Fußball-WM und VoIP Digitale Bildsignale

Erstmals werden Fernsehbilder, Sprache und andere Daten einer Fußball-WM via VoIP übertragen. Mit klassischer Nachrichtentechnik hat das wenig zu tun - in den Stadien kommt die günstigere Web-Technologie zum Einsatz. Das Netzwerk baut die Lucent-Tochter Avaya zusammen mit der Deutschen Telekom und Toshiba auf.

Frankfurt am Main - Zu den Hauptsponsoren der Fußball-WM in Deutschland zählen weltbekannte Marken wie Adidas , McDonald's  oder Coca-Cola . Und Avaya . Das erst 2000 auf diesen Namen getaufte Unternehmen ist die große Ausnahme im Kreis der Sponsoren: Seine Kunden sind keine Konsumenten, sondern ausschließlich andere Unternehmen.

Für sie bietet Avaya Lösungen im Bereich der IP-Telefonie an, die sich inzwischen auch bei Privatnutzern immer größerer Beliebtheit erfreut. In den WM-Stadien betreibt Avaya gemeinsam mit Partnern die gesamte Infrastruktur für Kommunikation.

In Deutschland, wo das vom amerikanischen Telekommunikationsausrüster Lucent abgespaltene Unternehmen anfangs nur etwas mehr als 100 Mitarbeiter hatte, stieg Avaya Ende 2004 durch die Übernahme von Tenovis zu einem mittelständischen IT-Unternehmen mit derzeit 4500 Beschäftigten auf. Tenovis, die einstige Telefonbau und Normalzeit GmbH (TN), zählt zu den traditionsreichsten Unternehmen der Branche.

Auf einen Schlag gehörte Deutschland nun zu den wichtigsten Märkten für Avaya. "Die WM ist daher ein absoluter Glücksfall für uns", freut sich Deutschland-Chef Hans-Jürgen Bahde.

In den zwölf Stadien, in Hotels und an Flughäfen baut Avaya zusammen mit der Deutschen Telekom  und Toshiba  für wenige Wochen ein komplettes Netzwerk für die Übertragung von Fernsehbildern, Sprache und anderen Daten auf. Dem Weltfußballverband FIFA wird eine Ausfallsicherheit von 99,99 Prozent garantiert.

Doppelt hält besser

Doppelt hält besser

Aus Sicherheitsgründen wird die gesamte Technik doppelt vorhanden sein, damit beim Ausfall eines Systems einfach umgeschaltet werden kann.

In der Frankfurter Zentrale von Avaya-Tenovis laufen in einem Labor bereits seit Monaten Tests mit der Original-Hardware für die Stadien. Mit klassischer Nachrichtentechnik hat das alles nur noch wenig zu tun - in den Stadien kommt vor allem die wesentlich günstigere Internet-Technologie zum Einsatz.

Informationstechnologie und Telekommunikation wachsen immer schneller zusammen. In Amerika wird bereits häufiger über das Internet telefoniert als über herkömmliche Telefonleitungen, Deutschland hinkt der Entwicklung noch etwas hinterher. Um im verschärften Wettbewerb zu bestehen und die Kosten zu senken, will das Unternehmen in diesem Jahr hier zu Lande 500 Stellen abbauen, etwas mehr als die Hälfte davon sollen an andere Firmen ausgelagert werden.

In den Fußball hat Avaya in den vergangenen Jahren einschließlich der letzten WM 2002 in Südkorea und Japan und des Confederations Cup 2005 in Deutschland, der Generalprobe für das diesjährige Turnier, rund 100 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) investiert.

Für die Ausrüstung der Stadien bekommt das Unternehmen von der FIFA kein Geld, sie ist lediglich eine der Gegenleistungen für die Erlaubnis, als offizieller Sponsor auftreten zu dürfen. Davon verspricht sich das Unternehmen neue Kunden und einen höheren Bekanntheitsgrad. Nach dem Endspiel dürfte zumindest niemand mehr Avaya für eine tropische Obstsorte halten.

dpa

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