Microsoft Finte gegen Apple und die EU

Im Kartellstreit zwischen Microsoft und der EU hat die Europäische Kommission ihren wichtigsten Verbündeten verloren: Realnetworks kassiert 750 Millionen Dollar vom Redmonder Softwarekonzern und kooperiert im Bereich digitale Musik und Spiele mit dem Ex-Erzfeind. Die Kooperation könnte dem Rivalen Apple gefährlich werden.

Seattle - Zumindest Aktionäre von Realnetworks  können sich schon einmal freuen: Der Kurs der Real-Anteilsscheine zog an der Wall Street um fast 40 Prozent auf in der Spitze acht Dollar an.

Kurz zuvor hatte Real offiziell mitgeteilt, beide Unternehmen hätten ihre weltweiten Kartellstreitigkeiten beigelegt. Dafür zahle Microsoft  460 Millionen Dollar. Außerdem macht der Redmonder Softwarekonzern gut 300 Millionen Dollar locker, um die Zusammenarbeit beider Unternehmen bei Musik und Spielen zu ermöglichen. "Heute schließen wir ein Kapitel in unseren Beziehungen zu Microsoft ab und beginnen ein neues", schrieb Realnetworks-Chef Rob Glaser. Auch persönlich profitiert Glaser von dem Deal. Als größter Einzelaktionär ist er nun um 100 Millionen Dollar reicher.

Glasers Unternehmen gehörte lange zu den schärften Microsoft-Kritikern und hatte 2003 in Kalifornien Kartellklage gegen den Softwarekonzern eingereicht. Real hatte Microsoft vorgeworfen, mit der Integration der Mediensoftware MediaPlayer in Windows Wettbewerber behindert zu haben. Realnetworks bietet das Konkurrenzprodukt RealPlayer an. Ursprünglich hatte Real bis zu eine Milliarde Dollar Schadenersatz von Microsoft gefordert.

EU allein auf weiter Flur

Die EU-Kommission hatte aus demselben Grund im März 2004 ein Rekordbußgeld gegen Microsoft verhängt und dem Konzern auferlegt, eine Windows-Version ohne den Media Player auf den Markt zu bringen. Sie reagierte damit auf Beschwerden unter anderem von Realnetworks.

Microsoft ist der Anordnung der Kommission mittlerweile gefolgt, geht aber auf juristischem Weg dagegen vor. Jetzt hat die EU-Kommission in ihrem Vorgehen gegen Microsoft den wichtigsten Alliierten verloren. Kommissionssprecher Jonathan Todd hatte vor der Bekanntgabe des Vergleichs jedoch erklärt, eine Einigung zwischen den beiden Unternehmen werde die Auseinandersetzung der EU mit Microsoft nicht beeinflussen.

Mit dem Abkommen schafft Microsoft eine weitere große Klage aus der Welt. "Wir kommen an den Punkt, wo wir die juristischen Fragen aus den 90ern hinter uns lassen", sagte der Microsoft-Anwalt Brad Smith. Erst im Juli hatte der Konzern in einem Kartellverfahren 775 Millionen Dollar an den Konkurrenten IBM  gezahlt. Auch mit AOL Time Warner  und Sun Microsystems  hatte sich Microsoft außergerichtlich geeinigt.

Neben dem Preis, den Microsoft zahlt, wird für Real auch noch eine weitere Erwägung wichtig gewesen sein: Gates und Glaser kündigten nach der überraschenden Einigung an, eine Partnerschaft im Bereich der digitalen Musik eingehen zu wollen. Beide Unternehmen können nun vereint gegen Apple vorgehen, dessen Bezahlmusikdienst weltweit der Marktführer in seinem Segment ist.

Noch vor rund anderthalb Jahren hatte sich Glaser Apple als favorisierten Partner gewünscht. Im April 2004 bot Glaser Apple-Chef Steve Jobs in einer E-Mail für das Online-Musik-Geschäft eine taktische Allianz gegen den Softwaregiganten aus Redmond an. Andernfalls, so drohte er in der Mail, könne er gezwungen sein, einen Pakt mit Microsoft einzugehen. Jobs soll auf die Anfrage nicht einmal reagiert haben.

Für die jetzige Einigung mit Microsoft, so Glaser in einem Interview, hätten die Unternehmen vor rund einem Jahr ihre Gespräche aufgenommen. "Wenn es die Frage ist, ob es ein Beispiel von 'Der Feind meines Feindes ist mein Freund' war, würde ich Nein sagen", sagte Glaser. Die Motivation zu diesem Schritt sei doch vielschichtiger gewesen.

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