Ebay Aufklärer in Sachen Sicherheit

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Ebay seiner Verantwortung entzieht und sich darauf beruft, lediglich eine Plattform zu sein. Das Thema Sicherheit im Online-Handel spielt eine immer größere Rolle und Aufklärung ist notwendig. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von TNS Infratest und Ebay.
Von Isabel Volland

Hamburg/Dreilinden - Über 55 Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen bereits heute das Internet vor allem um miteinander Handel zu treiben - Tendenz steigend. Mit jährlichen Zuwachsraten von 5 bis 6 Prozent ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die gesamte Bevölkerung online ist und Waren über das Internet vertreibt.

Dementsprechend treiben auch immer mehr Nutzer Schindluder mit dem Medium und das Thema Sicherheit im Online-Handel spielt eine immer größere Rolle. Vor diesem Hintergrund hat der Online-Marktplatz Ebay  zusammen mit TNS Infratest eine Studie zum Thema "Sicherheit im Online-Handel" durchgeführt. 1158 Internetnutzer ab 18 Jahren wurden in einer computergestützten Telefonumfrage interviewt. Darunter waren 800 Personen, die bereits im Internet handeln oder in den vergangenen zwölf Monaten über das Internet eingekauft haben.

Von den Online-Käufern gaben 92 Prozent an, die jeweiligen Sicherheitsvorkehrungen seien ein wichtiges oder sehr wichtiges Kriterium für die Auswahl eines Anbieters. Gleichzeitig finden 83 von 100 Befragten, dass für die Sicherheit beim Einkaufen im Internet die Händler "verantwortlich" oder "sehr verantwortlich" sind.

Das Kernergebnis der am Dienstag in Hamburg veröffentlichen Studie ist, dass Aufklärung auf breiter Ebene weiterhin dringend notwendig ist. Das Wissensdefizit bei den Wenig-Nutzern, die selten Handel im Internet treiben, muss erheblich ausgeglichen werden. Wenig-Nutzer seien deshalb anfälliger für Betrügereien, weil sie mit Sicherheitsmaßnahmen nicht vertraut sind. Aber auch von denjenigen, die täglich Handel im Internet treiben, wissen nur 50 Prozent über die Schutzmaßnahmen bescheid.

Rund zwei Drittel der Befragten gaben allerdings an, sich mit dem Thema noch nicht richtig befasst zu haben. Dabei ist die Sicherheit bei Transaktionen im Internet für mehr als 90 Prozent der Nutzer wichtig oder sehr wichtig. Dennoch sind 35,7 Prozent der Befragten keine Sicherheitsvorkehrungen bekannt. Bei gelegentlichen Internet- Käufern liegt der Anteil sogar bei 45,6 Prozent.

Ebay will deshalb verstärkt auf Aufklärung setzten. "Wichtig dabei ist auch, dass eine Zusammenarbeit mit der Industrie erfolgt", erläutert der Leiter der Abteilung Internet-Sicherheit bei Ebay Deutschland, Oliver Weyergraf auf der Pressekonferenz. Einfache Botschaften müssten dem Nutzer auch offline näher gebracht werden. "Wir müssen eine Begrifflichkeit finden, die die Sachverhalte verständlicher macht. Gerade ältere Nutzer werden von den Anglizismen abgeschreckt", sagt Weyergraf.

Verschiedene Prüfungsverfahren

Verschiedene Prüfungsverfahren

Darüber hinaus werde bei Ebay über ein Erweitern der Vorkehrungen nachgedacht. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Verifizierung der vom Nutzer angegebenen Adresse. "Wir erwägen verschiedene Prüfungsverfahren für verschiedene Zielgruppen." Wer auf der Auktionsplattform großen Umsatz machen will, müsse sich künftig daher vielleicht einem Post-Ident-Verfahren unterziehen, bei dem er seine Identität zweifelsfrei unter Beweis stellt.

Denkbar sei auch, Nutzer nach deren Anmeldung anzurufen und dabei einen vierstelligen Code zu übermitteln. Eine weitere Möglichkeit sei auch die Bankverbindung zu checken und bei dem jeweiligen Kreditinstitut nachzuhaken, ob das Verkäuferkonto überhaupt existiert.

Der überwiegende Teil der Transaktionen verläuft jedoch zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Echte Betrugsfälle tauchen nur selten auf. Trotzdem hat die Handelsplattform Probleme, sich vor schwarzen Schafen zu schützen. Der Schutz fängt zunächst bei dem einzelnen Marktplatz-Teilnehmer selbst an. Genau wie in der realen Welt spielt der gesunde Menschenverstand eine große Rolle. Weyergraf vergleicht den Rechner in diesem Zusammenhang mit einem Fenster zum Hof, dass man eben auch abschließen müsse, um sich vor Einbrechern zu schützen.

Auf der anderen Seite verschließt sich der Online-Marktplatz auch nicht davor, selbst Aufklärungsarbeit zu leisten. Ebay verweist auf bereits entwickelte Schutzmaßnahmen, die den Online-Handel sicherer machen und auf die verstärkt hingewiesen werden muss. Weyergraf betonte, Ebay-Sicherheitsmechanismen wie der Käuferschutz PayPal und der neue Treuhand-Service seien noch nicht bekannt genug.

Bislang hat sich Ebay immer als Plattform gesehen, die keine rechtliche Handhabe habe, gegen die dunklen Machenschaften mancher Nutzer vorzugehen. Inzwischen hat der Online-Marktplatz eingesehen, dass auch er am Zuge ist, etwas gegen die Betrügereien zu unternehmen.

Auch wenn zwischen Ebay und den Nutzern keinerlei rechtliche Beziehung besteht, nimmt der Online-Marktplatz eine vermittelnde Position ein und arbeitet bei ungewöhnlichen Machenschaften schnell mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um so den rechtmäßig Handelnden zu schützen. "Sicherheit braucht Aufmerksamkeit und eine breite Öffentlichkeit", begründet Weyergraf die Veränderung in Sachen Sicherheit und Aufklärung.

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