Mobilfunk Alle wollen mobiles Breitband

UMTS war gestern, die Zukunft heißt HSDPA: Nokia, Ericsson und der Käufer der Siemens-Handysparte Benq spekulieren auf das schnelle Breitbandnetz. Die Unternehmen präsentierten auf der Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona ihre Visionen der Handy-Zukunft. "HSDPA wird das große Thema", sagte Nokia-Chef Jorma Ollila.

Barcelona - Der weltgrößte Handyhersteller Nokia  will im laufenden Geschäftsjahr bei UMTS-Geräten einen Marktanteil von 40 Prozent erreichen.

"In diesem Jahr erwarten wir den Verkauf von rund 40 Millionen UMTS-Handys", sagte Vorstandschef Jorma Ollila am Montag auf der Mobilfunkmesse 3GSM World Congress in Barcelona. Die Gesamtzahl der weltweit verkauften UMTS-Geräte dürfte voraussichtlich bei 100 Millionen liegen.

Insgesamt rechnet Nokia im laufenden Geschäftsjahr mit einem weltweiten Wachstum des Mobiltelefonmarktes etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2005 habe das Wachstum bei 24 Prozent gelegen, sagte Ollila weiter. "Das wird sich dieses Jahr fortsetzen." Groß werde die Nachfrage voraussichtlich bei Geräten mit Musikfunktionen bleiben.

Nokia rechne für 2006 damit, 80 Millionen Geräte mit integrierten MP3-Playern auszuliefern. Außerdem wollen die Finnen 150 Millionen Handys mit Radio-Funktion verkaufen.

Ollila kündigte außerdem den Start dreier neuer Mobiltelefone an. Eines davon - das Modell 6136 - soll als Schnittstelle zwischen Mobilfunk und Festnetz fungieren. Es kann einerseits über W-Lan eine Verbindung zum Internet herstellen, so dass beispielsweise Telefongespräche kostengünstig übers Web geführt werden können. Andererseits klinkt sich das Gerät bei Verlassen des W-Lan-Hotspots automatisch ins Mobilfunknetz ein.

Zudem kooperiert Nokia mit dem Handyhersteller Sony Ericsson. Beide Unternehmen wollen auf dem Gebiet des mobilen Fernsehens zusammenarbeiten. Das bevorzugte Format hierfür sei DVB-H. Nokia und Sony Ericsson wollen hier künftig ihre Standards und Spezifikationen aufeinander abstimmen. Außerdem werde Nokia in diesem Jahr in Indonesien ein Pilotprojekt mit DVB-H starten.

Multimedia-Anwendungen wie Handy-TV oder der Download von Filmen und Musikstücken seien die Zukunft des Mobilfunks, sagte der Vorstandschef weiter. "Wir befinden uns erst in einer frühen Phase der Entwicklung." Bereits in Kürze sei aber damit zu rechnen, dass sich die Übertragungsgeschwindigkeit im UMTS-Netz dank des neuen Standards HSDPA deutlich erhöhen werde. "HSDPA wird in den kommenden Monaten das große Thema für alle Mobilfunkanbieter sein."

Nokia hatte im vergangenen Jahr mit 264,9 Millionen ausgelieferten Mobiltelefonen seinen Marktanteil um 2,7 Prozentpunkte auf 32,1 Prozent gesteigert. Insgesamt seien 825,5 Millionen Stück ausgeliefert worden.

Ericsson und Benq forcieren HSDPA

Ericsson und Benq forcieren HSDPA

Auch Ericsson  äußerte sich auf der Messe zu seiner zukünftigen Strategie. Ebenso wie die Wettbewerber setzt der Telekomausrüster auf mobile Breitbandtechnik. "Mobiles Fernsehen ist ein Service, den viele von uns künftig nutzen werden", sagte Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg. Im laufenden Geschäftsjahr rechne er mit einem "moderaten" Wachstum des Marktes für Mobilfunknetzwerke, sagte Svanberg.

Unter anderem werde Ericsson bis Herbst das UMTS-Netz des kanadischen Telekomunternehmens Rogers Comunications mit dem neuen HSDPA-Standard aufrüsten. HSDPA ist eine Hochgeschwindigkeitsvariante des Mobilfunkstandards UMTS. Er ermöglicht Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde. Normales UMTS schafft eine maximale Datenrate von 384 Kilobit pro Sekunde. "Die meisten UMTS-Netze werde im Laufe des Jahres mit HSDPA ausgerüstet werden", so Swandberg weiter. Gleichzeitig kündigte er den Start von drei neuen, HSDPA-fähigen Sony Ericsson-Handys an.

Auch der Käufer der Siemens-Handysparte Benq präsentierte auf der Messe sein erstes HSDPA-Handy. Das Gerät mit der Bezeichnung EF91 ermögliche es dem Nutzer, Multimedia-Inhalte wie Fotos, Filme und Musik fünf Mal schneller als bisher möglich auf das Handy zu laden, sagte Benq-Siemens-Chef Clemens Joos. Das Telefon werde im Sommer zur Fußball-Weltmeisterschaft auf den Markt kommen.

In Deutschland wird das Handy über T-Mobile und Vodafone  vermarktet. Beide Netzbetreiber haben bereits angekündigt, die Datenübertragung über HSDPA im März zur Computermesse Cebit kommerziell zu starten.

Joos zeigte sich optimistisch in Bezug auf den Markterfolg von HSDPA. Gleichzeitig bestätigte er die Ziele für das laufende Geschäftsjahr. Es bleibe bei der Aussage, dass das Handy- Geschäft mit der übernommenen verlustreichen Siemens-Mobilfunksparte in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren solle.

Der Marktanteil habe sich in den vergangenen Monaten erholt, sagte Joos weiter. Es gelte aber die Devise "Profitabilität vor Marktanteil". Innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre halte er einen Marktanteil von bis zu zehn Prozent für Benq-Siemens für möglich. Die Marke Siemens, im Jahr 2004 noch weltweit die Nummer Vier, war 2005 aus der Liga der fünf größten Handyproduzenten abgestiegen. Dazu hatten auch die Dauerspekulationen um die Siemens- Pläne für das am Ende abgestoßene Handy-Geschäft beigetragen.

Der taiwanesische IT-Konzern Benq hatte die Siemens-Handysparte im vergangenen Jahr übernommen. Die Abspaltung vom traditionsreichen Konzern bedeutete das Ende der Handy-Produktion in deutscher Hand. Das neue Unternehmen hatte am 1. Oktober 2005 den Geschäftsbetrieb aufgenommen.

manager-magazin.de mit Material von rtr, dpa, vwd

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