaktionsgeschwindigkeiten fest.

Allerdings kommt es auch darauf an, wie zuverlässig ein Update arbeitet: "Es ist gut, eine kurze Reaktionszeit zu haben", sagt Marx. "Auf der anderen Seite möchte man auch ein Update haben, das funktioniert" - und dem Nutzer nicht etwa bei der Installation das System zerstört. Um diesem Risiko zu begegnen, empfiehlt der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer, regelmäßig Backups vorzunehmen. "Fast jeder Rechner hat heute einen Brenner, und CDs oder DVDs kosten nur noch wenige Cent." Zumindest die wichtigsten Dateien sollten Anwender daher regelmäßig sichern.

Als Ergänzung zum Virenschutzprogramm empfiehlt Fischer, eine persönliche Firewall zu installieren. Eine interne Firewall als Software auf dem Rechner habe gegenüber einer externen Variante - zum Beispiel einem zwischengeschalteten Router - den Vorteil, dass sie Nutzern jede Internetverbindung einzelner Programme anzeigt. Jedoch sei sie "von innen" angreifbar: So könnten eingeschleuste Trojaner das Schutzprogramm abschalten. Dagegen sei eine sicherere externe Firewall mit "wesentlich höherem Verwaltungsaufwand" verbunden.

Grundsätzlich hält auch Peter Knaak eine Firewall für sinnvoll. Allerdings sei die Konfiguration oft "heikel" - viele Anwender kämen damit nicht zurecht. Anja Hartmann vom BSI empfiehlt vor der Entscheidung für ein bestimmtes Programm, einen Blick in die Dokumentation zu werfen. Ein Auswahlkriterium könne sein, dass die Beschreibung verständlich verfasst ist.

Updates nicht vergessen

Das könnte laut Christoph Fischer ein Argument für kostenpflichtige Schutzvarianten sein - ob als Einzelkomponenten oder Paket aus Virenschutz und Firewall. Bei kostenlosen Programmen gebe es oft keine Anleitung und keinen Support, was gerade für Laien ein Nachteil sei.

Egal für welche Variante sich Anwender letztlich entscheiden - wichtig ist nach den Worten von Anja Hartmann, dass sie sich kontinuierlich um Updates kümmern. Dazu gehört laut Christoph Fischer auch das regelmäßige Einspielen von Sicherheitspatches für das Betriebssystem. Mit beidem nehmen es viele Anwender offenbar nicht so genau: Laut einer BSI-Studie aus dem Jahr 2004 surft jeder Vierte ohne jeglichen Virenschutz. Nur jeder Dritte nimmt regelmäßig ein Systemupdate vor.

80 Prozent der Internetnutzer aktualisieren ihren Virenschutz nur einmal im Monat, 33 Prozent einmal die Woche. Die meisten seien "zu sorglos" im Internet unterwegs, so das BSI. Peter Knaak von Stiftung Warentest zieht daraus ein sehr treffendes Fazit: "Der wirksamste Virenschutz steckt nicht im Computer, sondern sitzt davor."

Felix Rehwald, dpa/gms

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