iTunes-Konkurrenz Kein Microsoft-Musikshop

Apple wird auch in Zukunft keine ernsthafte Konkurrenz zum iTunes-Store fürchten müssen. Microsoft hat die Gespräche mit den vier weltweit größten Musikkonzernen über einen Online-Musikservice ergebnislos abgebrochen.

San Francisco - Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft  hat einem Pressebericht zufolge Lizenzgespräche mit den vier größten Musikunternehmen abgebrochen.

Der Softwarekonzern sei nicht bereit gewesen, die von den Labels geforderten Lizenzgebühren zu bezahlen, berichtete das "Wall Street Journal" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Kreise.

Die Vivendi Universal Music Group, Sony BMG, Warner Music und EMI hatten den Informationen zufolge in gesonderten Gesprächen Lizenzgebühren von sechs bis acht US-Dollar pro Nutzer und Monat gefordert. Das Ende der Gespräche wird dem Pressebericht zufolge Microsofts Pläne, einen Online-Musikservice auf Abonnementbasis aufzubauen, für ungewisse Zeit verzögern.

Mit dem Begehren der Musikkonzerne, ihre Lizenzeinnahmen zu erhöhen, hat auch Apple  zu kämpfen. Erst Ende August wurde öffentlich, dass Sony BMG und die Warner Music Group auf eine Erhöhung der Preise beim iTunes Music Store drängen.

Preisdruck nach oben

"Wir konkurrieren noch immer vor allem mit illegalen Tauschbörsen", sagte Apple-Chef Steve Jobs Mitte September. "Wenn wir die Preise über 99 Cent anheben, besteht die Gefahr, dass die Anwender sich die Musik wieder illegal aus dem Netz herunterladen. Dann verlieren wir alle." Jobs sagte weiter: "Ein Musiclabel hat von uns Preiserhöhungen verlangt, andere wollen mit Preisen experimentieren."

Faktisch aber kann man in beiden Fällen von einem Preisdruck nach oben sprechen: Die Vorstellungen der meisten Musikfirmen gehen dahin, aktuelle und populäre Musik deutlich zu verteuern und zugleich das weniger nachgefragte "Back-Programm" aus älteren Alben billiger anzubieten.

Jobs forderte die Unternehmen auf, den Preis pro Song nicht über einen Dollar beziehungsweise einen Euro zu treiben. Dann schickte er den Konzernen noch einen deutlichen Rüffel hinterher: "Die Labels verdienen mehr daran, einzelne Tracks über iTunes zu verkaufen, als wenn sie gesamte CDs verkaufen. Vermarktungskosten gibt es für sie auch nicht. Wenn die jetzt die Preise erhöhen wollen, bedeutet das nur, dass sie ein wenig gierig werden."

Der Apple-Deal

Selbstbewusste Töne, die nicht von ungefähr kommen: Apple kontrolliert rund 80 Prozent des weltweiten Marktes für Musik-Downloads - was die großen Musikfirmen mit gemischten Gefühlen sehen. Mit ihren eigenen Versuchen, entsprechende Angebote zu schaffen, sind sie entweder grandios gescheitert oder stolpern Apple mühsam hinterher.

Dass Apples iTunes Music Store so groß wurde, war hingegen auch von ihnen gewollt. Der Apple Music Store ist ein Unternehmen, das unter besonderen Bedingungen aus der Taufe gehoben wurde. Über Jahre hatte die Entertainmentindustrie weitgehend vergeblich versucht, sich mit juristischen Mitteln gegen den P2P-Boom zu stemmen. Gleichzeitig gab es keine legale Alternative. Frühe Online-Downloadshops krankten allesamt an abstrusen Lizenzauflagen, schmalbrüstigen Repertoires und überzogenen Preisen.

Dann kam im April 2003 der Apple-Deal. Die Musikfirmen hatten begriffen, dass sie den erhofften Markt für Musik-Downloads erst einmal wachsen lassen müssten, bevor sie daran gehen könnten, ihren Profit daraus zu ziehen. Der Kandidat mit der Lizenz zum Download-Verkauf wurde Apple - zu bis dahin nicht erreichten günstigen Konditionen.

Marktführer binnen weniger Monate

Die gab Apple an seine Kunden weiter. Relativ liberale Nutzungsbedingungen mit Brenn- und Speicherrechten in Kombination mit einem vergleichsweise günstigen Preis (pauschal 99 Cent pro Song) machten den iTunes Music Store binnen Monaten zur Nummer eins in der Welt. Trotz zahlreicher Konkurrenten hält Apple noch immer rund 80 Prozent des gesamten Marktes.

Was der Musikindustrie nicht schmeckt, ist die Tatsache, dass Apple seine maßgeblichen Profite aus dem iTunes-Modell nicht durch den Onlineverkauf von Musik zieht, sondern aus dem dadurch beförderten Absatz von iPods. Apple, rumort es darum seit längerem, könne komfortabel mit Profitmargen leben, die für seine Konkurrenten nicht hoch genug seien.

Immerhin ist die Musikindustrie nicht zuletzt durch den iTunes Music Store in ihrem Kampf gegen P2P heute weit besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren. Unterdessen hat sich nicht nur ein veritabler legaler Onlinemarkt etabliert, sondern P2P ist an allen Fronten auf dem Rückzug.

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