BMW "Wir haben nichts manipuliert"

Auf den Vorwurf von Google, BMW habe die Suchergebnisse geschönt, reagiert der Münchener Autokonzern befremdet. BMW habe nur sicherstellen wollen, dass Netz-Nutzer bei der Suche nach BMW-Modellen auf einer Seite des Herstellers landeten, sagte ein Sprecher. Die öffentliche Rüge des Geschäftspartners verstehe man nicht.

Hamburg - Wie hart das Internet am Image selbst eines erfolgreichen Konzers wie BMW  kratzen kann, musste der Münchener Autobauer gerade am eigenen Leib erfahren. Google entfernte die deutsche BMW-Seite aus dem Index - wegen Manipulation, wie es hieß.

Webseiten aus dem Suchindex zu streichen, ist eine der härtesten Strafen, die ein Suchmaschinenbetreiber wie Google verhängen kann. Üblicherweise bleibt sie den schlimmsten Tricksern vorbehalten, die mit Schummeleien versuchen, sich in den Ergebnislisten nach oben zu katapultieren.

Warum Google gerade BMW aus seinem Index strich, obwohl die beanstandeten Unterseiten bereits seit Donnerstag gesperrt sind, ist trotzdem fraglich.

"Hier handelt es sich um klar nachweisbaren Suchmaschinenspam, man kann BMW Vorsatz vorwerfen", sagte Google-Sprecher Stefan Keuchel gegenüber manager-magazin.de. Die Methode, die BMW benutzte sei relativ simpel: als Suchmaschinentüröffner wird eine Seite programmiert, die mit einem bestimmten Begriff gespickt ist. In diesem Fall war es unter anderem das Wort "BMW Neuwagen". Tippt der Nutzer also den Begriff "BMW Neuwagen" in die Suchmaschine, erscheint die Seite, auf der dieser Begriff am häufigsten auftaucht.

Aus verschiedenen Gründen war die BMW-Homepage aber seit einigen Monaten nicht mehr die Seite, die bei Google ganz oben erschien. "Die Neuwagen-Seite war in Java programmiert und wurde deswegen nicht von den Suchrobotern gescannt", erklärt BMW-Sprecher Markus Sagemann gegenüber manager-magazin.de das Problem. Also behalf man sich mit einem simplen Trick: eine Türöffnerseite wurde in HTML programmiert und der Nutzer direkt auf die entsprechende Seite bei BMW weitergeleitet. Die von den Suchrobotern georteten so genannten Doorway-Seiten bekam der Nutzer gar nicht zu sehen.

Am Wochenende reagierte Google auf die Doorway-Schummelei, strich diese BMW-Lockseiten aus dem Suchindex - und watschte den Autohersteller zusätzlich ab, indem es den Pagerank des Unternehmens herabsetzte. Seitdem rangieren die Motorradseiten der Firma über denen des Autoherstellers, selbst BMW-Werkstätten und Händler in Oberhinterammerhausen noch vor dem Stammwerk in München.

"Die Kirche im Dorf lassen"

"Wir haben Doorway-Seiten genutzt", gibt BMW-Sprecher Sagemann gegenüber manager-magazin.de offen zu. Aber anders, als Google nun argumentiere, habe man die Überbrückungsseite ja nicht benutzt, um Websurfer unter Vortäuschung falscher Tatsachen auf irgendwelche thematisch nicht passende Seiten zu lotsen. BMW habe nur sicherstellen wollen, dass Netz-Nutzer bei der Suche nach BMW-Modellen auch auf einer Seite des Herstellers landeten. Außerdem habe man mit dem Java-Problem zu kämpfen gehabt.

Deshalb träfe die grundsätzlich richtige Kritik an Suchmaschinen-Manipulationen nicht auf BMW zu, so Firmensprecher Sagemann: "Wir haben nichts manipuliert. Wir haben als Unternehmen aber natürlich ein Interesse, nicht unter ferner liefen aufgeführt zu werden, wenn es um unsere Produkte geht." Die Schärfe der Kritik sei darum auch nicht verständlich: "Da muss man doch einmal die Kirche im Dorf lassen", so Sagemann.

Dass das Delisting einer weltweit bekannten Marke wie BMW nicht wirklich weh tut, weiß auch Google im Grundsatz. Doch für Google geht es ums Prinzip - und um Selbstverteidigung. Denn die cleveren Suchalgorithmen funktionieren nur so lange, wie sich die Webseiten-Betreiber an die Regeln halten. Zu einer fairen, weil vor dem Hintergrund der definierten Regeln ausgewogenen Seiten-Rangfolge kommen die Such-Bots aber nur, wenn die Seiten mit vergleichbaren Methoden "gebaut" sind.

Vordergründig verfängt die Erklärung, warum ein Webseiten-Betreiber wie Google so öffentlichkeitswirksam ein letztlich wirkungsloses Exempel statuiert - zudem an einem Unternehmen, das zu Googles eigenen Werbekunden gehört.

Bei genauerer Betrachtung aber verwundert der rigide Schritt von Google. Warum wurde das Thema in der Öffentlichkeit an die große Glocke gehängt, anstatt es intern zu regeln? "Natürlich lässt sich so ein Schritt auch zurücknehmen", sagt Google-Sprecher Keuchel. Jetzt müsse man erst einmal mit BMW reden. Auch von BMW kamen versöhnliche Worte: "Wir gehen davon aus, dass Google die Webseite www.bmw.de binnen kurzer Zeit wieder listen wird", hieß es aus München.

Die Auswirkungen für BMW hielten sich zudem in Grenzen. Im Januar seien einer Erhebung zufolge lediglich rund 4400 der 1,1 Millionen Nutzer oder 0,4 Prozent über Google auf die BMW-Webseite gelangt.

Frank Patalong / manager-magazin.de

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