Milliardenübernahme Ericsson kauft in England ein

Der schwedische Telekommunikationsausrüster Ericsson erwirbt die Kernbereiche seines britischen Wettbewerbers Marconi. 1,8 Milliarden Euro lässt sich Ericsson die Übernahme kosten.

Stockholm - Wie Ericsson  in Stockholm mitteilte, beträgt der Kaufpreis für Marconi 1,2 Milliarden Pfund (1,8 Milliarden Euro). Vorausgegangen waren wochenlange Medienberichte über ein Tauziehen mit Alcatel  in Frankreich.

Ericssons Konzernchef Carl-Henric Svanberg nannte die Übernahme von Marconi vor allem mit Blick auf das kräftige globale Wachstum bei Mobilfunk- und Breitbandnetzen "aus einer strategischen Perspektive logisch und finanziell attraktiv".

Von der Übernahme ausgeschlossen sind die Pensionsverpflichtungen von Marconi, die Hauptverwaltung sowie ein Teil der Aktivitäten in Deutschland und Großbritannien. Übernommen werden unter anderem 135 deutsche Mitarbeiter, die die Technik des Mauterfassungssystems Toll Collect überwachen.

Marconi gilt vor allem als stark bei Netzen mit optischer Datenübertragung. Das Wachstum dieser Netze sei bisher unterschätzt worden, erklärte Svanberg. Ericsson könne seine Position durch die Übernahme hier stärken, während Marconi allein zu klein für den Markt gewesen sei. Bei Marconi arbeiten 6500 Menschen.

Ericsson, der gesundete Patient

Der von Ericsson übernommene Teil des nach dem italienischen Ingenieur und Telefon-Pionier Marchese Marconi (1874-1937) benannten Traditionsunternehmens soll künftig Telent plc heißen. Ericsson hatte nach einer schweren Krise, der Auslagerung des Handy-Geschäftes an das Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson und der annähernden Halbierung der Beschäftigtenzahl auf derzeit 60.000 in den letzten Jahren als Systemausrüster wieder hohe Gewinne erzielt.

Marconi wurde zuletzt an der Börse mit 723 Millionen Pfund (knapp 1,1 Milliarden Euro) bewertet. Die "Financial Mail" hatte vor einigen Wochen ohne Quellenangabe berichtet, Ericsson bewerte Marconi mit bis zu 1,3 Milliarden Pfund (1,9 Milliarden Euro). Marconi hatte wiederholt erklärt, keine strategische Option auszuschließen und bestätigt, mit möglichen Bietern Gespräche zu führen.

Der Kurs der Marconi-Aktie  war seit April unter Druck geraten, nachdem sich die British Telecom  für einen anderen Lieferanten zur Modernisierung ihres Netzes entschieden hatte.

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