Apple-Chef Steve Jobs Der neue Dagobert

Mit der Übernahme des Trickfilmstudios Pixar durch Disney zementiert Pixar-Mehrheitseigner und Apple-Chef Steve Jobs seine Macht im digitalen Unterhaltungsgeschäft. Denn nun hat Jobs nicht nur Zugang zu den Disney-Inhalten, sondern als größter Einzelaktionär ist er darüber hinaus Königsmacher im Micky-Maus-Konzern.

Hamburg - Der Medienkonzern Walt Disney  hat die Übernahme des Trickfilmstudios Pixar  für 7,4 Milliarden Dollar (sechs Milliarden Euro) angekündigt.

Wie Disney nach US-Börsenschluss mitteilte, soll die Übernahme des langjährigen Partners vollständig mit Aktien bezahlt werden. Eine entsprechende Vereinbarung wurde mit Pixar geschlossen. Die Übernahme soll bis zum Sommer vollzogen sein.

Als Teil der Übernahmevereinbarung ist vorgesehen, dass der Pixar-Mehrheitseigner und Gründer des Computerherstellers Apple , Steve Jobs, in den Disney-Verwaltungsrat aufrückt. Jobs hält derzeit 50,6 Prozent der Pixar-Aktien, er wird nach der Übernahme mit etwa 6 Prozent der Disney-Anteile größter Einzelaktionär sein. Der Apple-Chef hatte Pixar in den 80er Jahren für rund zehn Millionen Dollar von dem Regisseur George Lucas gekauft.

Neben dem Wertzuwachs in Disney-Aktien, die zum jetzigen Stand eine Gewinnsteigerung von unglaublichen 35.000 Prozent auf den Pixar-Einstandspreis darstellen, stärkt Jobs seine Position in der Unterhaltungsbranche durch das Geschäft immens. Der jüngste Erfolg von Apple gründet vor allem auf dem iPod und dem Downloaddienst iTunes. Jobs war es geglückt, den Medienkonzernen vor dem Hintergrund einbrechender Gewinne durch Napster und Co. für iTunes günstige Konditionen abzuringen.

Nun hat Jobs selbst Macht an der Schnittstelle zwischen begehrten Inhalten einerseits und der digitalen Technik auf der anderen Seite. Über Nacht wandelt sich Jobs vom Computerpionier zum Medienmogul.

Folgerichtig vermuten Analysten, dass Disney-Produkte in Zukunft verstärkt über Apples Downloaddienste und Digitalspieler vertrieben werden. Außerdem wird erwartet, dass mit dem Disney-Deal die gesamte Apple-Strategie immer mehr in Richtung Unterhaltungsgeschäft ausgerichtet wird - ein Bereich, in dem auch Microsoft  und IBM  verstärkt Fuß fassen wollen.

Analystin Laura Martin von Soleil-Media Metric bezeichnete die neue Position, die Jobs nun einnimmt, als "gewaltig". "Der Wert, der dadurch geschaffen wird, dass Steve Jobs im Direktorium von Disney sitzt, ist viel höher als die Prämie, die Disney für Pixar zahlt", so Martin.

Steve Jobs, der Königsmacher

Steve Jobs, der Königsmacher

Als Großaktionär kann Jobs darüber hinaus Einfluss darauf nehmen, wer in Zukunft bei Disney das Sagen haben wird. "Ich denke, Jobs wird bei Disney eher die Rolle eines Königsmachers als die Rolle eines Königs einnehmen", vermutet Analyst Rob Enderle von der Finanzholding Enderle Group. "Aber er wird alle spüren lassen, dass er die Macht über den Thron besitzt", so Enderle weiter.

An der Führungsstruktur von Pixar wird sich dagegen auch nach dem Verkauf an Disney nichts ändern. Vereinbart wurde, dass Pixar-Präsident Ed Catmull diese Funktion auch bei den Disney-Trickfilmstudios einnehmen soll. Der vertraglich bis 2011 an Pixar gebundene John Lasseter soll auch kreativer Direktor der Gruppe Walt Disney Imagineering werden, die für Attraktionen in Freizeitparks verantwortlich zeichnet. Pikant: Lasseter war schon vor Jahren von Disney zu Pixar gewechselt, weil er die Strategie vom damaligen Disney-Chef Michael Eisner, auf Computeranimation zu verzichten, nicht mittragen wollte.

Disney-Finanzvorstand Tom Staggs sagte bei einer Analystenkonferenz, Disney ziele bis mindestens 2008 auf eine Fortsetzung des zweistelligen prozentualen Wachstums. Dann werde wahrscheinlich auch das Pixar-Geschäft zu steigenden Gewinnen beitragen. Insgesamt belaufe sich das Volumen des Geschäfts netto auf rund 6,3 Milliarden Dollar, da Pixar in seiner Bilanz Barmittel von mehr als einer Milliarde Dollar ausweise.

Pixar heimste bislang 15 Oscars ein und verbuchte Einnahmen von fast drei Milliarden Dollar an den Kinokassen. Disney hat Pixar-Filme wie "Toy Story", "Findet Nemo" und "Die Unglaublichen" vertrieben und mitfinanziert, doch drohte das Abkommen mit dem bevorstehenden Zeichentrickfilm "Cars" zu enden. Steve Jobs hatte vor zwei Jahren angekündigt, sich nach dem Vertragsende mit Disney einen neuen Vertriebspartner suchen zu wollen. Damals herrschte ein gespanntes Verhältnis zwischen ihm und dem früheren Disney-Chef Eisner.

Pixar gilt neben Dream Works Animation als das erfolgreichste Zeichentrickfilmstudio der Welt. Disney dagegen büßte in den vergangenen Jahren seine Rolle als Vorreiter in der Trickfilmproduktion ein.

manager-magazin.de mit Informationen von ap, rtr und dpa

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