Vista/Office 12 Schöner Arbeiten mit Microsoft

Bill Gates verkündet Großes: "Das Betriebssystem Windows Vista und die neue Version der Bürosoftware Office werden den digitalen Lebensstil neu definieren." Anwender sollen mit weniger Klicks zum Ziel gelangen. Experten werden in nächster Zeit genau prüfen, ob die Programme halten, was Gates verspricht.

Los Angeles - Der Softwarekonzern Microsoft  will das Arbeiten am Computer mit neuen Versionen seines Betriebssystems Windows und seines Office-Pakets einfacher machen. Zusammen mit immer leistungsfähigeren Chips und Fortschritten bei der Internetanbindung werde die Software den digitalen Lebensstil neu definieren, sagte Firmengründer Bill Gates zur Eröffnung der Fachkonferenz "Professional Developers Conference" (PDC) in Los Angeles.

Windows Vista werde mehr Sicherheit und Verlässlichkeit bieten und Informationen klarer darstellen als bisher, versprach Gates. Der Name bedeutet so viel wie Aussicht, aber die meisten Neuerungen des PC-Betriebssystems werden den Anwendern verborgen bleiben. Weil sie den innersten Kern des Betriebssystems, den Kernel, betreffen, finden sie gewissermaßen unter der Motorhaube statt. Mit Vista erreicht die interne Versionsbezeichnung des Kernels den Stand 6.0, während es beim Wechsel von Windows 2000 zu Windows XP nur einen kleinen Schritt von 5.0 auf 5.1 gab.

Der gefürchtete "Bluescreen", also der plötzliche Windows-Absturz, soll mit Vista der Vergangenheit angehören. Deswegen werden die meisten Gerätetreiber nicht mehr in den Kernel eingebunden. Stattdessen bleiben sie eine Etage darüber im User-Mode, wo sie die Computerhardware nicht in Verwirrung bringen können. "Gerade die Gerätetreiber waren bisher für einen wesentlichen Teil der Bluescreens verantwortlich", erklärt der für Windows Vista zuständige Produktmanager Greg Sullivan.

Was auf der Oberfläche von Windows Vista zu sehen ist, erinnert auf den ersten Blick ein bisschen an Mac OS X, das aktuelle Betriebssystem der Apple-Rechner. Als Namensgeber von Windows erscheinen die Fenster mit einem aufpolierten Rahmen, der den Hintergrund durchscheinen lässt. Wird der Mauszeiger auf das Kreuz in der oberen rechten Fensterecke bewegt, leuchtet dieses rot auf - vielleicht wird man so seltener aus Versehen ein Fenster schließen, wenn man es eigentlich nur vergrößern oder verkleinern will.

Optimiertes Startmenü

Optimiertes Startmenü

Icons, also die kleinen Symbole auf dem Desktop, werden in Vista nicht mehr als Pixelbild, sondern als Vektorgrafik dargestellt. Dadurch können sie beliebig vergrößert werden, ohne dass dabei hässliche Treppenstufen erscheinen.

Zudem wird das Startmenü von Windows gründlich aufgeräumt. Es zeigt zunächst nur die am häufigsten verwendeten Programme an. Die anderen tauchen auf, wenn man ihren Namen in ein Eingabefeld eintippt. Das endlose Aufklappen immer neuer Felder im Startmenü hat damit endlich ein Ende.

Das neue Windows nutzt auch mehr als bisher den XML-Standard. So können Programmierer die grafische Gestaltung ihres Programms mit Hilfe der XAML-Technik (Extensible Application Markup Language) vom eigentlichen Programmcode trennen - und der Software einfacher als bisher neue Kleider überziehen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch das Open-Source-Projekt XUL (XML User Interface Language).

Mehr Tempo beim Arbeiten am Computer verspricht eine Art Turbolader mit der Bezeichnung Superfetch. Dieser merkt sich, welche Programme am häufigsten gestartet werden. Ein Teil des Codes dieser Anwendungen wird dann beim Systemstart automatisch mit in den Arbeitsspeicher geladen. Wird das Programm dann tatsächlich gestartet, bietet es sofort seine Dienste an.

"Wir müssen ein System ausliefern, das beim Umgang mit dem PC sehr viel mehr Vertrauen bietet", sagt Produktmanager Sullivan. Deshalb sei an vielen Stellen die Sicherheit verbessert worden. Um den Computer besser als bisher vor Fehlern des Anwenders ebenso wie vor Angriffen von außen zu schützen, bietet Windows Vista endlich eine ausgereifte Mehrbenutzerverwaltung. Auch ohne lästige Einschränkungen bei der PC-Nutzung wird es nun möglich, das System als einfacher Nutzer, also ohne Administrator-Rechte, zu bedienen. Bei Linux ist dies schon seit Jahren üblich.

Sicherer soll jetzt auch der Browser werden - mit Windows Vista wird die Version 7 des Internet Explorers eingeführt. Der neue Browser soll den Betrug mit vorgetäuschten Webseiten für das Ausspähen persönlicher Daten - das so genannte Phishing - verhindern. "Wir wollen erreichen, dass Software so sicher und zuverlässig wird wie das Elektrizitätsnetz" sagte Gates. Mit Blick auf einen mehrstündigen Stromausfall in Los Angeles am Vortag fügte er hinzu, er fürchte aber, dass die Stromversorgung "nicht so gut wird wie wir".

Registerkarten statt Menüs

Registerkarten statt Menüs

Windows Vista ist das erste große Update des Betriebssystems seit der Einführung von Windows XP Ende 2001. Die neue Software wird zurzeit gründlich getestet: Seit Juli prüfen rund 10.000 IT-Experten die erste Vorabversion, die Beta 1, auf noch vorhandene Fehler. Eine weitere Beta-Version, bezeichnet als Community Technology Preview, wurde auf der Entwicklerkonferenz in Los Angeles vorgestellt. Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres soll dann eine öffentliche Testphase beginnen, an der sich alle Interessenten beteiligen können.

Eine neuartige Visualisierung von Informationen stellte Gates für Office 12 in Aussicht. Das Paket aus Textverarbeitung, Software für die Tabellenkalkulation und anderen Büroanwendungen soll ebenfalls in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres erscheinen. Hier hat Microsoft die herkömmlichen Menüs durch eine Leiste mit Registerkarten ersetzt. Darunter werden dem Anwender Symbole mit unterschiedlichen Befehlen präsentiert, die sich je nach Aufgabenstellung ändern.

Die neue Oberfläche ist das Ergebnis einer umfassenden Studie, bei der alle Mausklicks von Anwendern registriert wurden. Die neue Oberfläche mache bei bestimmten Arbeiten an einem Dokument bis zu 50 Prozent der bisher erforderlichen Mausklicks überflüssig, sagte Microsoft-Managerin Julie Larson-Green.

"Für alle, die Software entwickeln, ist dies eine großartige Zeit", rief Gates den in Los Angeles versammelten Programmierern zu. Auf der alle zwei bis drei Jahre stattfindenden PDC wollen sich rund 7000 Teilnehmer bis Freitag in mehreren hundert Arbeitsgruppen mit der Entwicklung von Programmen für die Microsoft-Plattform beschäftigen.

Vorantreiben will Microsoft auch die technischen Möglichkeiten für aufwändig gestaltete Internetangebote mit neuen grafischen Effekten und integrierter Videodarstellung. Dafür entwickelt das Unternehmen unter dem Namen Atlas eine Erweiterung seiner ASP-Technik. Damit sowie mit einer neuen Sammlung von Software-Bausteinen, die als "Windows Presentation Foundation-Everywhere" (WPF/E) bezeichnet wird, tritt Microsoft verstärkt in Konkurrenz zu dem weit verbreiteten Flash-Format des kürzlich von Adobe  übernommenen Unternehmens Macromedia.