Microsoft Endlich sicher, endlich TV

Bill Gates hat sich des Themas PC-Sicherheit angenommen. Damit Hacker Passwörter und PIN-Nummern nicht mehr vom Computer stehlen, wurde ein Programm entwickelt, dass sensible Daten schützt. Auf der Branchenmesse 3GSM sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer, was die Zukunft bringt: TV überall und Handys, die zu Computern werden.

Hamburg - Microsoft  will persönliche Daten für Internet-Transaktionen besser schützen und hat dafür am Dienstag eine neue Software vorgestellt.

Das Programm mit dem Namen "Infocard" solle es den Verbrauchern ermöglichen, ihre persönlichen Daten online sicher zu verwalten, sagte Microsoft-Chairman Bill Gates auf einer Konferenz für Computersicherheit in Kalifornien.

Das Programm verwaltet die Nutzernamen, Passwörter und PIN-Nummern, die üblicherweise ungeschützt auf dem Computer liegen. Wenn der PC-Anwender zum Beispiel eine Seite im Web besucht, die ein Login benötigt, wird das notwendige Passwort automatisch eingelesen. So können verschiedene komplizierte Passwörter ausgesucht werden, die sich Nutzer schlecht merken können. Microsoft will Infocard noch in diesem Jahr auf den Markt bringen.

Ein ähnliches Programm gibt es bereits bei Apple . Das Tool "Keychain" kann auf dem Betriebssystem Mac OS 10 installiert werden. Auch der Softwareanbieter Vendors bietet ein Passwortverwaltungsprogramm für Windows-Rechner an.

Schon einmal hatte Microsoft versucht, ein Programm für Datensicherheit zu etablieren. Das 2001 vorgestellte System "Passport" ähnelte einem Ausweis im Web, konnte sich aber nicht durchsetzen, weil die Nutzerdaten bei Microsoft gespeichert wurden. Deswegen wurde Passport von Datenschützern scharf kritisiert.

Invasion im Handy-Markt

Auf der Fachmesse 3GSM in Barcelona kündigte der Softwarekonzern unterdessen einige neue Programme und Tools an. So will Microsoft mit britischen und amerikanischen Mobilfunk-Anbietern privat aufgenommene Sendungen auf das Handy bringen.

Die Filme können direkt vom heimischen Rechner übers Netz auf das Handy geladen werden. "Mobiles TV markiert den Beginn einer neuen Epoche für unsere Industrie", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer.

Für das mobile TV will Microsoft auch die nötigen Werkzeuge liefern. Zum Abgleich von Daten auf dem Handy, dem Taschen-PC oder dem Computer zu Hause soll es in dem nächsten Betriebssystem Windows Vista das so genannte Sync Center geben. Geschäftsleute könnten ihre Powerpoint-Präsentationen künftig auf dem Mobiltelefon bei sich haben, die dann mit einem mobilen Beamer genutzt werden können, ergänzte Ballmer.

Bereits zum Auftakt der Messe hatte Microsoft weit reichende Pläne mit seinem Handy-Betriebssystem Windows Mobile 5 vorgestellt. So ist die Software nun für die direkte Durchleitung von E-Mails auf das Handy gerüstet. Microsoft setzt auf die so genannte "Push-E-Mail", um einen größeren Anteil am Mobilfunkmarkt zu erobern. Bisher ist der direkte E-Mail-Verkehr auf dem Handy eine Domäne von Anbietern wie RIM mit dem Blackberry.

Binnen kürzester Zeit sollen über hundert verschiedene Smartphones und Handys mit Windows Mobile 5 verfügbar sein. Einige der vorgestellten Geräte sind mit vom PC her bekannten Büro-Programmen wie Outlook oder Powerpoint ausgestattet, sie haben integrierte Funktionen für Internet-Telefonie und Instant Messaging sowie automatischen E-Mail-Empfang.

Weil die Programme mit dem angekündigten Betriebssystem Windows Vista kompatibel sein sollen, könnte es Microsoft langfristig gelingen, Wettbewerben wie dem von Nokia  genutzten Handy-Betriebssystem Symbian oder RIM Marktanteile abzujagen.

manager-magazin mit Material von rtr, dpa, ap

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