SAP Niederlage gegen Oracle

Erbittert hatten SAP und Oracle um einen millionenschweren Auftrag der US Air Force gerungen. Doch alle SAP-Proteste nützten nichts - der Walldorfer Softwarekonzern unterlag im Wettstreit gegen den amerikanischen Konkurrenten. Oracle-Chef Larry Ellison kündigte unterdessen weitere Übernahmen an.

New York - Der Walldorfer Softwarekonzern SAP  ist mit seinem Versuch gescheitert, gegen die Vergabe eines Auftrages der US Air Force an Oracle  vorzugehen.

"Heute Morgen wurde die Entscheidung wegen der SAP-Proteste getroffen; der Einwand wurde abgelehnt", schrieb Glenn Wolcott, Deputy Assistant General Counsel beim zuständigen Government Accountability Office, am Montag in einer E-Mail. Weitere Details zu der Entscheidung nannte er nicht.

Bei dem Auftrag über 88,5 Millionen Dollar handelt es sich um ein mehrjähriges Projekt zur Softwareoptimierung der amerikanischen Luftwaffe. Mit diesem Auftrag hat Oracle ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Konkurrenten SAP gewonnen.

Oracle zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis, während SAP davon überzeugt ist, eine technisch hochwertigere Lösung angeboten zu haben als der Wettbewerber. "Bis jetzt haben wir noch keine vollständige Abschrift der Entscheidung erhalten", erklärte SAP-Sprecherin Bonnie Rothenstein. "Wenn wir diese bekommen haben, werden wir über weitere Schritte entscheiden."

Oracle, weltweit Nummer zwei bei Unternehmenssoftware, kämpft mit SAP in Amerika um Marktanteile. Erst Ende vergangenen Woche hatte Oracle im Rahmen der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse Details zur zukünftigen Strategie genannt. Unter anderem sollen nach der kürzlich vollzogenen Siebel-Übernahme 2000 Stellen im Mutterhaus abgebaut werden.

Drei auf einen Streich

Drei auf einen Streich

Oracle hat in den vergangenen zwei Jahren rund 19 Milliarden Dollar ausgegeben, um Konkurrenten aufzukaufen. Neben Siebel hatte sich Oracle auch das Softwarehaus Peoplesoft einverleibt. Beobachter hatten sich angesichts der zu bewältigenden Integration der Unternehmen zum Teil skeptisch gezeigt.

Die aggressive Übernahme-Strategie will Oracle auch in diesem Jahr fortsetzen. Nach Informationen des US-Wirtschaftsmagazins "BusinessWeek" finden derzeit Übernahmeverhandlungen mit drei Open Source-Unternehmen statt.

Angeblich hat Oracle sowohl mit dem Middleware-Hersteller JBoss als auch mit dem israelischen Softwareunternehmen Zend Technologies und dem Entwickler Sleepycat Software Gespräche aufgenommen. Die Verhandlungen mit Zend sollen nach Informationen des "Wall Street Journal" allerdings ins Stocken geraten sein, weil das Management nach einer Oracle-Übernahme den Verlust wichtiger Kunden fürchtet.

Ellison stellte außerdem die Übernahme von Salesforce  in Aussicht. Salesforce, Pionier beim Vermieten von Software zur Kundenverwaltung über das Internet, hatte sich bisher stets gegen eine feindliche Übernahme verwahrt.

manager-magazin.de mit Material von ddp und rtr

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