Bertelsmann So schnell schießen die Belgier nicht

Der ungeliebte Börsengang könnte dem Medienkonzern doch noch erspart bleiben. Thierry de Rudder, Geschäftsführer der an Bertelsmann beteiligten belgischen Holding GLB, hat durchblicken lassen, dass er auch alternative Lösungen akzeptieren werde, sofern die finanziellen Interessen der Großaktionäre gewahrt blieben.

Hamburg - De Rudder bezeichnete den Börsengang in der "Financial Times Deutschland" zwar als "wahrscheinlich", ließ aber erkennen, dass er die Aktienplatzierung nicht als unausweichlich betrachtet, falls die Hauptaktionäre diese noch abwenden wollten.

Der belgische Mischkonzern des Investors Albert Frère hatte am Freitag Bertelsmann mit der Ankündigung überrascht, man wolle ab Mai das Recht nutzen, den Börsengang zu erzwingen.

Nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL handelte Frère aber nicht aus eigenem Antrieb. Dem Bericht zufolge wurde der GBL-Präsident von seinen Partnern zu der Entscheidung gedrängt: Bei einem GBL-Strategietreffen vor gut zwei Wochen ließ offenbar der kanadische GBL-Partner Paul Desmarais wissen, dass er den Bertelsmann-Anteil an die Börse bringen will.

Inzwischen äußert sich de Rudder etwas versöhnlicher: "Wir stehen noch am Anfang", sagte er der "Financial Times Deutschland". "Wir haben jetzt erst einmal eine Grundsatzentscheidung gefällt. Den Rest sehen wir später." GBL stellte eine Platzierung für 2007 in Aussicht. "Die Details eines Börsengangs sind noch nicht geklärt", sagte er. "Als Termin sehen wir das kommende Jahr. Es gibt vorher noch viel zu tun. Und es hängt von den Marktbedingungen ab."

Eine Alternative könnte sein, dass die Haupteigner, die Mohn-Familie und die von ihr beeinflusste Bertelsmann Stiftung, das 25,1-Prozent-Paket von GBL zurückkaufen. Im GBL-Umfeld werde der Wert auf fünf Milliarden Euro taxiert, schreibt die Zeitung. Eine andere Möglichkeit wäre es, GBL neue Garantien anzubieten. Dieses Jahr läuft eine Regelung aus, die GBL eine Mindestdividende von 120 Millionen Euro gewährt.

dpa, ap, ddp

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.