Zehn Jahre Ebay Die Macht des Monopols

1995 wurde in Amerika der Vorgänger des heutigen Web-Auktionshauses Ebay gestartet. Inzwischen gehört die Versteigerungsplattform zu den ganz Großen im Internethandel. Ein Rückblick auf zehn Jahre Ebay-Kultur.

Die Erfolgsgeschichte von Ebay  in Deutschland begann mit einer Abkupfer-Aktion. Die drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer gründeten Anfang 1999 in Berlin gemeinsam mit drei Freunden die Auktionsplattform Alando.de - als Vorbild galt die US-Site Ebay.com.

Das Versteigerungsportal war den drei Brüdern aufgefallen, als sie im Silicon Valley jobbten. Das müsste auch in Deutschland gut funktionieren, sagten sie sich und hatten Recht damit.

Einige Monate später stieg Ebay bei Alando ein, die insgesamt sechs Alando-Gründer sollen gemeinsam bis zu 40 Millionen Dollar kassiert haben - schnell verdientes Geld. Aus dem Ebay-Management stiegen die Brüder bald aus, konnten ihre Hände jedoch nicht von boomenden Märkten lassen. Heute leiten Marc und Oliver Samwer den Klingeltonhändler Jamba und verkaufen Jugendlichen "Spar-Abos", was Verbraucherschützer immer wieder auf die Palme bringt.

Knapp 30.000 Euro zahlte im Sommer 2004 ein kanadischer Bieter für den Ball, den Englands Kapitän David Beckham im EM-Spiel gegen Portugal in den Himmel jagte.

Knapp 30.000 Euro zahlte im Sommer 2004 ein kanadischer Bieter für den Ball, den Englands Kapitän David Beckham im EM-Spiel gegen Portugal in den Himmel jagte.

Verkauft: Die sechs jungen Frauen aus Gütersloh bekamen im November 2003 25.050 Euro. Im Gegenzug ließen sie sich zu einer Party einladen.

Verkauft: Die sechs jungen Frauen aus Gütersloh bekamen im November 2003 25.050 Euro. Im Gegenzug ließen sie sich zu einer Party einladen.

Foto: obs/Krombacher Brauerei GmbH & Co.
Nur für Selbstabholer: Dieser Anfang 2004 angebotene Flugzeugträger wurde während des Zweiten Weltkriegs auf einer englischen Werft gebaut und war bis zum Jahr 2001 im Einsatz. Das Höchstgebot stand bei fast 100 Millionen US-Dollar. Doch drei Tage vor Ablauf der Auktion stoppte Ebay die Auktion.

Nur für Selbstabholer: Dieser Anfang 2004 angebotene Flugzeugträger wurde während des Zweiten Weltkriegs auf einer englischen Werft gebaut und war bis zum Jahr 2001 im Einsatz. Das Höchstgebot stand bei fast 100 Millionen US-Dollar. Doch drei Tage vor Ablauf der Auktion stoppte Ebay die Auktion.


Zehn Jahre Ebay: Kuriositäten unterm Hammer
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Die erste Ebay-Auktion fand 1995 in den USA statt; allerdings hieß die Website damals noch nicht Ebay sondern Auctionweb. Unternehmensgründer Pierre Omidyar versteigerte einen kaputten Laserpointer. Er ahnte damals kaum, dass schon einige Jahre später Laptops, Autos und sogar Flugzeuge unter den virtuellen Hammer kommen würden. Ganz zu schweigen von heiligen Toastbroten und Frauen, die sich im Sixpack als Partygäste feilboten.

In den zehn Jahren hat Ebay die Welt erobert, manche Menschen zu süchtigen Stöberern gemacht, das Geschäft von Kleinanzeigenblättern ruiniert und auch Betrügereien erleichtert: Leute verkaufen Dinge, von denen sie nur ein Foto besitzen. Andere verscherbeln leere Kartons oder Hehlerware. Ganz üble Abzocker täuschen eigens einen Treuhanddienst vor, an den gutgläubige Käufer ihr Geld überweisen sollen - mit Erfolg, zumindest aus Sicht der Betrüger.

Doch trotz aller Negativschlagzeilen: Insgesamt funktioniert das Ebay-Prinzip gut, Unbekannte zum Kaufen und Verkaufen online zusammenzubringen. Ebay hat dem Internet zusätzlichen Schub verliehen und sogar die Netzkultur mitgeprägt - unter anderem mit seinem Bewertungssystem, das bereits 1996 eingeführt wurde. Statt selbst als Aufpasser zu fungieren, ließ Ebay seine Mitglieder auf sich selbst aufpassen - das war äußerst clever und billig obendrein. Auch wenn das Bewertungssystem immer mal wieder auch ausgetrickst wurde, so hat es sich doch bewährt.

"Ist von Ebay"

Längst dient Versteigern nicht nur dem Loswerden von altem Krempel, der den Dachboden verstopft. Spaßvögel, Wichtigtuer und Übergeschnappte nutzen Ebay für ihre Auftritte - egal ob sie ein Reparaturset für Space Shuttles, ihre Dienste als Schwiegermutterschreck oder einfach nur Käsebrote anpreisen.

Und, nicht zu vergessen, natürlich wird auf Ebay das große Geschäft gemacht: Heute hat die Plattform weltweit 157 Millionen Mitglieder; Ebay ist auf 33 nationalen Märkten vertreten. Powerseller dominieren in vielen Rubriken; die angebotene Neuware hat den anfangs noch weit verbreiteten Flohmarkt-Charme vertrieben.

Der Erfolg hat jedoch auch seine Schattenseiten. Mit Phishing-Aktionen versuchten Geschäftemacher massenhaft Ebay-Passwörter zu stehlen, um diese später bei Betrügereien missbrauchen zu können. Auch die Plattform zeigte mehrfach Sicherheitslücken; so gerieten Passwörter in fremde Hände. In Deutschland wurde mancher unfreiwillig zum Ebayer. Betrüger hatten sich schlicht unter fremder Identität angemeldet. Möglich machte es die lasche Identitätsprüfung - übrigens bis heute.

Für Schnäppchenjäger ist Ebay mittlerweile nur noch mäßig interessant - zu viele Bieter verderben häufig die Preise. Alternativen zu Ebay gibt es zwar zuhauf, doch keine der Plattformen konnte dem Branchenprimus bisher gefährlich werden. Ebay dominiert den Markt, selbst in Suchmaschinen und Preisvergleich-Sites finden sich massenhaft Ebay-Angebote.

Aus dem Alltag ist Ebay kaum noch wegzudenken. "Ist von Ebay", hört man alle Nase lang. "Verkauf's bei Ebay" ebenso. Nach zehn Jahren Online-Auktionen stellt sich die Frage: Was kommt nach Ebay? Eine Antwort steht bisher noch aus.

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