Axel Springer Kein Turbo-Verkauf von ProSieben

Die Axel Springer AG wird sich nun doch nicht auf die Schnelle vom Fernsehsender ProSieben trennen. Damit ist eine Untersagung des Bundeskartellamts für die geplante Übernahme von ProSiebenSat.1 sicher. Trotzdem vertagten die Wettbewerbshüter ihre Entscheidung auf nächste Woche.

Frankfurt am Main - Mit dem Verkaufsangebot wollte Springer das drohende Veto des Bundeskartellamtes gegen die geplante Übernahme der Sendergruppe ProSiebenSat.1 abwenden. Die Kartellwächter bestanden aber darauf, dass ProSieben vor Vollzug der Übernahme verkauft werden müsse. Dies lehnte Springer nun endgültig ab.

Der Verlag hat nach eigenen Angaben den Vorschlag des Kartellamts einer "vertieften Prüfung" unterzogen. Diese habe ergeben, dass die Forderung der Behörde rechtlich nicht in Betracht komme. Sie liefe darauf hinaus, dass der Verlag einen Sender verkaufen müsste, bevor dieser ihr überhaupt gehöre.

Trotz dieser Bedenken hat Springer nach eigenen Angaben dem Kartellamt während der vergangenen Tage "zahlreiche Transaktionsvarianten" angeboten, die dazu geführt hätten, "dass der Sender ProSieben vor Vollzug der Gesamttransaktion aus der ProSiebenSat.1 Media AG ausgeschieden wäre". Gleichwohl habe das Kartellamt selbst diese Transaktionsvarianten zurückgewiesen.

Der Verlag bedauere, dass das Kartellamt mit dieser Haltung "den von ihm selbst aufgezeigten Weg zur Freigabe des Vorhabens aus formalen verfahrenstechnischen Gründen" habe scheitern lassen und habe daraufhin das Angebot zur Veräußerung von ProSieben zurückgezogen.

"Die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel prüfen"

Springer erwartet nach eigenen Angaben nun ein Verbot der Medienübernahme durch das Bundeskartellamt. Das Bundeskartellamt erklärte, Springer habe mit der Rücknahme des Verkaufsangebots für ProSieben zugleich einen Antrag auf Fristverlängerung bei der Wettbewerbsbehörde gestellt. Deshalb werde man nicht wie geplant am 20. Januar, sondern erst am 27. Januar über den Zusammenschluss entscheiden.

Der Verlag kündigte aber bereits an, "die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel und Optionen zu prüfen". Grundsätzlich könnte Springer gegen die Entscheidung der Kartellwächter vor Gericht ziehen.

Springer will ProSiebenSat.1 für rund 2,5 Milliarden Euro von dem US-Finanzinvestor Haim Saban und seinen Mitgesellschaftern übernehmen. Allerdings ist um die Übernahme ein zähes Ringen mit dem Bundeskartellamt und auch mit der Medienaufsicht KEK entstanden. Vergangene Woche hatte die KEK den Plan bereits abgelehnt, weil sie die dadurch entstehende Meinungsmacht fürchtete.

Nach dieser Entscheidung hatten Gerüchte die Runde gemacht, der Verlag wolle auf den Kauf der Senderkette verzichten. Springer hatte dies jedoch stets zurückgewiesen.

Auch jetzt will der Verlag ProSiebenSat.1 offenbar nicht aufgeben, sondern stattdessen vor Gericht ziehen. Trotzdem gibt es bereits zahlreiche andere Interessenten, an die Saban den TV-Konzern verkaufen könnte. Bisher wurden die Namen TF1, Disney, Heinrich Bauer Verlag, SBS Broadcasting, Permira, Viacom, Rupert Murdoch, Premiere und NBC Universal in der Presse genannt. Auch der Kosmetikerbe René Lauder hat Medienberichten zufolge Interesse angemeldet.

reuters, vwd, dpa, ap