E-Mail-Programme Es muss nicht immer Outlook sein

Bei der Wahl des E-Mail-Programms entscheiden sich viele Anwender für Microsoft Outlook, das auf jedem Windows-Rechner vorinstalliert ist. Doch das Bekannteste muss nicht immer das Beste sein: Kostenlose Alternativprogramme machen der Standardsoftware zunehmend Konkurrenz.

München - Bei der Wahl des E-Mail-Programms entscheidet bei vielen Anwendern letztlich die Macht der Gewohnheit. Aber anstatt sich auf Windows Outlook zu beschränken, kann sich ein Blick über den Tellerrand durchaus lohnen. "Es gibt mittlerweile eine breite Palette an empfehlenswerten Alternativen'", sagt Daniel Behrens, Redakteur bei der Fachzeitschrift "PC Welt".

Was gut ist, muss nicht viel kosten: Während Programme wie "Eudora" oder "The Bat" für unter 50 Euro angeboten werden, sind andere wie "Thunderbird" oder "Pegasus" komplett kostenlos. Ein Umstieg lohnt sich laut Behrens für jene, die "Outlook" nicht gratis zum PC dazu erhalten haben.

"Außerdem bieten Alternativ-Programme oft bessere Sicherheitseinstellungen", sagt Fachbuchautor Peter Kraft. Er beschreibt in seinem "Anti-Hackerz Book" Sicherheitslücken von E-Mail-Programmen. Bei älteren "Outlook"-Versionen habe es solche zuhauf gegeben. So sei der Schutz vor verdächtigen Anhängen und unbemerkten Hintergrundaktionen in HTML-Nachrichten mangelhaft gewesen.

Microsoft  habe inzwischen aber auf die gestiegenen Sicherheitsanforderungen reagiert und die Vorsichtsmaßnahmen verschärft, sagt Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner. So enthalte die aktuelle Version einen Schutz gegen bösartige HTML-Mails und einen automatischen Filter für gefährliche Anhänge. Allerdings müsse man derartige Schutzmaßnahmen auch heute noch von Hand anpassen, gibt Buchautor Kraft zu bedenken. Andere Programme nähmen dem Nutzer diese Arbeit ab.

"Microsoft-Programme geraten zudem aufgrund ihrer hohen Verbreitung besonders häufig ins Visier von Hackern - 'Outlook'-Anwender müssen daher öfter auf neue Sicherheitslücken reagieren", sagt Michael Dickopf, Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Alternative Software habe hier den Vorteil, dass sich weniger Hacker für sie interessierten. So sei die Gefahr durch Datendiebe geringer, auch wenn "Outlook"-Alternativen in der Regel ebenfalls Fehler hätten.

Ohne Spam-Filter

Ohne Spam-Filter

Freie Software aus Programmierer-Gemeinden wie "Thunderbird" besitzt darüber hinaus häufig einen guten Spam-Schutz, sagt Fachredakteur Behrens. Nutzer von "Outlook Express" verfügen dagegen nicht über eine solche Schutzeinrichtung.

Filter können laut BSI-Sprecher Dickopf auch Viren abwehren - denn oft versteckten sich PC-Schädlinge in unerwünschten E-Mails, so genannter Spam. Nützlich sind lernfähige Filter, die der Nutzer kontinuierlich verbessern kann, ergänzt Fachbuchautor Kraft.

Grundsätzlich ähneln sich die meisten Programme in Aufbau und Bedienung. Umsteiger müssen sich beim Bearbeiten und Sortieren ihrer E-Mails meist nicht sonderlich umstellen. Dagegen sei die Benutzung eher Geschmackssache. Einige Programme wie "Incredimail" lassen sich optisch extravaganter gestalten.

Vom Funktionsumfang her unterscheiden sich die Programme unter anderem darin, ob der komfortable Mail-Zugriff über das IMAP-Protokoll möglich ist. Damit lässt sich ein Postfach zum Beispiel von mehreren Anwendern nutzen. Nicht alle Programme bieten außerdem eine integrierte Verschlüsselung und digitale Signierung, um die Datensicherheit zu erhöhen.

Problematisch kann der Abschied von "Outlook" werden, wenn sich alte Nachrichten und Einstellungen nicht in das neue Programm importieren lassen. Vor dem Wechsel sollten Nutzer dies unbedingt überprüfen, um unnötige Arbeit zu vermeiden, rät Behrens. Ein Teil der alternativen Software ist überdies nur auf Englisch erhältlich.

Zudem eigneten sich alternative Mail-Programme bislang nur für Privatanwender, sagt Behrens. Denn kein anderes Programm könne derzeit die Kalender-Funktionen von Outlook ersetzen. Außerdem sei der Terminabgleich mit Handy oder PDA bei den meisten Geräten auf Outlook ausgerichtet.

Tobias Schormann, dpa

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