Mediacenter Multimedia mit Macken

Der PC soll endlich Einzug halten in die heimischen Wohnzimmer. Gegenwärtig haben digitale Mediacenter allerdings noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen: Sie sind absturzgefährdet und können zum Teil weder Radio noch TV wiedergeben. Puristische Nutzer sind mit einem DVD-Festplattenrekorder besser bedient.

Hamburg - Schluss mit dem Kabelsalat im Wohnzimmer: Fernseher, Videorekorder, DVD-Player, Stereoanlage, Leinwand und unzählige Fernbedienungen soll künftig ein einziger Zentralrechner mit Bildschirm ersetzen.

Das ist zumindest die Idee der Anbieter so genannter Mediacenter, von denen bereits mehrere Software- und Hardware-Versionen auf dem Markt sind. Es lassen sich alle digitale Medien mit einem Gerät steuern, erklärt Irene Nadler, Pressesprecherin bei Microsoft .

Ob die Mediacenter tatsächlich sinnvoll sind, hängt von den Bedürfnissen des Anwenders ab. So können die oft günstigeren DVD-Festplattenrkorder viele Funktionen eines Mediacenter-Rechners übernehmen: Sie zeichnen Sendungen auf, spielen Musik von CDs und DVDs ab und eignen sich als Speicherort für digitale Fotos.

Die Geräte ermöglichen außerdem zeitversetztes Fernsehen - eine Sendung lässt sich etwa anhalten und zu einem späteren Zeitpunkt weitersehen. Die meisten Modelle sind zudem mit einem elektronischen Programmführer (EPG) ausgestattet, so dass man Aufnahmezeiten für einen Film nicht mehr selbst eingeben muss.

Wohnwelt in Orange und Blau: Menschen im Dialog mit der Technik

Wohnwelt in Orange und Blau: Menschen im Dialog mit der Technik

Foto: Microsoft
Fremdkörper: Ohne Monitor wäre die Kommode schöner

Fremdkörper: Ohne Monitor wäre die Kommode schöner

Foto: Microsoft
Familienglück: Zappen vor dem TV-Standbild

Familienglück: Zappen vor dem TV-Standbild

Foto: Microsoft
Familienrat: Wer darf wählen?

Familienrat: Wer darf wählen?

Foto: Microsoft
Doppelfunktion: Im unteren linken Bildschirmausschnitt läuft Medium zwei

Doppelfunktion: Im unteren linken Bildschirmausschnitt läuft Medium zwei

Foto: Microsoft
Eine Hand frei: Möge die Macht mit dir sein

Eine Hand frei: Möge die Macht mit dir sein

Foto: Microsoft
Wie man sich bettet, so liegt man: Technik im Schlafzimmer

Wie man sich bettet, so liegt man: Technik im Schlafzimmer

Foto: Microsoft
Ohne Kabel geht es nicht: Mediacenter von Medion

Ohne Kabel geht es nicht: Mediacenter von Medion

Foto: Microsoft
Kleine Geräte, große Wirkung: Fernbedienung und Multimediaplayer von Iriver

Kleine Geräte, große Wirkung: Fernbedienung und Multimediaplayer von Iriver

Foto: Microsoft


Microsoft Multimedia Center Edition
Bitte klicken Sie auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

"Wer vor allem gute Bildqualität und einfache Handhabung will, ist mit Unterhaltungselektronik wie einem DVD-Festplattenrekorder immer noch am besten bedient", schreibt Stiftung Warentest in einem Vergleich von DVD-Rekordern mit Mediacenter-PCs. Die Computer dagegen seien absturzgefährdet und müssten etwa mit Treiber-Updates und Virenschutz gewartet werden. Laut Nadler sind die gleichen Sicherheitsvorkehrungen nötig wie am normalen Computer.

"Man holt sich nicht nur Vorteile ins Haus", behauptet auch Volker Zota von der Computerzeitschrift "c't". Zum Beispiel verbrauche ein PC im Vergleich zur Unterhaltungselektronik viel mehr Strom. Außerdem benötige er mehr Zeit zum Hochfahren.

Apple ohne Radio und Fernsehen

Der Vorteil der Computer-Lösung ist vor allem die Vielfalt. So könne man etwa zwischendurch E-Mails abrufen, erläutert Zota. Außerdem seien die Geräte flexibler: Man könne grundsätzlich alle Formate abspielen.

Die Geräte der Unterhaltungselektronik können dagegen meist nur weit verbreitete Formate wie JPEG oder MP3 lesen. Auf dem Markt gibt es inzwischen laut Volker Zota rund ein Dutzend Mediacenter-Programme, die mit Windows als Betriebssystem arbeiten.

Microsoft-Konkurrent Apple  bietet das System Front Row an. Allerdings lässt sich damit nicht fernsehen und Radio hören - auch nicht durch eine Kombination mit etwaigen Zusatzgeräten, wie Frank Limbacher von der Pressestelle von Apple Deutschland sagt.

Von den auf Windows basierenden Lösungen ist die Windows XP Media Center Edition (MCE) die Bekannteste. Die größten aktuellen Konkurrenten sind Zota zufolge PowerCinema 4 von Cyberlink, TVcentral V2 von Sceneo und das frei verfügbare und kostenlose Media Portal. Diese Systeme hat "c't" im November getestet.

In den Grundfunktionen ähneln sich die Mediacenter-Programme. Unterschiede gibt es vor allem in der Benutzerfreundlichkeit. "Die MCE ist recht einfach mit wenigen Tasten zu steuern", sagt Zota. Über diese Tasten komme man an alle wichtigen Funktionen ran. Bei den anderen Versionen ruckelten Schaltflächen, Schriften seien zu klein oder der rote Aufnahmeknopf verliere während einer Aufzeichnung die Farbe, wenn man in ein anderes Menü springe, berichtet Zota.

Auch unterstützten die Programme nicht alle Arten des Fernsehempfangs. PowerCinema etwa ist laut "c't" nicht für digitalen Satellitenempfang ausgestattet, bei der MCE brauche man spezielle Karten. Außerdem unterscheiden sich die Systeme in der Startgeschwindigkeit: Dem "c't"-Vergleich zufolge ist PowerCinema nach vier Sekunden startbereit, die freie Software Media Portal dagegen erst nach 33 Sekunden.

Die Preise für die Software allein liegen laut "c't" zwischen etwa 50 Euro bis zu rund 120 Euro, die Lösung von Media Portal ist kostenlos. Nach Angaben von Microsoft Deutschland gibt es die MCE-Software allein - also ohne PC - als so genannte System-Builder-Version nur in Fachgeschäften. Sprecherin Nadler zufolge benötigen Nutzer für die nachträgliche Installation der MCE-Software technische Kenntnisse.

Nicola Wanner, DPA