IP-Telefonie Mit dem Messenger gratis telefonieren

VoIP hat den Web-Kommunikationsmarkt durcheinander gewirbelt: Messenger-Dienste entwickeln sich zu kompletten Kommunikationswerkzeugen. Neben der Telefonie von Rechner zu Rechner gehören Telefon- und Videokonferenzen nun zur Standardausstattung. Außerdem steigen die Anbieter peu a peu ins Festnetzgeschäft ein.

Berlin - Zwar ist das Software-Unternehmen Skype inzwischen an Ebay  verkauft, trotzdem setzt es immer noch Trends bei der IP-Telefonie.

Die Software bietet jetzt auch eine Schnittstelle für Webcams, damit Skype-Nutzer sich gegenseitig sehen können. Außerdem können sie - gegen Gebühr - ins Festnetz telefonieren und erhalten auf Wunsch sogar eine eigene Rufnummer, so dass sie nicht mehr allein von einem anderen Computer aus, sondern auch von einem Festnetzanschluss erreichbar sind.

Die Strategien der anderen Akteure im Web-Kommunikationsmarkt weisen in die gleiche Richtung: Die Messenger von AOL , MSN und Yahoo  - sicher auch bald der bisher rudimentär ausgestattete Talk-Client von Google  - entwickeln sich zu umfassenden Kommunikationswerkzeugen. Neben der Telefonie von Rechner zu Rechner gehören auch Telefon- und Videokonferenzen zur Standardausstattung. Außerdem steigen die Anbieter nach und nach ins Festnetz-Telefonie-Geschäft ein.

Neben Skype können nun auch Yahoo-Nutzer mit der Version 7.5 des Messengers ins Festnetz telefonieren. Für weniger als zwei Cent kann in 30 Ländern weltweit angerufen weden. Für Yahoo sei die neue Funktion die logische Konsequenz aus der mittlerweile sechsjährigen Erfahrung mit dem Messenger, sagt Unternehmenssprecherin Patricia Rohde. Zwar gehe es nicht darum, nationalen Festnetz-Anbietern Konkurrenz zu machen. Für internationale Telefonate solle der Messenger allerdings eine Alternative für die persönliche Kommunikation bieten.

VoIP für Reiselustige

AOL hat die Funktion auch in seinen weit verbreiteten Chat-Client AIM eingebaut. Doch in Deutschland können Anwender noch nicht ins Festnetz telefonieren.

Nach Angaben von Unternehmenssprecher Tobias Riepe konzentriert sich AOL im Moment auf die Vermarkt von Internet-Telefonie im Rahmen seiner DSL-Zugänge. Wie bei anderen Anbietern auch, können AOL-Nutzer mithilfe eines Routers auch mit einem gewöhnlichen Telefon über das Internet telefonieren. Riepe schließt aber nicht aus, dass auch der AIM Triton, also der Messenger mit der Festnetzfunktion, in Deutschland auf den Markt kommt.

Zwar ist es zu Hause komfortabler, mit dem herkömmlichen Telefon über das Internet zu telefonieren. Für Nutzer, die viel unterwegs sind, bietet ein Messenger oder ein so genanntes Softphone, wie es neben AOL auch Freenet  und GMX anbieten, erhebliche Vorteile. Überall dort, wo sie mit dem Rechner online gehen, können sie auch telefonieren, und zwar zu den gleichen Konditionen wie zu Hause.

Ein Skype- oder Yahoo-Nutzer zahlt für Gespräche mit anderen Anwendern beim gleichen Anbietern nichts. Für Telefonate ins Festnetz berechnen die Netzwerke die Minutenpreise, die auch zu Hause gelten. Praktisch ist es, wenn der Nutzer zu Hause bereits Internet-Telefonie-Kunde eines Providers ist, der auch ein Softphone anbietet. Der Anruf zu Hause kostet dann - Breitband-Internet vorausgesetzt - nichts, denn man bewegt sich im gleichen Netzwerk.

Einen entscheidenden Nachteil haben die Instant-Messaging- und VoIP-Systeme jedoch nach wie vor nicht überwunden. Ein Skype-Nutzer kann nach wie vor nicht mit einem Yahoo-Anwender telefonieren oder chatten - es sei denn er ruft ihn über seine Festnetznummer an. Das jedoch kostet wieder Geld. Hat man Freunde, die unterschiedliche Netzwerke nutzen, bleibt als einzige Möglichkeit die Installation mehrerer Clients.

Björn Sievers, DDP

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