Podcast Hinterhofradio für alle

Nach Weblogs kommen Podcasts - kleine Programme, die die Internetnutzer dazu einladen, Beiträge zu hören. Zu den Anbietern gehören neben etablierten Medienhäusern wie Deutschlandradio und Tagesschau auch Privatpersonen.

Berlin - Noch bevor sich Weblogs im deutschsprachigen Internet richtig durchgesetzt haben, lugt bereits der nächste Trend hervor. Auf die geschriebenen Online-Journale folgen Audiomagazine, so genannte Podcasts. Dabei handelt es sich um Radiosendungen, die als MP3-Dateien über das Internet vertrieben werden.

Nach einem Anfang in der Nische, steigen inzwischen auch bekannte Unternehmen und Medien ins Podcasting-Geschäft ein. Der Computerhersteller Apple  hat seinen Musikspieler iTunes für das Hören von Podcasts ausgestattet. Zu den Sendern gehören neben Hinterhof- oder Dachkammer-Studios wie Kuechenradio.org vom Prenzlauer Berg in Berlin auch das Deutschlandradio und die Tagesschau. Der Suchdienst Yahoo  bietet Radiofans mit einer eigenen Site unter http://podcasts.yahoo.com  Zugang zu vielen Audio-Magazinen.

Im Prinzip ist Podcasting nichts anderes als Radio on Demand. Der Betreiber stellt seine neueste Sendung in Form einer Audiodatei auf einen Server. Der Nutzer ruft sich den Beitrag ab und hört ihn, wenn er Zeit dazu hat. Nutzen lassen sich Podcasts mit dem PC. Für den Besuch der jeweiligen Podcast-Site reicht ein Browser. Den Beitrag spielt jeder übliche Audioplayer ab. Beide Programme sollten auf jedem Computer zu finden sein.

Stöbern im Audioangebot

Vergnüglicher wird das Hören von Podcasts mit spezieller Software. Mit Programmen wie jPodder, iPodder und seit einiger Zeit auch Apples iTunes lassen sich Podcasts abonnieren. Die Audiomagazine nutzen dazu eine Technik, die bereits Weblogs und Nachrichtenseiten einsetzen. Die Betreiber stellen ihre Inhalte nicht nur zum Download auf eine herkömmliche Website, sondern bieten sie auch als RSS-Feed an.

Die Podcast-Programme sind in der Lage, diese in der Seitenbeschreibungssprache XML geschriebenen Dokumente auszuwerten und die Inhalte übersichtlich in einer Liste darzustellen, die sehr an den Posteingang in einem E-Mail-Client erinnert. Der Nutzer kann sich dann entscheiden, welchen Podcast er tatsächlich auf seinen Rechner herunterladen möchte, um ihn anschließend in einem Audioplayer seiner Wahl anzuhören oder auf seinen mobilen MP3-Spieler zu übertragen.

Billiger gab es Radio noch nie

Billiger gab es Radio noch nie

Hat man die Software erst einmal eingerichtet, geht das Stöbern los. Das ist vor allem deshalb spannend, weil es bisher nur wenige bekannte Anbieter gibt. Zu denen gehört das Deutschlandradio, das einen kleinen Teil seines Programms auch als Podcasts verbreitet, unter anderem das politische Feuilleton, die Kultur am Sonntagmorgen und den Büchermarkt.

Hat man die Sendungen verpasst, kann man sie einfach nachträglich auf den Rechner laden und anhören. Podcasting könnte somit das Radio der Zukunft werden, das aufgrund der Verwertungsrechte gerade im Zusammenhang mit Musik jedoch nicht überall leicht umzusetzen sein dürfte.

Mindestens ebenso spannend ist der Podcasting-Untergrund mit inzwischen dutzenden Hinterhof-"Radiosendern". Denn Podcasting lässt die Produktionskosten gegen Null tendieren. Neben einem PC brauchen die Macher nur noch ein Mikrofon - das oft in Notebooks eingebaute Mikro dürfte nur für den ersten Gehversuch reichen - und eine Audio-Schnittsoftware wie das freie Programm Audacity. Für die Verbreitung braucht man dann Platz auf einem Webserver. Billiger gab es Radio wohl noch nie.

Wie es aussieht, werden Podcasts nicht der letzte Trend in der Welt der durch Nutzer erstellten Internetinhalte sein. Schließlich kann man auch Video-Filme inzwischen fast zum Nulltarif produzieren. Auch Video-Blogs oder Vlogs sind deshalb schon keine Seltenheit mehr.

Björn Sievers, ddp

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