Hewlett-Packard Ein Amerikaner in Jena

Der Markt für Bildverarbeitung via Internet wächst rasant. Zahlreiche Anbieter von Otto.de bis Pixelnet.de kämpfen um die Kunden hier zu Lande. Auch Hewlett-Packard hat dieses Geschäftsfeld entdeckt und will mit dem Jenaer Unternehmen Pixaco von Intershop-Mitbegründer Karsten Schneider den europäischen Markt aufrollen.

Jena - Am Strand, im Wasser, in den Bergen oder im Café - der Urlaub ist festgehalten, die Speicherkarte der Digitalkamera ist voll. Jetzt müssen die Aufnahmen nur noch entwickelt werden, doch wo? Neben zahlreichen Annahmestellen in Drogeriemärkten, Fachgeschäften oder Kaufhäusern tummeln sich im Internet eine ganze Reihe von Bilderdiensten wie Otto.de, Pixum.de, Pixelnet.de und Schlecker.de.

Sie alle wollen vom Boom der digitalen Fotografie profitieren. Keine Frage, der Markt für die Online-Verarbeitung und Verwaltung digitaler Fotos wächst rasant. Mittlerweile investieren auch Unternehmen in diesen Bereich, die lange Zeit höchstens am Rande etwas mit dem Fotogeschäft zu tun hatten. So zum Beispiel Hewlett-Packard (HP)  , das im März dieses Jahres den US-Anbieter Snapfish übernahm.

Mittlerweile gehört HP zu den führenden Anbietern in den USA und Großbritannien in Sachen Online-Verarbeitung von Bildern. Nun greift der US-Riese auch auf dem europäischen Kontinent zu. Das Objekt der Begierde: das Internetunternehmen Pixaco, das hier zu Lande auch die Site Bilderservice.de betreibt. Der Onlinedienst mit Sitz in Jena ist neben Deutschland auch in Schweden, der Schweiz, in Belgien, Frankreich, Italien, Irland, Luxemburg, den Niederlanden und Österreich tätig. Die Kundenzahl beziffert das Unternehmen mit 250.000 aktiven Bestellern.

Tür an Tür mit Intershop

HP habe eine verbindliche Übernahmeerklärung unterschrieben, meldete Pixaco am Dienstag. Wie hoch der Kaufpreis ist, darüber schweigt das Unternehmen aus Jena, das im gleichen Gebäude wie die Softwarefirma Intershop sitzt.

Die räumliche Nähe zum einstigen Börsenstar Intershop kommt nicht von ungefähr. Der Gründer von Pixaco ist niemand Geringeres als einer der drei Mitbegründer von Intershop: Karsten Schneider. Zusammen mit Stefan Schambach und Wilfried Beeck hatte er 1997 Intershop aus der Taufe gehoben. Schneider, der 2002 das Softwareunternehmen verließ, war bei Intershop für das Servicegeschäft zuständig und arbeitete dabei eng mit HP zusammen - Kontakte, die sich nun lukrativ auszahlen.

"Pixaco ist profitabel", betonte Schneider gegenüber manager-magazin.de. Dies sei auch ein Grund dafür, dass HP sich für die Jenaer entschieden hätte. Seit der Gründung 2003 ist die Firma auf 30 Mitarbeiter angewachsen. Der Umsatz beläuft sich in diesem Jahr auf sechs Millionen Euro. 30 Millionen Ausdrucke seien dafür angefertigt worden, heißt es.

HPs globales Streben

Globaler Bilderdienst

Für HP ist die Transaktion ein weiterer Schritt, auch in Europa zu einem Anbieter von Kameras mit anschließender Bilderverarbeitung zu werden. Der Anteil der Nutzer, die ihre Kamera-Speicherchips oder Foto-CDs an professionelle Labore geben, statt die Bilder zu Hause auszudrucken, steigt kontinuierlich. "Der Markt für Online-Fotoservices wird weiter wachen, so wie der Markt für Digitalkameras", kommentiert Ben Nelson, Vice President bei HPs Snapfish, im Gespräch mit manager-magazin.de. HP habe bei der Übernahme von Snapfish deutlich gemacht, dass es sich dabei um ein strategische Investition handele. HP wolle weltweit diesen Bereich ausbauen.

Auch Michael Diehl, Vice-President für digitale Fotografie in Europa bei HP, unterstreicht, "wir wollten einen Anbieter haben, mit dem wir unser Angebot in ganz Europa ausbauen können". Ob der Name Pixaco langfristig bestehen bleiben wird, ist noch offen. HP habe noch nicht entschieden, ob es weltweit unter einem Namen oder unter verschiedenen Markennamen bei den Online-Fotoservices auftrete, sagte Diehl.

Karsten Schneider freut sich indes über das Geschäft. "HP war mein Traumpartner." So blickt der Manager der Zukunft optimistisch entgegen. Mit HP im Rücken böte sich eine Bandbreite an Möglichkeiten, Pixaco europaweit voranzutreiben. Der Hauptsitz bleibe aber in Jena, heißt es. Von dort aus will Schneider die Geschicke der Firma auch künftig leiten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.