Dienstag, 20. August 2019

Springer-Chef Döpfner "Es ist bitter"

Auf einer Betriebsversammlung hat sich Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner heute erstmals zum Verzicht einer Übernahme von ProSiebenSat.1 geäußert: "Es ist bitter, aber ich glaube, es ist richtig", sagte Döpfner gegenüber der Belegschaft, die die Übernahme mehrheitlich begrüßt hätte.

Hamburg - Auch der Betriebsrat hatte die Pläne des Konzerns gestützt. "Es hat nicht sollen sein, es ist nicht zu ändern. Wir müssen es sportlich nehmen, das Leben geht weiter", sagte Döpfner auf der Betriebsversammlung im Kongresszentrum Hamburg.

"Es war eine sinnvolle und gut verhandelte Transaktion" Axel-Springer-Chef Döpfner
Döpfner schilderte drei mögliche Optionen, die der Vorstand nach den Ablehnungsbescheiden von KEK und Kartellbehörde geprüft habe: Ein Rechtsstreit mit der Kartellbehörde hätte womöglich Jahre gedauert - bei ungewissem Ausgang und ungewissen Kosten. Auch eine Ministererlaubnis wäre mit unwägbaren Risiken verbunden gewesen. Neben einer möglichen Anfechtbarkeit hätte bei der Ministererlaubnis auch die Gefahr bestanden, dass die politische Neutralität des Verlags womöglich in Frage gestellt würde. "Selbst der Anschein ist zu vermeiden, dass Springer-Journalisten ihre Unabhängigkeit verlieren", sagte Döpfner.

Die drohenden Zinszahlungen an Haim Saban waren bei der Entscheidung gegen die Ministererlaubnis dagegen kein Thema. Diese Zinszahlung an Saban habe der Verlag vorsorglich eines möglichen Antrags auf Ministererlaubnis für vier Monate "wegverhandelt". Nach Abwägung aller Möglichkeiten habe man sich schließlich für die dritte Option entschieden: das Ende der Verhandlungen.

Trotzdem ließ Döpfner keinen Zweifel daran aufkommen, dass er die Fusion mit ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen nach wie vor für ein gutes Geschäft gehalten hätte. Durch den gut ausgehandelten Vertrag hätte die Axel Springer AG statt 4,3 Milliarden Euro nur 2,8 Milliarden zahlen müssen. Er könne an dem Scheitern nichts Gutes finden, so Döpfner: "Es war schon eine verdammt sinnvolle und gut verhandelte Transaktion für uns."

Finanzielle Nachteile habe die Axel Springer AG nicht erlitten: "Durch die jetzige Entscheidung ist dem Haus kein wirtschaftlicher Schaden entstanden, wir sind ohne Schramme geblieben", sagte Döpfner.

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