Deutsche Telekom Ricke und die Trittbrettfahrer

Drei Milliarden Euro will die Telekom in ihr ultraschnelles Netz investieren. Aber schon vor der Realisierung gibt es Streit um das Projekt: die Wettbewerber wollen mit Flankendeckung der Regulierer erreichen, dass das Netz geöffnet wird. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke dagegen will Pioniergewinne erwirtschaften.

Bonn - Um das geplante ultraschnelle Internetnetz der Deutschen Telekom zeichnet sich ein Streit zwischen dem Bonner Konzern und den Regulierungsbehörde ab.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, forderte die Deutsche Telekom  auf, das Netz, über das auch alle Multimediadienste wie zum Beispiel Fernsehen laufen können, für Wettbewerber zu öffnen. Sie müsse einen Monopolverdacht rasch ausräumen. Konzernchef Kai-Uwe Ricke lehnte eine bedingungslose Öffnung sowie eine Regulierung des Netzes ab und stellte bei ungünstigen Bedingungen auch das gesamte Projekt in Frage.

Die Telekom will in das Hochgeschwindigkeitsnetz drei Milliarden Euro investieren. Mit ihm sollen Übertragungsraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde möglich sind - das 50fache der ursprünglichen DSL-Geschwindigkeit von ein MBit pro Sekunde. Die ersten Städte sollen bereits Mitte kommenden Jahres angeschlossen werden.

Entschlossen gegen Trittbrettfahrer

Ricke befürchtet, dass Wettbewerber die neue Infrastruktur günstig nutzen könnten und damit der Telekom Konkurrenz machten. "Wir brauchen Rahmenbedingungen, die uns Investitionen ermöglichen, ohne dass andere Trittbrett fahren, weil sie unsere Innovationen einfach mitnutzen", sagte er dem "Handelsblatt" vom Montag.

Andernfalls könnte die Telekom auch außerhalb von Deutschland investieren. "Wir werden diese Investitionen nur machen, wenn wir klare Rahmenbedingungen haben, also die Sicherheit, dass wir diese Investitionen auch für Pioniergewinne nutzen können."

Mit dem Bau des Glasfasernetzes schaffe die Telekom eine technische Infrastruktur für einen neuen Markt. "Und mit Verlaub wollen auch wir darüber entscheiden, ob und zu welchen Konditionen ein anderer Anbieter diese Infrastruktur nutzen kann und nicht der Regulierer." Das Hochgeschwindigkeitsnetz ist Teil der Strategie von Ricke, neben Internet-Zugängen auch Multimediadienste wie Fernsehen anzubieten und sich damit weiter vom schrumpfenden Festnetzgeschäft zu lösen.

Drohen und locken

Kurth drängte die Telekom dagegen zur Öffnung des Netzes. "Da ist die Telekom am Zuge, mit anderen Marktteilnehmern zu reden, bevor wir uns damit befassen", sagte er.

Einen Ausschluss von Wettbewerbern will er offensichtlich nicht akzeptieren: "Den im Markt geäußerten Verdacht, dass hier ein neuer Monopolsektor geschaffen werden soll, sollte die Telekom im eigenen Interesse schnell ausräumen." Einige Konkurrenten hatten den Aufbau des Netzes kritisiert, da sie Wettbewerbsnachteile befürchten.

Nach dem Start des schnellen Telekom-Glasfasernetzes will die Bundesnetzagentur eine Marktanalyse erstellen, um eine Grundlage für die weitere Vorgehensweise zu schaffen. "Wir können nur etwas regulieren, was im Markt sichtbar ist", sagte Kurth. Er plädierte für eine Lösung innerhalb der Branche. "Es wäre gut, wenn die Telekom derartige Pläne mit den Wettbewerbern (...) transparent diskutiert."

Zugleich will der Regulierer der Telekom höhere Gebühren für eine Nutzung des neuen Netzes zubilligen. "Ich habe durchaus Verständnis, dass man für das erheblich höhere Risiko einer solchen Investition einen höheren Ertrag haben will, und dass Wettbewerber auch an diesen höheren Aufwendungen und Risiken entsprechend beteiligt werden."

Marktbeherrschende Position in vielen Bereichen?

Kurth verwehrte sich gegen die Kritik, der deutsche Telekommunikationssektor werde zu stark reguliert. Die Telekom plädiert für eine schwächere Aufsicht, da in einigen Feldern wie bei Ferngesprächen sich die Konkurrenten einen großen Teil der Umsätze sichern konnten.

Kurth hält dem entgegen: "Der einzige Weg, aus der Regulierung entlassen zu werden, ist keine Marktbeherrschung mehr zu haben. Da kommen wir Schritt für Schritt erfreulicherweise voran." In vielen Bereichen verfügt die Telekom nach seinen Worten weiterhin über eine marktbeherrschende Position: "Wir haben eine Untersuchung durchgeführt, die in einem Segment eine Marktbeherrschung zeigte und zwar für Gespräche vom Festnetz in das Mobilfunknetz."

Welche Maßnahmen nun ergriffen werden, hänge von der Zustimmung der Europäischen Kommission ab. Diese so genannten Terminierungsentgelte stellen einen wesentlichen Anteil am Umsatz der Mobilfunkanbieter dar. Auf Druck der Behörden wollen die Mobilfunkanbieter T-Mobile, Vodafone , E-Plus und O2 die Entgelte Mitte Dezember reduzieren. "Die Terminierungsentgelte werden schrittweise weiter sinken", sagte Kurth.

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